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Nicaragua verweigert zwei Priestern, die am WJT teilnahmen, die Einreise

Kirchenvertreter äußern sich bestürzt über den Umgang mit den Geistlichen. Nicaraguas Behörden haben bislang nicht Stellung genommen.
Weltjugendtag in Lissabon: Papst Franziskus bei einer Messe
Foto: IMAGO/IPA/ABACA (www.imago-images.de) | Papst Franziskus bei einer Messe beim Weltjugendtag in Lissabon.

Die nicaraguanischen Priester Tomás Sergio Zamora Calderón und William Mora waren zum Weltjugendtag nach Lissabon gefahren. Als sie nach Nicaragua zurückkehrten, hat ihnen das Ortega-Regime die Einreise verweigert.

Dem Priester Tomás Sergio Zamora Calderón, Pfarrer der Kirche „Nuestro Señor de los Milagros“ („Unser wundertätiger Herr“) in der Diözese León, wurde auf ausdrückliche Anordnung des Ortega-Murillo-Regimes die Einreise nach Nicaragua verweigert, wie dies auch bei anderen Priestern bereits geschehen war.

Er leitete die Caritas und war Schatzmeister der Diözese

Die Rechtsanwältin und Menschenrechtsaktivistin Martha Patricia Molina berichtete auf „X“ (ehemals Twitter), Tomás Sergio Zamora Calderón habe am Weltjugendtag 2023 in Lissabon teilgenommen. „Bei seiner Rückkehr wurde ihm von der Diktatur die Einreise nach Nicaragua verweigert.“ Molina fügte hinzu, Wochen zuvor habe Tomás Zamora „einen ‚Höflichkeitsbesuch‘ von einer Behörde des Obersten Gerichtshofs CSJ erhalten“. Solche Besuche „sind natürlich immer einschüchternd“.

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Laut der Nachrichtenagentur EFE ist die katholische Gemeinde, der Zamora vorstand, „bestürzt“ über die Einreiseverweigerung, da der Priester seiner Gemeinde sehr nahestand. Zudem leitete er die Caritas, die nun geschlossen werden muss, und war als Schatzmeister der Diözese tätig.

Der Priester William Mora steht der Pfarrei „Cristo Rey – Ubu Norte Paiwas“ in der Diözese Siuna vor. Pater Mora „war ein aktiver Seelsorger in seiner Gemeinde, die sich nun fragt, was aus ihr ohne ihren Seelsorger werden wird“, so Martha Patricia Molina. Außerdem war Pater Mora für die Jugendpastoral in der Diözese Siuna zuständig. 

Fälle der Einreiseverweigerung häufen sich

Die nicaraguanischen Behörden haben zu der Einreiseverweigerung bisher noch keine Informationen geliefert. Laut der nicaraguanischen Zeitung „La Prensa“ hat die von Daniel Ortega und seine Frau und Vizepräsidentin Rosario Murillo geführten Regierung in den letzten Monaten „mehr als einem halben Dutzend Priestern die Einreise nach Nicaragua verweigert.“ So wurde beispielsweise Pfarrer Juan Carlos Sánchez von der Pfarrei San Francisco de Asís in Managua, Anfang Juli die Einreise in das Land verweigert, als er nach seiner Teilnahme an einer Priesterweihe in Bolivien in das mittelamerikanische Land zurückkehren wollte.

Unterdessen sitzt der zu mehr als 26 Jahren Freiheitsstrafen verurteilte Bischof Rolando Álvarez von Matagalpa weiterhin im Gefängnis. Er ist der erste Bischof, der verhaftet, angeklagt und verurteilt wurde, seit Ortega 2007 erneut an die Macht in Nicaragua kam. Sieben mit Bischof Álvarez verhaftete Mitarbeiter – drei Priester, ein Diakon, zwei Seminaristen und ein Laie – wurden ebenfalls zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt. Nach der Festnahme von Fernando Zamora Silva, dem Kanzler der Diözese Siuna und Richter am Kirchengericht von Nicaragua, am 11. Juli hat das Regime des Präsidentenpaares Daniel Ortega und Rosario Murillo insgesamt sieben katholische Priester verhaftet. Im April wurden zudem 20 Laien im Zusammenhang mit den vom Regime verbotenen Prozessionen der Karwoche verhaftet.

Andererseits hat am Mittwoch, den 16. August der Erzbischof der Hauptstadt Managua, Kardinal Leopoldo Brenes, zehn neue Diakone geweiht. Laut dem Erzdiozösen ist die Priesterweihe der Auftakt zu den Feierlichkeiten aus Anlass des 50-jährigen Jahrestag der Priesterweihe von Kardinal Brenes.

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