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Rücktritt mit weißem Habit

Nach 16 Jahren als Abt reicht Maximilian Heim den Staffelstab weiter. Die zurückliegende Visitation des Klosters mag belastend gewesen sein, die Ergebnisse waren es nicht.
Maximilian Heim
Foto: Elisabeth Fürst | Kein erkennbares Fehlverhalten: Abt Maximilian Heim OCist gibt die Führung in Heiligenkreuz ab.

Heiligenkreuz steht vor einem doppelten Führungswechsel, nämlich im Kloster wie in der Hochschule. Beide Institutionen – das 1133 gegründete Zisterzienserkloster wie seine zunehmend internationale Hochschule – wurden in den vergangenen Jahren einer römischen Visitation unterzogen. Das nährte in einer interessierten Öffentlichkeit den Verdacht, hinter dem Berufungsboom im Wienerwald könnten sich doch mehr Probleme, Baustellen oder gar Skandale verbergen, als weithin sichtbar ist. Doch die Visitationen, so anstrengend sie für die Betroffenen auch waren, brachten weit banalere Ergebnisse, als sensationsheischende Veröffentlichungen glauben machen wollten.

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Dennoch legt Abt Maximilian Heim, der das traditionsreiche Stift mit seinen Prioraten in Neuzelle, Bochum-Stiepel und Wiener Neustadt nun seit 16 Jahren leitet, die Führung in andere und, wenn es nach ihm selbst geht, „jüngere Hände“. Mit Wirkung zum Fest Kreuzerhöhung tritt der Abt zurück, dann ruht für drei Tage die Verantwortung auf den Schultern des Priors, Pater Johannes Paul Chavanne, bis am 17. September das Ordenskapitel, also die zu Heiligenkreuz zählenden Mönche mit feierlicher Profess, zur Neuwahl schreiten. Allerdings nicht zur Wahl eines neuen Abtes, sondern lediglich eines auf drei Jahre zu bestellenden Administrators. Der Abtpräses der Österreichischen Zisterzienserkongregation, Pius Maurer, der selbst Abt von Stift Lilienfeld ist und die Wahl in Heiligenkreuz leiten wird, erklärte, dass „nach Rücksprache mit dem Ordensdikasterium in Rom“ ein Administrator anstelle eines Abtes gewählt werde, „da mehr als ein Drittel der Wahlberechtigten noch nie an einer Abtwahl teilgenommen hat“.

Spricht das nur für das schnelle Wachstum der Mönchsgemeinschaft unter der Leitung von Maximilian Heim? Oder steckt dahinter auch ein römisches Misstrauen? Tatsache ist, dass die Heiligenkreuzer Mönche in ihrer Wahl frei sind: Sie können die Wahl vom 17. September als Weichenstellung für eine 2029 beginnende, längere Abtsära anlegen oder die drei Jahre des Administrators als disruptiven Übergang gestalten, um 2029 wieder ruhigere Fahrwasser anzusteuern. Sie können den Wunsch des scheidenden Abtes, der sein Amt „in jüngere Hände“ legen will, wörtlich nehmen oder auf einen erfahrenen älteren Mitbruder setzen. Sicher scheint, wie diese Zeitung aus dem Wienerwald vernahm, dass die kommenden drei Jahre auch der Umsetzung der Visitationsergebnisse gewidmet sein werden.

Blühende Gemeinschaft im Wienerwald

Die aber sind angesichts der mit etwa 100 Mönchen außergewöhnlich großen Klostergemeinschaft wenig überraschend: Das vatikanische „Dikasterium für die Institute des geweihten Lebens“ wünschte eine Optimierung der Kommunikationsfähigkeit der Gemeinschaft nach innen und nach außen, strategische Überlegungen zur Zukunft des Klosters, eine vertiefte Reflexion der theologischen und spirituellen Ausrichtung und eine Vertiefung der Heranführung junger Menschen an Priestertum und monastisches Leben. Also alles, was nur ein ohnehin sterbendes Kloster ignorieren kann, nicht aber eine blühende Gemeinschaft. Dass die Abtei vor den Toren Wiens „durch ihr rasches Wachstum große innere strukturelle Herausforderungen“ hat, das hätte man auch ohne eine bombastisch angekündigte Visitation feststellen können.

