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Weihnachten im Schatten des Krieges

Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pizzaballa, erklärt, warum sich die Kirche nicht parteiisch auf eine Seite schlagen kann.
Kardinal Pierbattista Pizzaballa, Patriarch von Jerusalem
Foto: Majdi Fathi via www.imago-images.de (www.imago-images.de)

Israels Staatspräsident kritisiert „einige zutiefst enttäuschende Kommentare von einigen sehr wichtigen Führern der christlichen Welt“. So rief Isaac Herzog die christlichen Kirchen bei einer Begegnung mit Kirchenführern in Jerusalem nun auf, die Hamas zu verurteilen und Israel dabei zu unterstützen, „das Böse aus dem Heiligen Land auszurotten“. Was „das Böse“ ist, steht für Herzog außer Zweifel, nämlich der „fundamentalistische Islam“. Und woher es kommt, weiß er auch: „Das Reich des Bösen geht von Teheran aus und glaubt an die dschihadistische Ideologie“.

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Präsident Herzog hat alles Recht auf diese Sichtweise, denn der terroristische Überfall der Hamas, gesteuert von Teheran und begleitet von Hisbollah-Attacken aus dem Libanon, hat die israelische Gesellschaft traumatisiert und ihren Traum von einem Leben in Sicherheit binnen weniger Stunden zerstört. Die Kirchen im Heiligen Land und weltweit haben dennoch einen ganz eigenen Blick auf diesen schrecklichen Krieg: Sie nehmen das Leid und die Würde aller Menschen in den Blick – der Israelis wie der Palästinenser, der Juden und der Muslime und der Christen.

Der Kirche geht es um Wahrheit und Gerechtigkeit

Die komplexe politische und historische Lage des Heiligen Landes hat die Kirchen stets dazu gezwungen, auch politische Positionen zu beziehen. So wirbt der Heilige Stuhl seit Jahrzehnten – und auch heute – für eine Zwei-Staaten-Lösung und einen internationalen Status für Jerusalem. Das ist aus heutiger Sicht wenig realistisch und jedenfalls nicht in Reichweite. Aber ohne eine Internationalisierung Jerusalems und einen international begleiteten Versuch, beiden Seiten Sicherheit und Recht zu gewähren, wird es nie einen Frieden geben, der über einen Waffenstillstand oder eine Feuerpause hinausreicht.

Diese Vision ist der eine Grund, weshalb sich die Kirche im Nahost-Konflikt nicht „parteiisch auf eine Seite schlagen“ kann, wie der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, jetzt neuerlich erklärte. Den anderen, weniger pragmatischen und mehr prinzipiellen, brachte Pizzaballa so auf den Punkt: Die Kirche müsse „immer für Wahrheit und Gerechtigkeit eintreten“. Sie verkünde die Gerechtigkeit „mit Respekt gegenüber allen, aber mit Entschiedenheit und Klarheit“. Und weiter: „Sie darf nicht der Logik erliegen, mit dem einen zu sein bedeute, gegen den anderen zu sein.“

Und doch strahlt ein Licht von der Krippe auf

Der Krieg im Heiligen Land ist für die arabischen Christen humanitär, psychisch und wirtschaftlich eine Katastrophe. Die Geburtsstadt des Erlösers, Bethlehem, ist praktisch abgeriegelt; die Menschen können nicht zur Arbeit nach Jerusalem fahren; das Weihnachtsgeschäft fällt aus. Da ist es die Pflicht der Kirchenführer, mit den eigenen Gläubigen zu sein, so gut es eben geht. Patriarch Pizzaballa wird – übrigens mit Kurienkardinal Konrad Krajewski als päpstlichem Sondergesandten – den Heiligen Abend bei den Katholiken Bethlehems in der Geburtskirche verbringen, wenngleich an Feiern mit traditionellem Charakter kaum zu denken ist.

Dunkle Schatten liegen im Heiligen Land über diesem Weihnachtsfest. Wo die Wirkkraft menschlicher Worte endet, erinnert die Kirche mit der Feier ihrer Sakramente bleibend daran, dass da ein Licht von der Krippe her aufstrahlt, das dazu bestimmt ist, die Dunkelheit menschlicher Bosheit zu überwinden. „Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt“, lesen wir im Johannes-Prolog. Das beschreibt den Wesenskern der christlichen Weihnachtshoffnung.

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Stephan Baier Hamas Katholikinnen und Katholiken Pierbattista Pizzaballa Päpste

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