Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Innsbruck

„Niemand zwingt uns, die Kirchenkrise krankhaft zu zelebrieren“

Für mehr Kreativität und Unternehmergeist im Umgang mit dem Geschenk des Glaubens plädiert der Bischof von Innsbruck, Hermann Glettler, im „Tagespost“-Interview.
Bischof Hermann Glettler wirbt für eine kreativere Glaubensweitergabe
Foto: Diözese Innsbruck | Bischof Glettler wirbt im Gespräch mit der „Tagespost“ für eine kreativere Glaubensweitergabe: „Vielleicht sollten wir mit dem Geschenk des Glaubens kreativer, durchaus auch unternehmerischer umgehen – mehr ...

Von kirchlichen Strukturreformen allein ist „kein neues geistliches Leben zu erwarten“. Das sagt der Bischof von Innsbruck, Hermann Glettler, im „Tagespost“-Exklusiv-Interview. „Vielerorts gibt es diesbezüglich Enttäuschungen.“ Strukturreformen würden nur Rahmenbedingungen schaffen, könnten „aber keinen Glauben aufwecken“. Er selbst will in Tirol an der Struktur von 70 Seelsorgeräumen, wie sie vor 15 Jahren beschlossen wurde, festhalten.

Lesen Sie auch:

Bischof Glettler wirbt im Gespräch mit der „Tagespost“ für eine kreativere Glaubensweitergabe: „Niemand zwingt uns, die aktuelle Kirchenkrise krankhaft zu zelebrieren. Vielleicht sollten wir mit dem Geschenk des Glaubens kreativer, durchaus auch unternehmerischer umgehen – mehr ausprobieren, mehr riskieren.“ Entscheidend sei das persönliche Zeugnis von Menschen. Der Bischof von Innsbruck ist überzeugt: „Durch die aktuelle Krise hindurch können wir zu einer neuen, tieferen Spiritualität kommen.“

Teil einer universalen Weggemeinschaft

Bischof Glettler hält sich nicht lange bei der Frage auf, was in der Vergangenheit schieflief oder versäumt wurde. Er meint allerdings, dass „in der Hochblüte der Volkskirche zu wenig auf die persönliche Aneignung des Glaubens geachtet“ wurde. Christsein brauche die bewusste Entscheidung für Christus: „Dann erst beginnt eine ernsthafte Beziehung.“

Katholische Identität hat für den aus Graz stammenden Tiroler Bischof weniger mit Abgrenzung zu tun, als vielmehr mit Hingabe. Ein „großzügiges Dasein im konkreten Lebensumfeld und solidarisches Beten“ berühre die Herzen der Menschen. Christen müssten sich als Teil einer universalen Weggemeinschaft verstehen: „Gott liegt die ganze Menschheitsfamilie am Herzen!“ Christus sei für alle Mensch geworden und habe für alle sein Leben gegeben. Darum sei die Kirche nicht ein Verein unter anderen Vereinen. „Wir müssen das ,für alle' leben, auch dort, wo die katholische Kirche eine kleine Minderheit ist: Räume öffnen für alle, durchaus sehr praktisch.“  DT/sba

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Lesen Sie das vollständige Interview mit dem Tiroler Bischof Hermann Glettler in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

Themen & Autoren
Vorabmeldung Bischof Glaube Jesus Christus Kirchenkrisen

Weitere Artikel

Bei der dritten Ausgabe des Altöttinger Benedikt-XVI.-Forums steht Heilung im Mittelpunkt. Wie kann der Glauben dabei helfen? Ein Bericht.
07.07.2026, 15 Uhr
Athinea Andryszczak
Arul Lourdu betrachtet ohne Larmoyanz das Schwinden des christlichen Glaubens in Europa.
29.06.2026, 09 Uhr
Maria Palmer

Kirche

Nach einem positiven Trend bei Taufen und Konversionen macht sich auch ein wachsendes Interesse am Priesterberuf bemerkbar. Besonders in einem Bistum zeigt sich die Wende.
07.07.2026, 15 Uhr
Simon Kajan
Der neue Eichstätter Bischof Würtz hat sich bei den Synodalversammlungen anders positioniert als sein Vorgänger Hanke. Als Mainstreamtheologen sollte man ihn aber nicht abqualifizieren.
07.07.2026, 12 Uhr
Regina Einig