Anders als das in Stil und Ton verunglückte Dekret zur Einsetzung einer Visitation vom 5. Juni 2025 noch suggerierte, hat sich Abt Maximilian Heim laut Visitationsergebnis nichts zuschulden kommen lassen. Insider bestätigen dieser Zeitung, dass keinerlei Vorwürfe des Fehlverhaltens gegen den Abt erhoben wurden, kein Skandal an die Oberfläche gelangte und auch die von linkskatholischer Seite lustvoll zelebrierte Aufregung um den Moraltheologen Pater Edmund Waldstein bei der Visitation keine Rolle spielte. Vielmehr dankte das römische Ordensdikasterium dem Abt ausdrücklich „für seinen herausragenden persönlichen Einsatz zugunsten der Abtei Heiligenkreuz, der mit zu einer bemerkenswerten Blüte der Gemeinschaft geführt hat“. Dass die Visitation selbst vom Abt als belastend empfunden wurde, leugnet man in seinem Umfeld nicht. Entscheidender für seinen Entschluss waren aber offenbar schwere Herzprobleme, die Maximilian Heim im Vorjahr nur knapp überstand.

Angesichts dessen wollte der 65-Jährige im Januar 2027 nicht neuerlich die Vertrauensfrage stellen, sondern die Führungsverantwortung abgeben, um sich selbst wieder der Seelsorge und – wie ein Vertrauter mutmaßt – auch der theologischen Forschung zu widmen. Immerhin ist Heim ein profunder Kenner der Theologie Joseph Ratzingers, der auch mit dem Premio Ratzinger geehrt wurde, also im Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger Gregor Henckel Donnersmarck kein gelernter Manager. Kein Wunder, dass 16 Jahre an der Spitze eines boomenden Klosters – und ein Jahrzehnt davon auch als Abtpräses – den gebürtigen Kronacher mit (seit seiner Abtwahl) österreichischer Staatsbürgerschaft viel Kraft gekostet haben. Zumal der Zustrom frommer junger Männer nach Heiligenkreuz zahlreiche Neider auf den Plan gerufen hat.

Zisterziensische Führung

Letzteres betrifft nicht nur das Kloster, das neben drei Prioraten auch 23 Pfarreien betreut und 180.000 Besucher pro Jahr verzeichnet, sondern auch die Hochschule. Auch sie wurde vor einigen Jahren visitiert – durch das vatikanische Bildungsdikasterium, denn seit 2007 untersteht sie direkt Rom. Eine der Folgen war damals, dass an die Spitze der weltweit einzigen Zisterzienserhochschule, die zudem aus einer Hauslehranstalt von vier niederösterreichischen Zisterzienserabteien hervorging, ein Theologe treten sollte, der selbst nicht dem Zisterzienserorden angehört. Heiligenkreuz fand 2023 mit dem deutschen Fundamentaltheologen Wolfgang Klausnitzer eine höchst passende Lösung, denn der aus Mittelfranken stammende Theologe ist Bamberger Diözesanpriester, schuf sich als Professor in Innsbruck, Bamberg und Würzburg einen ausgezeichneten Ruf und war Heiligenkreuz als Familiare und Dozent seit langem verbunden.

Im kommenden Jahr geht Klausnitzers Amtszeit als Rektor zu Ende und vieles spricht dafür, dass die Hochschule Heiligenkreuz mit ihren fast 300 Hörern wieder zu zisterziensischer Führung zurückkehrt. Da trifft es sich vielleicht gut, dass der Gründungsrektor der „Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz“, Pater Karl Wallner, nach einem Jahrzehnt als österreichischer Missio-Nationaldirektor seinen Job mit weltkirchlicher Verantwortung am 1. September tatsächlich „in jüngere Hände“ legt und dann wieder mehr in seinem Kloster im Wienerwald präsent sein wird. Dass er, der auch in seinem Missio-Jahrzehnt hier weiter Dogmatik dozierte, sich verstärkt der Hochschule widmen und ihre Studierenden fit machen möchte, „um ihre theologische Kompetenz missionarisch über moderne Medienformate auszustrahlen“, ist möglicherweise nur der Anfang.

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