Innsbruck

„Niemand zwingt uns, die Kirchenkrise krankhaft zu zelebrieren“

Für mehr Kreativität und Unternehmergeist im Umgang mit dem Geschenk des Glaubens plädiert der Bischof von Innsbruck, Hermann Glettler, im „Tagespost“-Interview.
Bischof Hermann Glettler wirbt für eine kreativere Glaubensweitergabe
Foto: Diözese Innsbruck | Bischof Glettler wirbt im Gespräch mit der „Tagespost“ für eine kreativere Glaubensweitergabe: „Vielleicht sollten wir mit dem Geschenk des Glaubens kreativer, durchaus auch unternehmerischer umgehen – mehr ...

Von kirchlichen Strukturreformen allein ist „kein neues geistliches Leben zu erwarten“. Das sagt der Bischof von Innsbruck, Hermann Glettler, im „Tagespost“-Exklusiv-Interview. „Vielerorts gibt es diesbezüglich Enttäuschungen.“ Strukturreformen würden nur Rahmenbedingungen schaffen, könnten „aber keinen Glauben aufwecken“. Er selbst will in Tirol an der Struktur von 70 Seelsorgeräumen, wie sie vor 15 Jahren beschlossen wurde, festhalten.

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Bischof Glettler wirbt im Gespräch mit der „Tagespost“ für eine kreativere Glaubensweitergabe: „Niemand zwingt uns, die aktuelle Kirchenkrise krankhaft zu zelebrieren. Vielleicht sollten wir mit dem Geschenk des Glaubens kreativer, durchaus auch unternehmerischer umgehen – mehr ausprobieren, mehr riskieren.“ Entscheidend sei das persönliche Zeugnis von Menschen. Der Bischof von Innsbruck ist überzeugt: „Durch die aktuelle Krise hindurch können wir zu einer neuen, tieferen Spiritualität kommen.“

Teil einer universalen Weggemeinschaft

Bischof Glettler hält sich nicht lange bei der Frage auf, was in der Vergangenheit schieflief oder versäumt wurde. Er meint allerdings, dass „in der Hochblüte der Volkskirche zu wenig auf die persönliche Aneignung des Glaubens geachtet“ wurde. Christsein brauche die bewusste Entscheidung für Christus: „Dann erst beginnt eine ernsthafte Beziehung.“

Katholische Identität hat für den aus Graz stammenden Tiroler Bischof weniger mit Abgrenzung zu tun, als vielmehr mit Hingabe. Ein „großzügiges Dasein im konkreten Lebensumfeld und solidarisches Beten“ berühre die Herzen der Menschen. Christen müssten sich als Teil einer universalen Weggemeinschaft verstehen: „Gott liegt die ganze Menschheitsfamilie am Herzen!“ Christus sei für alle Mensch geworden und habe für alle sein Leben gegeben. Darum sei die Kirche nicht ein Verein unter anderen Vereinen. „Wir müssen das ,für alle' leben, auch dort, wo die katholische Kirche eine kleine Minderheit ist: Räume öffnen für alle, durchaus sehr praktisch.“  DT/sba

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Lesen Sie das vollständige Interview mit dem Tiroler Bischof Hermann Glettler in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

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