Vor 800 Jahren wurde St. Marien, die Kirche des ehemaligen Zisterzienserklosters Zinna, geweiht. Der schlichte Granitbau hat einen beträchtlichen Teil der brandenburgischen Geschichte erlebt – und mitgeprägt. Das Kloster Zinna wurde 1170 durch Wichmann von Seeburg, Erzbischof von Magdeburg, gegründet. Das Gebiet hatte er von Albrecht dem Bären für seine militärische Unterstützung gegen die Slawen erhalten. Die ersten Mönche kamen aus der Zisterzienserabtei Altenberg bei Köln, die ihrerseits 1133 als Filiation von Morimond entstanden war.
Die Anfänge des Klosters gestalteten sich für die ersten zwölf Mönche unter der Leitung von Abt Ritzo schwierig. 1179 wurde das Kloster bei einem Kriegszug des pommerschen Herzogs Kasimir I. überfallen; der Abt wurde erschlagen, die Mönche mussten zeitweise in Jüterbog betteln. Erst um 1215 gibt es wieder Hinweise auf eine gefestigte Nutzung des Klosters. In dieser Phase entstand wohl auch die Abteikirche aus Granitquadern, vermutlich unter Ritzos Nachfolger Abt Rudolphus. Die Kirchweihe wird für das Jahr 1226 überliefert; verschiedentlich wird dafür der 15. Mai genannt.
Blüte im 15. Jahrhundert
Die Feierlichkeiten unter dem Motto „800 Jahre Kirchweihe Kloster Zinna“ finden allerdings vom 21. bis 27. Juni 2026 statt. Den Auftakt bildet am Sonntag, 21. Juni, um 14 Uhr der Festgottesdienst „zum Gedenken der Kirchweihe vor 800 Jahren“ der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Jüterbog-Kloster Zinna. Die Festpredigt hält Bischof Christian Stäblein von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.
In der Klosterzeit entwickelte sich Zinna bis zu seiner Blüte im 15. Jahrhundert zu einem bedeutenden Grundbesitzer. Genannt werden Besitzungen von etwa 75.000 Morgen Land und 39 Dörfern; außerdem betrieb das Kloster Produktionsstätten wie Mühlen. Bis zur Auflösung des Klosters genossen die Äbte hohes Ansehen und übten auch politischen Einfluss aus. So vermittelten sie zwischen dem Erzbistum Magdeburg und den brandenburgischen Askaniern, den Vorgängern der Hohenzollern. In geistlicher Hinsicht waren die Zinnaer mit Reformaufgaben innerhalb ihrer Ordensprovinz betraut und übten die Visitationspflicht über das Frauenkloster Marienhammer in Glaucha bei Halle aus.
Ein Gebet in Stein gemeißelt
Aus dieser Zeit stammen kunstvolle Darstellungen des heiligen Benedikt, nach dessen Regel die Zisterzienser leben, und des heiligen Bernhard am Chorgestühl. Ein weiteres Zeugnis ist das Sakramentshäuschen, das von zwei Engeln bewacht wird, deren Füße auf Dämonen stehen. Vor dem Altar fand zudem eine alte Inschrift des „Salve Regina“ ihren Platz. Jeder Buchstabe steht auf einer eigenen ziegelroten Fliese. Der ursprüngliche Standort dieses in Stein gefassten Gebets lässt sich heute nicht mehr lokalisieren. Vermutet wird jedoch, dass es sich um einen stark begangenen Ort gehandelt haben muss, da die Schrift auf vielen Fliesen bereits deutlich abgenutzt ist.
Die Klosterzeit endete mit der Reformation; 1553 wurde das Kloster aufgehoben. Später spielte der Ort noch einmal eine wirtschafts- und landesgeschichtliche Rolle. 1667 wurde im Kloster der Zinnaer Münzvertrag geschlossen. Nach dem Siebenjährigen Krieg ließ Friedrich der Große 1764 auf dem ehemaligen Klostergebiet die Stadt Zinna gründen, um dort Handweber aus der Oberlausitz anzusiedeln. So entstand an der Südgrenze des Königreichs der Ort Kloster Zinna. Zwischen 1764 und 1777 wurden 30 Weberfamilien aus der Oberlausitz sowie zahlreiche weitere Arbeitskräfte angesiedelt; 150 Häuser entstanden. Die Klosterkirche St. Marien gilt als eine der bedeutendsten mittelalterlichen Kirchen im Fläming. Es handelt sich um eine Pfeilerbasilika mit Querschiff und einem Hauptchor, der von einer polygonalen Apsis abgeschlossen wird. Besonders bemerkenswert ist die Qualität der nahezu fugenlosen Quadersetzung im östlichen Teil des Baus.
Die evangelische Gesamtkirchengemeinde Jüterbog-Kloster Zinna beschreibt die Kirche als „großes, imposantes Gebäude“ und betont den schlichten Granitbau der Zisterziensermönche. Das Mittelschiff wird durch sieben niedrige Arkaden gegliedert, deren viereckige Granitpfeiler direkt aus dem Boden zu wachsen scheinen. Bögen und Fenster sind nur leicht zugespitzt und deuten damit bereits auf eine Frühstufe der Gotik hin. „Die Klosterkirche ist ein Meisterwerk der Zisterzienserbaukunst und ist als besterhaltene Granitsteinbasilika im nördlichen Deutschland bezeichnet worden“, heißt es seitens der Kirchengemeinde. Am unterschiedlichen Mauerwerk lässt sich noch heute erkennen, wo einst Klostergebäude und Kreuzgang anschlossen. Kloster Zinna ist damit ein beredtes Beispiel dafür, wie ein mittelalterliches Kloster die Landschaft, Wirtschaft und Siedlungsgeschichte einer ganzen Region prägen konnte – und wie die Reformation das einstige „Zisterzienserland“ Brandenburg tiefgreifend veränderte.
Der Autor schreibt als Historiker aus Berlin über Kunst und Kultur.
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