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Kurioser Regenbogen-Streit zwischen Klöckner und Bätzing

Der DBK-Vorsitzende hätte gern das LGBTQI-Symbol auf dem Bundestag gesehen. Nun kontert die Bundestagpräsidentin: „Haben alle Bischofshäuser am CSD eine Regenbogenflagge gehisst?“
Regenbogen-Demo vor dem Bundestag
Foto: IMAGO/M. Popow (www.imago-images.de) | Auf dem Reichstag weht an 364 Tagen im Jahr die deutsche Flagge - sehr zum Unmut zahlreicher LGBTQI-Bewegter. Im Bild eine Demo am Vorabend des Berliner Christopher-Street-Days.

Die CDU ist der Führung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) nicht queerfreundlich genug – diesen eher kuriosen Erkenntnisgewinn konnte man vor etwa zwei Wochen aus einem Interview mit dem DBK-Vorsitzenden Georg Bätzing mitnehmen. Der hatte dem Magazin „Stern“ gesagt, er finde es „schade“, dass Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) es abgelehnt hatte, anlässlich des Christopher Street Days auf dem Bundestagsgebäude die Regenbogenflagge zu hissen. „Es wäre ein gutes Zeichen gewesen“, fügte der Limburger Oberhirte hinzu. Das sage er „bewusst als katholischer Bischof.“

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Nun hat sich Klöckner zu Wort gemeldet. In einem Interview mit der „Zeit“ vom gestrigen Donnerstag sagte die Politikerin, das Bedauern Bätzings sei „erstaunlich selektiv. Hat der Vatikan oder haben alle Bischofshäuser am CSD eine Regenbogenflagge gehisst?“ Die Regenbogenflagge wird derzeit nur am 17. Mai, dem „Internationalen Tag gegen Homophobie“, auf dem Reichstag aufgezogen, sonst weht die deutsche Flagge. In Bätzings Bistum Limburg herrscht an Regenbogenflaggen freilich generell kein Mangel, allerdings ist unklar, ob etwa eine LGBTQI*-Beflaggung des Limburger Doms oder auch von Bätzings Amtssitz schon einmal vorgenommen wurde – eine entsprechende Anfrage dieser Zeitung blieb bislang unbeantwortet. Bekannt ist lediglich, dass das Bistum 2021 das Profilbild der Bistums-Facebookseite mit einem Regenbogenfarben-Kreis garnierte, kombiniert mit einem Regenbogenherzen und dem Schriftzug „#LoveIsNoSin“ (Liebe ist keine Sünde).

In dem Interview im „Stern“ vor zwei Wochen hatte Bätzing, wie auch in der Vergangenheit schon, eine Änderung des Katechismus ins Spiel gebracht. In diesem heißt es, homosexuelle Handlungen seien „in sich nicht in Ordnung“ (KKK 2357), weshalb homosexuelle Menschen zur Keuschheit gerufen seien. Für Bätzing ein Irrtum: „Homosexualität ist keine Sünde. Wir haben im Synodalen Weg gesagt, wir wollen das ändern. Auch andere Teile des Katechismus wurden geändert, etwa zur Todesstrafe.“ (DT/jra)

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