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Kommentar: Viganò hat wieder zugeschlagen

Im Vatikan brennt die Hütte, aber der Papst und seine Medienleute schauen zu. Von Guido Horst
Viganò-Anschuldigungen gegen Franziskus
Foto: Ettore Ferrari (ANSA) | In der Missbrauchskrise werden die Wolken über dem Vatikan immer dunkler. Papst Franziskus muss zu den neuerlichen Anschuldigungen Viganòs Stellung beziehen, will er nicht an Glaubwürdigkeit verlieren.

Auch auf die neuerlichen Anklagen des Ex-Nuntius Carlo Maria Viganò nicht zu antworten, dürfte für den Vatikan immer schwieriger werden. Die Enthüllungen betreffen Spitzenleute der Kurie – den amtierenden Kardinal und seinen Substituten im vatikanischen Staatssekretariat – und natürlich den Papst selber, der schon nach den ersten Anschuldigen Viganòs im August vergangenen Jahres keine gründliche Untersuchung und deren Veröffentlichung anordnete, sondern sich für das Schweigen entschied. Und die Journalisten aufforderte, sich selber ein Urteil über die detaillierten Vorwürfe des untergetauchten ehemaligen Nuntius zu bilden.

Viele kamen zu dem Ergebnis, dass Viganò glaubwürdig ist

Das haben inzwischen die Medien getan. Viele kamen zu dem Ergebnis, wie etwa die „Washington Post“, dass Viganò – auch wenn er als ehemaliger Diplomat nicht so handeln dürfte, wie er es jetzt tut – dennoch glaubwürdig ist. Stattdessen ist es keinem Medium gelungen, auch nur eine der Anschuldigungen des Ex-Nuntius in sich zusammenbrechen zu lassen. Wenn dessen die oberen Etagen im Vatikan direkt betreffenden Fragezeichen und Vorwürfe auch halbwegs stimmen, verliert der Vatikan die Glaubwürdigkeit, die er noch auf dem Kinderschutz-Gipfel im Februar für sich beansprucht hat.

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Doch warum ist es so schwer, das zu tun, was der Präfekt der Bischofskongregation, Kardinal Marc Ouellet, in einem Offenen Brief als Antwort auf die Anklagen Viganòs angekündigt hat: Die Aktenbestände im Vatikan und in den Nuntiaturen zu überprüfen und die Wahrheit ans Licht zu bringen? Zu der unrühmlichen Geschichte der steilen Karriere Kardinal Theodore McCarricks sind jetzt noch handfeste Vorwürfe gegen den neuen Substituten im Staatssekretariat, den Kardinalstaatssekretär und der Vorwurf der Vertuschung schwerer sexueller Straftaten in einem Vorseminar mitten auf Vatikangebiet hinzugekommen. Auch waren diese Anschuldigung bereits Themen in einigen Medien. Da ist etwas faul im Staate Dänemark – aber der Vatikan will es weiter stinken lassen. Um sich schützen? Das wäre Klerikalismus pur.

Das Medien-Team des Vatikans muss Feuerwehr spielen

Man möchte der neuen Truppe des kompakten Medien-Teams des Vatikans – mit Andrea Tornielli als Chefredakteur, Paolo Ruffini als Präfekt des Mediendikasteriums oder dem Direktor des „Osservatore Romano“ sowie der Jesuiten-Feder Antonio Spadaro – einen gemütlicheren Start in die Sommer- und Ferienwochen wünschen. Aber Feuerwehr zu spielen gehört nun einmal zu den Aufgaben der Presse- und Medienleute des Vatikans. Die Hütte brennt. Und der Papst und seine Medienleute schauen zu.

DT

Die Hintergründe zu diesem Thema finden Sie in der Wochenausgabe der Tagespost.

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