„Maria Vesperbild wird ein Ort der Tradition bleiben“

Am Sonntag wird Geistlicher Rat Erwin Reichart in sein Amt als neuer Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild eingeführt. Ein Gespräch mit Regina Einig
Erwin Reichart wird die Leitung der Wallfahrt Maria Vesperbild übernehmen.
Foto: Bistum Augsburg | Erwin Reichart wird die Leitung der Wallfahrt Maria Vesperbild übernehmen.

Herr Geistlicher Rat, was hat für Sie den Ausschlag gegeben, die Leitung der Wallfahrt Maria Vesperbild zu übernehmen?

Unser Bischof hat mich überzeugt, diese Aufgabe zu übernehmen. Es ehrt mich, dass er mich für den Richtigen für Maria Vesperbild hält. Noch vor etlichen Jahren habe ich manchmal gedacht, dass  die Wallfahrtsseelsorge etwas für mich wäre.  Aber inzwischen hatte ich das Thema Versetzung für mich abgeschlossen.

Worin sehen Sie Chance der Volksfrömmigkeit für die Neuevangelisierung?

Volksfrömmigkeit ist ja nichts anderes als der gelebte Glaube. Der Mensch besteht aus Leib und Seele. Darum müssen die Sinne auch zu ihrem Recht kommen. Wie groß das Bedürfnis des Menschen nach Ausdrucksformen ist, kann man überall gut beobachten: jetzt an Weihnachten und Sylvester oder auch kürzlich beim Gedenken an das Attentat in Berlin mit diesem Lichtermeer und dem Läuten der Glocke usw. Da jeder Mensch im tiefsten Herzen nach Gott sucht, sind die schönen Formen der Volksfrömmigkeit für Fernstehende oft anziehend und bilden somit eine Brücke zu Gott. 

Welche Beziehung verbindet Sie mit dem Ort Maria Vesperbild? Seit wann kennen Sie ihn?

Ich kenne Maria Vesperbild seit meiner Studentenzeit in Augsburg und bin seither auch mit Gruppen aus meinen Pfarreien immer wieder einmal nach Maria Vesperbild gewallfahrtet. Es ist eine eigenartige Fügung, dass mich eine Pieta das heißt zu deutsch  "Maria Vesperbild" ein Leben lang begleitet hat. Von klein auf hatte ich in meiner Heimatkirche Kleinweiler ein "Maria Vesperbild"  an zentraler Stelle vor Augen. Ich hatte es so gerne, dass ich diese Darstellung für mein Primizbildchen erwählte. In Ebersbach fand ich das "Maria Vesperbild" sogar in meinem Pfarrhof vor und gab ihm einen Ehrenplatz in meinem Wohnzimmer. Vor ihm kniend segnete ich in der Regel jeden Tag meine Pfarreien und große Anliegen legte ich auf einem Zettel geschrieben unter diese Pieta.
Auch in  meinen beiden anderen Pfarreien steht in Gotteshäusern interessanter Weise eine Pieta. Es sieht nach Fügung aus, dass ich jetzt auch noch an einen Ort namens Maria Vesperbild als Wallfahrtsdirektor komme.

Wie würden Sie sich als Seelsorger beschreiben? Was liegt Ihnen besonders am Herzen?

Schon bei meiner Primiz sagte ich einem Journalisten: Meine Hauptaufgabe ist es, die Menschen zu Gott und damit  in den Himmel zu führen. Das war immer mein Hauptbestreben. Die große Glaubens- und Kirchenkrise hat letztlich ihre Ursache darin, dass Gott und das ewige Glück nicht mehr an erster Stelle stehen. Die letzten Dinge werden sogar regelrecht verschwiegen. Damit machen wir uns zu einem billigen Allerweltsverein, der eigentlich überflüssig ist. Wir müssen zuerst fragen, was Gott will und nicht, was die Menschen wollen. Das erste Hauptgebot, die Ehre Gottes müssen in Liturgie und Pastoral an erster Stelle stehen, dann gehts wieder aufwärts. Denn nur das bringt Segen und nur so dienen wir dann auch den Menschen.

Maria Vesperbild ist bekannt für traditionsgeprägte Liturgie. Auch der überlieferte römische Ritus wird dort gefeiert. Werden Sie diese Linie fortsetzen?

Liturgie muss in der Tradition stehen. Alle Versuche, die Menschen anzulocken, indem man aus dem Gottesdienst Menschendienst macht, sind zum Scheitern verurteilt. Der Priester führt in der heiligen Messe nicht etwas vor. Er ist auch nicht dazu da, die Leute mit immer neuen Ideen zu unterhalten. Es muss zum Ausdruck kommen, dass er  mit den Gläubigen anbetend und opfernd vor Gott steht. Darum habe ich immer großen Wert auf eine feierliche sakrale Atmosphäre im Gottesdienst gelegt. Die Kirchen wurden bei mir so renoviert, dass sie ein "Thronsaal des lieben Gottes" blieben. Und die traditionellen Formen der Ehrfurcht, wie Zelebration zum Herrn hin, die kniende Mundkommunion usw. habe ich gefördert, wo ich nur konnte. Am Herz Jesu Freitag und Priesterdonnerstag habe ich in der alten Form die hl. Messe zelebriert. Dabei habe ich viel Wert darauf gelegt, dass es den Gläubigen leicht gemacht wird mitzufeiern.  Alles, was unsere Gotteshäuser seit einigen  Jahrzehnten in eine profane Atmosphäre treibt, habe ich mit viel Überzeugungskunst stets vermieden: laute Unterhaltung vor dem Gottesdienst, Beifall klatschen, Konzerte, weltliche Lieder und Reden, Ehrungen von Mitarbeitern .... Maria Vesperbild wird ein Ort der Tradition bleiben!  

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