Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Zu Dignitas infinita

„Neuer Anfang“: Christliches Menschenbild steht zur Debatte

Die Anthropologie des Dokuments "Dignitas infinita" ist mit der des Synodalen Wegs grundsätzlich unvereinbar, schreibt die Initiative.
Neuer Anfang zu Dignitas infinita
Foto: imageBROKER/MatsxSilvan (iamgo-images) | Wer die Erklärung bejahe, stelle sich „in die maßgebliche und verbindliche Hauptlinie christlicher Anthropologie“.

Die Initiative „Neuer Anfang“ sieht in der römischen Erklärung zur Würde des Menschen, "Dignitas infinita", einen Lackmustest. In einer Pressemitteilung vom Dienstag heißt es, das christliche Menschenbild stehe jetzt zur Debatte. Besonders vor dem Hintergrund des Synodalen Weges sei dabei „die sehr skeptische Sicht der Gendertheorie und ihres Umfelds“ besonders wichtig, „denn die Anthropologie von „Dignitas infinita“ und die Anthropologie in den Dokumenten des Synodalen Weges sind nicht nur in Einzelfragen, sondern grundsätzlich unvereinbar“.

Lesen Sie auch:

Weiter schreibt die Initiative, dass die Erklärung Teil des ordentlichen Lehramts des Papstes und daher verbindlich sei. Wer die Erklärung bejahe, stelle sich „in die maßgebliche und verbindliche Hauptlinie christlicher Anthropologie“. Wer sie ablehne, habe „die Anthropologie des historischen Christentums und damit die verbindliche christliche Tradition verlassen“.  

Würde ist nicht an kognitive Leistungen gebunden

Als besonders relevant für die weltweit stattfindenden gesellschaftlich-politischen Debatten zum Thema hebt der „Neue Anfang“ jenen Aspekt aus dem Schreiben hervor, wonach jeder Mensch, vom Embryo bis zum Sterbenden, Person und damit „Träger unbedingt zu achtender Würde“ sei. Entsprechend werde Person und Würde nicht an bestimmte kognitive Leistungen gebunden, nach denen beispielsweise „ein schwer hirngeschädigter Mensch im Wachkoma nicht mehr als Person mit unbedingt zu achtender Würde und unverbrüchlichen Menschenrechten gilt“.

Ebenso wichtig sei, dass die Erklärung die ursprüngliche Konzeption von Menschenwürde und Menschenrechten entfalte und vertiefe, sich zugleich aber gegen Erweiterungen wehre, wie etwa gegen das sogenannte „Menschenrecht auf Abtreibung“, Armut und gegen die Transgenderproblematik. Hier solle die Aufmerksamkeit „für die Vielfalt von Bereichen, in denen es um die Würde des Menschen und ihre Verletzung“ gehe, geweckt werden.

Würde des Menschen nicht nur für religiöse Minderheit relevant

Das zentrale Element von der „unendlichen Würde“ der Person, die sich aus der Selbsterfahrung des Menschen „vor dem Ruf und dem Antlitz des Gottes der biblischen Offenbarung“ entwickle und bis hin zur geschöpflichen Freiheit entfalte, führe schließlich hinein in den christlich-jüdischen Personalismus des 20. Jahrhunderts.

Wie die Initiative weiter ausführt, habe die "jüdisch-christlichen Offenbarung zugleich eine philosophische Entdeckungsgeschichte freigesetzt“, weshalb die „Wirklichkeit der Würde des Menschen auch der philosophischen Erschließung zugänglich ist und damit nicht etwa das politisch-gesellschaftliche irrelevante Sondergut einer religiösen Minderheit darstellt“. Dies sei angesichts der Debatten weltweit von größter Bedeutung.  DT/mlu

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Anthropologie Bibel Menschenwürde Päpste christliches Menschenbild

Weitere Artikel

Wasser wird zu Wein, Kranke werden geheilt und Tote werden lebendig – die Bibel erzählt von vielen Wundern. Aber wirkt Gott heute noch genauso?
05.08.2026, 14 Uhr
Anna Weber
Mit einem Plädoyer für die Schönheit der Schöpfung setzt der Papst ein einzigartiges Zeichen auf einer der bedeutendsten Kunstschauen Europas.
25.07.2026, 17 Uhr
Constantin von Hoensbroech Ulrike von Hoensbroech

Kirche

Populismus schlecht, Migration gut? Auf diese Klischees will Bischof Erik Varden sich nicht einlassen. Ein Segen!
28.09.2026, 11 Uhr
Sebastian Ostritsch
Die katholischen Bischöfe treffen sich zu ihrer traditionellen Herbstversammlung. Die Gesprächsthemen reichen von AfD bis Kirchenreformen. Gewählt werden neue Kommissionsvorsitzende.
28.09.2026, 08 Uhr
Leo XIV. ruft in Lourdes eindringlich zur Umkehr auf. Und verteidigt die Stimme der Kirche im öffentlichen Diskurs des laizistischen Frankreichs.
27.09.2026, 13 Uhr
Regina Einig