Mit Bischof Bätzings Entscheidung, nicht mehr für eine zweite Amtszeit als Vorsitzender der deutschen Bischöfe zu kandidieren, ist der Weg frei für die Entpolitisierung der Bischofskonferenz. Sechs Jahre Synodaler Weg sind an dem Gremium nicht spurlos vorübergegangen. Der sogenannte Reformprozess ist zur Hypothek für die Bischöfe geworden. Er hat weltweites Misstrauen gesät und Spannungen mit der römischen Kurie hervorgebracht.
Die Aufforderung von Papst Franziskus im Brief an die Gläubigen in Deutschland, Evangelisierung an die erste Stelle zu setzen, ist aber nach wie vor aktuell. Dazu braucht es auch einen Vorsitzenden, der den Missionsauftrag der Kirche glaubwürdig erfüllt.
Die Bischöfe wollen sich nicht kirchenpolitisch vereinnahmen
Neben den Problemen, die auch andere europäische Bischofskonferenzen bewältigen müssen – insbesondere die Aufarbeitung der Missbrauchskrise, der Säkularisierungsdruck und die knapper werdenden Finanzen – liegt der Synodale Weg in Deutschland wie eine Sonderlast auf den Schultern der Bischöfe. Das trifft insbesondere die jüngeren Mitglieder der Konferenz, die an den Weichenstellungen von gestern nicht beteiligt waren, nun aber das undankbare Synodalerbe in ihren Bistümern vorfinden: enttäuschte Erwartungen und unrealistische Forderungen.
Das bischöfliche Unbehagen am Synodalen Weg zeigte sich im letzten Jahr der Amtszeit Bätzings an den leer bleibenden Stühlen in den Sitzungen des Synodalen Ausschusses. Gerade dort wurde deutlich, dass die Weigerung, sich kirchenpolitisch vereinnahmen zu lassen, die Schubladen „konservativ“ und „progressiv“ sprengte.
Dass die Deutsche Bischofskonferenz heute oft als ein Gremium wahrgenommen wird, in dem vor allem politische Grabenkämpfe erbittert ausgefochten werden, ist kein unausweichliches Schicksal. Im Februar haben die Hirten mit der Wahl des neuen Vorsitzenden die Chance zum Neuanfang.
Womit könnte eine Entpolitisierung der Konferenz beginnen? Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hat vorgeschlagen, das Amt des Vorsitzenden reihum an die Metropoliten zu vergeben. Damit wäre die Gefahr gebannt, dass die Wahl des Vorsitzenden zum politischen Tauziehen wird und in der Öffentlichkeit Assoziationen an den parlamentarischen Betrieb weckt.
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