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Marx: Fronleichnam ist ein "fröhliches Bekenntnis"

Unter weiß-blauem Himmel haben Bayerns Katholiken am Donnerstag mit Gottesdiensten und Prozessionen das Fronleichnamsfest gefeiert.
Fronleichnam
Foto: Henning Kaiser (dpa) | Teilnehmer tragen bei einem Pontifikalamt zu Fronleichnam Fahnen. Foto: Henning Kaiser/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Auf dem Marienplatz in München nannte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, Fronleichnam ein "fröhliches Bekenntnis" und "nicht ein Fest der ängstlichen Selbstbehauptung". Es gehe schließlich um das "Heil für alle Menschen", denn die Kirche wolle die Menschen zusammenführen.

An Fronleichnam werde deutlich, dass Christen ihren Weg nicht nur für sich selbst suchten, sondern zeigten, "was wir tun wollen für die ganze Stadt", sagte Marx. Die christliche Botschaft werde nicht gelebt, indem Traditionen aufrechterhalten werden würden, sondern "wenn wir mit Jesus reden, auf ihn hören". Angesichts aktueller Umbrüche rief der Erzbischof dazu auf, sich nicht durch Meinungsumfragen, Einschaltquoten oder Stimmungen bestimmen zu lassen. Die Christen sollten versuchen, das Leben selbst zu gestalten und die "Zeichen der Zeit" im Licht des Evangeliums zu begreifen.

Auch für den Glauben gebe es viele Herausforderungen wie etwa die zunehmende Säkularisierung, erinnerte der Kardinal. Dieser müssten Christen begegnen, indem sie überzeugend in die Gesellschaft einbringen, "was wir zu sagen haben". Der Glaube sei nicht privat, sondern berühre viele öffentliche Bereiche, von der Kultur über die Wirtschaft bis zur Politik.

Aber es bestehe auch eine Tendenz zur Vereinfachung der Welt und zum "Fundamentalismus in allen Religionen", so Marx. Dagegen gelte es die Vernunft zu setzen. Und schließlich bestehe die Gefahr, dass der Glaube missbraucht werde für politische Interessen. Dagegen gelte es Zeugnis abzulegen, so Marx, "dass Jesu Worte die Richtschnur seien für das Handeln und Denken".

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick bezeichnete die traditionellen Fronleichnamsprozessionen als Medizin gegen leere Seelen. Zudem seien sie ein Heilmittel gegen eine "Stadt ohne Gott". An Fronleichnam trügen die Christen Jesus durch ihre Städte und Dörfer, "damit sie Orte mit Gott sind, wo Gottes Reich und Herrschaft regieren".

In Augsburg ermutigte Bischof Konrad Zdarsa die Gläubigen, hinauszugehen und den Ahnungslosen zu zeigen, was es heiße, christlich zu glauben und zu leben. Spätestens dann gehe es den Christen vielleicht auf, dass sich das gar nicht auf Kirchen und Sakristei beschränken lasse und vielmehr das ganze Leben in allen seinen Bezügen damit gemeint sei.

Auch auf den Kreuzerlass der Staatsregierung ging der Bischof ein und stellte die Frage: "Was bedeutet denn ein Erlass zum Aufhängen von Kreuzen in öffentlichen Gebäuden, wenn seine Ausführung letztlich doch nicht eingefordert wird, er zuvor aber kurzfristig eine seltsam anmutende Debatte heraufbeschworen hat?".

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer nannte die Prozession ein wunderbares Zeichen für die Darstellung von Kirche in ihrer Verbindung und Gemeinschaft mit Christus: "Gott ist unter uns gegenwärtig in der Feier der Eucharistie und er bleibt gegenwärtig im Brot des Lebens und so haben wir ihn heute durch die Straßen getragen." In Würzburg rief Diözesanadministrator Weihbischof Ulrich Boom die Katholiken dazu auf, sich ganz auf Gott einzulassen. "Er geht mit uns durch Raum und Zeit, damit wir nicht verloren gehen." Gott zu suchen heiße, ihn lieben zu wollen und ihn nicht für die eigenen Interessen zu benutzen.

Der Passauer Bischof Stefan Oster nannte den Zug mit dem Allerheiligsten durch die Straßen ein Bekenntnis zu dem, der mitten in alledem, der höchste Wert schlechthin sei. Denn Gott sei der Einzige, dem Anbetung gebühre. In diesem Bewusstsein gerieten alle anderen schönen und wertvollen Dinge dann an den rechten Platz im Leben eines jeden Menschen.

KNA / DT (jbj)

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