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„Konversionstherapien“ oder religiöse Praxis?

Die spanische Regierung erhebt Vorwürfe gegen die katholische Kirche, sie biete sogenannte Konversionstherapien für Homosexuelle an. Bischof Munilla von Orihuela-Alicante weist die Kritik zurück.
Flagge LGBTQ
Foto: imago/Panthermedia | Das spanische Gleichstellungsministerium untersucht derzeit die Beschwerde einer Vereinigung, die sich gegen Konversionstherapien richtet. Im Fokus stehen mehrere Diözesen.

Der Vorfall in Torrecaballeros, bei dem einem homosexuellen Bürgermeister die Kommunion verweigert wurde, hat eine hitzige Debatte ausgelöst. Das spanische Gleichstellungsministerium untersucht derzeit eine Beschwerde der „Spanischen Vereinigung gegen Konversionstherapien“. Die Organisation wirft mehreren Diözesen vor, Kurse zur „sexuellen Konversion“ für LGBTI+-Personen anzubieten.

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Im Mittelpunkt der Diskussion steht das spanische Gesetz von 2023 zur Gleichstellung von Trans-Personen und den Rechten von LGBTI-Personen. Es verbietet ausdrücklich jegliche Methoden oder Programme, die darauf abzielen, sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität zu ändern – selbst wenn die Betroffenen oder ihre gesetzlichen Vertreter zustimmen.

Das Gesetz wurde jedoch umstritten aufgenommen. Kritiker, darunter der Staatsrat, der Generalrat der Justiz und verschiedene wissenschaftliche Organisationen, bemängeln den fehlenden Schutz von Minderjährigen, den Ausschluss medizinischer Fachmeinungen und die vermeintlich ideologische Ausrichtung. Die Spanische Vereinigung für Bioethik und medizinische Ethik bezeichnete den Gesetzesentwurf als „interventionistisch“ und stellte die Notwendigkeit des Gesetzes in Frage.

Bischof José Ignacio Munilla von Orihuela-Alicante meldete sich nun auf seinem offiziellen X-Account zu Wort: „Was als ‚Konversionstherapie‘ bezeichnet wird, existiert nicht in der Realität, es ist lediglich ein ‚ideologisches Konstrukt‘ des Marxismus“. Er kritisierte, dass das Gleichstellungsministerium die Kirche daran hindern wolle, „Menschen mit homosexuellen Neigungen seelsorgerisch zu begleiten und ihnen zu helfen, die Tugend der Keuschheit zu leben“. Zudem stellte Munilla fest, dass es widersprüchlich sei, dass diejenigen, die die Freiheit zur Geschlechtsumwandlung verteidigen, Homosexuellen das verbieten, was sie als „Konversionstherapie“ ansehen.

Munilla verteidigt Recht auf Hilfen

In seiner Radiosendung hatte Munilla bereits mehrfach das Recht auf solche Hilfen verteidigt: „Wenn man das Recht hat, Hormone zu nehmen oder Operationen durchführen zu lassen, warum sollte man nicht auch das Recht haben, eine psychologische Therapie zu machen, um seine Homosexualität rückgängig zu machen? Gilt sexuelle Freiheit nur für das, was uns ideologisch passt?“

Die „Spanische Vereinigung gegen Konversionstherapien“ hat sieben Diözesen beim Ministerium angezeigt. Sie wirft diesen vor, Veranstaltungen organisiert zu haben, bei denen „Konversionstherapien“ durch Keuschheit und religiöse Praxis propagiert wurden.

Ein zentraler Punkt der Vorwürfe sind die Konferenzen des Apostolats „Transformados“. Laut dessen Leiterin Marta Sanz beschränken sich die Aktivitäten auf das Teilen persönlicher Zeugnisse von Menschen, deren Leben sich nach einer Begegnung mit Christus verändert habe. „Die Zeugnisse, die wir anbieten, stammen von Menschen aus verschiedenen sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Hintergründen, die alle die gleiche Botschaft teilen: Sie benötigen keine Therapie. Es war die intime und persönliche Erfahrung mit der Liebe Jesu, die ihr Leben veränderte“, erklärt Sanz.

Betroffene sehnen sich nach Beziehung zu Jesus

Laut Sanz zeigen die Berichte gemeinsame Elemente: „Sie sehnten sich nach einer Beziehung zu Jesus und baten ihn, aus einer unerwünschten Situation herauszukommen.“ Diese Menschen hätten sich aus freien Stücken entschieden, „mit Hilfe der Gnade Gottes in Keuschheit zu leben“ und durch die Sakramente eine Veränderung von Herz und Verstand zu erfahren.

Sanz, Journalistin und Direktorin von Media Salud Comunicación, einer Agentur für Wissenschaft und Gesundheit, weist darauf hin, dass „Transformados“ keine Therapien anbietet, sondern ausschließlich die Lehre der katholischen Kirche vermittelt.

Álex Rosal, Chefredakteur der katholischen Plattform „Religión en Libertad“, bezeichnete die Vorwürfe gegen das Apostolat als „verrückte Fake News“. Die Konferenzen seien keine Therapien, sondern persönliche Berichte über die transformative Kraft des Glaubens. „Es ist absurd, diese Zeugnisse mit Konversionstherapien gleichzusetzen“, so Rosal.

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