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Missionskongress in Paris: Im Hier und Jetzt

Der Missionskongress in Paris besticht durch Kreativität, Energie und Vielfalt. Das Fazit: In der Verkündigung kann Christus auf niemanden verzichten.
Missionskongress in Paris
Foto: Congrès Mission 2022 | Teilnehmer des Missionskongress in Paris

7000 Teilnehmer, über 100 Organisationen und 12 Veranstaltungsorte im Herzen von Paris: Drei Tage lang hat sich das Stadtviertel im Montparnasse am vergangenen Wochenende in ein gigantisches Zentrum der Neuevangelisierung verwandelt. Katholiken, die um sich selbst kreisen? Innerkirchliche Probleme und die Schlechtigkeit der Welt beweinen? Das gab es beim achten französischen Missionskongress nicht. Im Gegenteil: Wer am vergangenen Wochenende zwischen Montparnasse und dem Jardin du Luxembourg flanierte, der wurde mit einiger Wahrscheinlichkeit von einem der Teilnehmer angesprochen, die zu zweit auf Straßenmission unterwegs waren.

Zu ihnen gehört auch Philippine. Die Siebenundzwanzigjährige aus Marseille hat vor einigen Jahren selbst durch eine zufällige Begegnung zum Glauben gefunden. Für sie bedeutet Straßenmission das Glück, das sie selbst durch Christus erfahren hat, mit ihren Mitmenschen zu teilen. Jeder hat Angst davor, Fremde einfach auf der Straße anzusprechen, um über den Glauben zu reden. Das ist ganz normal!“, lacht die junge Französin. Tatsächlich bekomme man alle möglichen Reaktionen zwischen Ablehnung und Offenheit, erklärt Philippine im Gespräch mit der Tagespost“. Sie ist aber überzeugt, dass jede einzelne Begegnung von der Vorsehung geführt ist, egal, ob ihr Gegenüber nur seiner Enttäuschung über die Kirche Ausdruck verleiht oder ob das Gespräch mit einem gemeinsamen Gebet in der nächstliegenden Kirche endet. Mit der Organisation Anuncio missioniert die junge Frau regelmäßig. Der 2008 gegründete Verein organisiert jeden Sommer in wechselnden Ferienorten Frankreichs ein christliches Kulturfestival unter mithilfe von hunderten jungen Freiwilligen. Auch der Congrès Mission ist eine Schöpfung von Anuncio.

Jeder ist dazu berufen, Missionar zu sein

Dass der Kreativität in der Verkündigung schier keine Grenzen gesetzt sind, davon zeugt die Vielfalt des gebotenen Programms aus Podien, Workshops, Konzerten, Theateraufführungen, Lobpreis und Liturgie. Zentrum des Missionskongresses bildet das Dorf der Initiativen im Innenhof der großen katholischen Schule Collège Stanislas. 120 geistliche Gemeinschaften, kirchliche Hilfswerke, Orden, katholische Verlage, sozial-karitative Organisationen und weitere Initiativen mit missionarischer Dimension laden zu Austausch und Gespräch ein. An den Ständen überwiegen die jungen Gesichter, die dem Besucher mit einem freundlichen Lächeln Flyer und Kekse in die Hand drücken. Von der Gemeinschaft Emmanuel bis zur traditionellen Chartres-Wallfahrt Notre Dame de Chrétient“ sind alle Spiritualitäten vertreten. Alle eint das Bewusstsein, dass Evangelisierung keine Option ist, sondern dringende Notwendigkeit in einer Kultur, die Christus nicht mehr kennt.

Das Anbetungszelt mitten im Dorf der Initiativen ist stets gut gefüllt; an der Seite hören mehrere Priester pausenlos Beichte. Von draußen dringen Gespräche und Musik herein, ein paar Meter weiter hat gerade das Konzert des katholischen Rappers GAB begonnen. Das stört die Andacht vor dem Allerheiligsten jedoch nicht.

Kann man Christ sein, ohne zu evangelisieren?“ Als Familie missionieren: Mythos oder Wirklichkeit?“ Die virtuelle Welt als Missionsgebiet“ Sind unsere Kirchen dazu verdammt, Museen zu werden?“ Welchen Platz hat der Planet Erde im Reich Gottes?“ So lauten die Titel einiger der über 30 Podiumsdiskussionen, die sich mit aktuellen Herausforderungen der Neuevangelisierung beschäftigten. Die digitale Welt wird dort immer wieder thematisiert, ebenso wie die Zunahme eines radikalen Islams und die ökologische Krise. Zu den Rednern gehören auch über den katholischen Horizont hinaus bekannte Persönlichkeiten wie der Sänger Gregory Turpin, der Youtube-Pater" Paul-Adrien d`Hardemare, der Philosoph Fabrice Hadjadj und der Soziologe Emmanuel Todd. Besonders großen Andrang findet das Podium Auf der Suche nach der verlorenen Taufe“, das sich mit den Ergebnissen einer im Auftrag des Congrès Mission erstellten Studie zur religiösen Praxis unter Getauften beschäftigt. Knapp 60 Prozent der Franzosen sind heute noch katholisch getauft; davon geht nur noch jeder Zwanzigste sonntags in die Messe.

