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Nigeria: Bündnis fordert Ausnahmezustand

Massaker und Entführungen in dem afrikanischen Land nehmen zu: Nun fordert ein Bündnis der Zivilgesellschaft Präsident Tinubu auf, den Ausnahmezustand auszurufen.
Nigerias Präsident Bola Tinubu
Foto: Wikicommons/gemeinfrei | Kritik an Nigerias Präsident Tinubu: „Es sind nun acht Monate vergangen, seit Präsident Tinubu vereidigt wurde, und trotzdem hat sich die Lage nicht verbessert“, heißt es in der Erklärung.

Ein Bündnis aus 48 Organisationen der Zivilgesellschaft fordert den nigerianischen Präsidenten Bola Tinubu dazu auf, zur Bekämpfung der wachsenden Unsicherheit in Nigeria den Ausnahmezustand auszurufen.  „Zivilgesellschaftliche Organisationen in Nigeria (...) sind zutiefst besorgt über die sich verschlechternde Sicherheitslage in Nigeria und im Bundeshauptstadtgebiet Abuja und fordern die nigerianische Regierung daher auf, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um die endemische Unsicherheit zu beenden, weitere Angriffe von Entführerbanden und terroristischen Gruppen zu reduzieren und vermisste Personen zu finden“, erklärte Auwal Musa, Geschäftsführer des „Civil Society Legislative Advocacy Centre“ (CISLAC). 

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Die Unsicherheit hatte unter den letzten drei Regierungen angehalten, auch in der von Präsident Muhammadu Buhari, der als ehemaliger General das Vertrauen der Öffentlichkeit für seine Kandidatur gewonnen hatte, indem er versprach, die wachsende Unsicherheit einzudämmen. Musa berichtete dagegen über besorgniserregende Daten: Während Buharis zweiter Amtszeit zwischen 2019 und 2023 hätten mindestens 24.316 Nigerianer ihr Leben verloren; etwa 15.597 Menschen seien entführt worden.

Zunahme von Entführungen

„Es sind nun acht Monate vergangen, seit Präsident Tinubu vereidigt wurde, und trotzdem hat sich die Lage nicht verbessert“, heißt es in der von Musa verlesenen und von den 48 Organisationen der Zivilgesellschaft unterzeichneten Erklärung. „Unsere Beobachtungen zeigen, dass seit dem Beginn der Amtszeit von Präsident Tinubu bis zum 26. Januar 2024 mindestens 2.423 Menschen bei Massenmorden getötet und mindestens 1.872 Menschen entführt wurden.“

Besonders besorgniserregend sei die Zunahme der Entführungen: Allein in den ersten beiden Wochen des Januar 2024 gab es demnach 230 Entführungen, die meisten davon mit mehreren Opfern. Zu den Massakern, die in der Erklärung aufgelistet werden, gehören auch jene, die an Weihnachten 2023 im Bundesstaat Plateau verübt wurden. Bewaffnete hatten an Weihnachten mehrere von Christen bewohnte Dörfer überfallen und ein Massaker angerichtet. Laut örtlichen Medienberichten wurden mindestens 160 Menschen getötet. Mehr als 200 Häuser seien zerstört worden.  DT/chp

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