Weit über 200 Workshops bieten praktische Beispiele des Apostolats in Pfarreien, in der Jugendarbeit, unter Familien, in der Gesellschaft und öffentliches Leben, durch Kunst und Kultur und  in der Arbeitswelt. Im Workshop „Alles hinschmeißen und Missionar auf dem Land werden“ erzählen Antoine, Florence und Anne von ihrem Einsatz mit „Mission Isidore“. Die junge Organisation schickt Studenten und Berufseinsteiger, immer zu zweit, für ein Jahr in ländliche XXL-Pfarreien. Dort stellen sie sich für die Zeit ihres Aufenthaltes ganz in den Dienst der Pfarrei. Der tägliche Messbesuch gehört dabei genauso zu ihrem Engagement wie der Kontakt mit den Gemeindemitgliedern. In Absprache mit dem Pfarrer und den Pfarrgemeinderat gestalten die jungen Menschen ihren Aufenthalt rund um Dienste in der Gemeinde und Apostolat. Anne verbrachte während ihres Jahres mit „Mission Isidore“ vier Tage pro Monat damit, von Haus zu Haus zu gehen und mit den Menschen zu sprechen. „Die Reaktion der Menschen ist meistens sehr positiv. Es ist doch noch viel Vertrauen da, weil wir von der Gemeinde kommen. Ich war erstaunt, wie einfach der Kontakt war und wie leicht uns die Leute auch ihre Sorgen anvertraut haben“, erzählt die Dreiundzwanzigjährige. Florence hat während ihres Aufenthalts mit dreißig Dorfbewohnern ein großes Theaterstück zur Geschichte der Dorfkirche auf die Beine gestellt und aufgeführt. „Über das Theater konnten wir in Kontakt mit vielen Menschen kommen, die eigentlich nie in die Kirche gehen“, freut sich die junge Frau. 

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Zeugnis, Weiterbildung, Gemeinschaft, Gebet

Eine Neuheit des diesjährigen Kongresses bildete das große Bankett am Samstagabend: Jede der für das Essen angemeldete Personen brachte eine nicht gläubige Person aus ihrem Umfeld oder eine am Tag selbst auf der Straße eingeladene Person mit. Rund 550 Gäste versammelten sich zu dem vom Gleichnis des Hochzeitsmahls (Matthäus 22) inspirierten Festessen mit musikalischer Untermalung.

Dominique ist zum sechsten Mal als Teilnehmer auf dem Congrès Mission. „Was mir hier am meisten gefällt, das sind die vielen jungen Menschen, die ihre Energie in den Dienst der Evangelisierung stellen. Das gibt mir große Hoffnung für die Kirche von morgen“, vertraut der Fünfundfünzigjährige  der „Tagespost" an. Auch Emmanuelle ist nicht zum ersten Mal dabei. „Der Missionskongress ist immer ein geselliges Ereignis, bei dem ich viele Gleichgesinnte und neuen Elan für meinen Dienst am Evangelium finde“, freut sich die junge Ingenieurin, die selbst eine junge Initiative zur Glaubensverkündigung über die Medien leitet.

Aus den unzähligen Puzzleteilen des Kongresses entsteht als Gesamtbild ein Erfolgsrezept der Neuevangelisierung, gegründet auf persönlichem Zeugnis, Weiterbildung, Gemeinschaft und einer tiefen Verwurzelung in Christus. Das M-Wort ist auf dieser Veranstaltung kein Tabu, sondern in aller Munde: Missionar sein, dazu ist jeder Christ berufen. Die Dringlichkeit der Verkündigung hier und jetzt wird für alle Teilnehmer spürbar. „Das Reich Gottes ist nahe“, lautet daher auch das Motto des diesjährigen Kongresses. Freudig und vertrauensvoll an der Ankunft des Reiches mitzuarbeiten, dazu sind die Teilnehmer bereit, die sich am Sonntagnachmittag zum Abschlussgottesdienst versammeln, dem der Pariser Erzbischof Laurent Ulrich vorsteht. Im Herbst 2023 wird der Missionskongress, wie schon letztes Jahr, in zehn verschiedenen Städten Frankreichs stattfinden.

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