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Kardinal Pizzaballa: Tragödien auf beiden Seiten

Laut dem Jerusalemer Patriarchen können Lösungsversuche nur funktionieren, wenn ohne Hass an der Wurzel angesetzt werde.
Kardinal Pizzaballa lehnt in Hirtenbrief Gewalt für Frieden im Nahen Osten ab
Foto: IMAGO/Maria Laura Antonelli / Avalon (www.imago-images.de)

Der Jerusalemer Kardinal Pierbattista Pizzaballa hat in einem Hirtenbrief zur eskalierenden Situation im Nahen Osten dem Konstrukt von Frieden durch Gewalt eine klare Absage erteilt. „Die anhaltenden schweren Bombardierungen, die Gaza seit Tagen erschüttern, werden nur noch mehr Tod und Zerstörung verursachen und Hass und Groll nur verstärken“, so der lateinische Patriarch in seinem am Dienstag veröffentlichten Schreiben. „Es ist Zeit, diesen Krieg, diese sinnlose Gewalt zu beenden“, schreibt Pizzaballa.

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„Seit über zwei Wochen werden wir mit Bildern des Grauens überschwemmt“, so der Jerusalemer Patriarch zu den Terrorangriffen der Hamas auf Israel Anfang Oktober. Dadurch und durch die israelischen Vergeltungsschläge seien „alte Traumata wieder erweckt, neue Wunden geöffnet“ worden, was „Schmerz, Frustration und Wut in uns allen explodieren“ lasse, heißt es in dem Brief. 

„Wir sind es den vielen Opfern schuldig“

Gleichzeitig habe er aber die Terrorakte  der Hamas klar verurteilt, erinnert der Kardinal. Doch gerade dieses Gewissen veranlasse ihn „mit einer großen Last auf meinem Herzen“ mit der selben „Klarheit zu sagen, dass dieser neue Zyklus der Gewalt mehr als 5.000 Todesopfer nach Gaza gebracht hat, darunter viele Frauen und Kinder, Zehntausende Verwundete.“ Ganze Stadtviertel seien zerstört worden, es mangele vielerorts an Medikamenten, Wasser und anderen Grundbedürfnissen. Über zwei Millionen Menschen seien davon betroffen, so Kardinal Pizzaballa.

Diese „Tragödien, die nicht verstanden werden können und die wir vorbehaltlos anprangern und verurteilen müssen“, könnten nach Ansicht Pizzaballas nur auf einem Weg gelöst werden: „Nur wenn die jahrzehntelange Besatzung und ihre tragischen Folgen beendet werden und dem palästinensischen Volk eine klare und sichere nationale Perspektive gegeben wird, kann ein ernsthafter Friedensprozess beginnen.“ Wenn Versuche, dieses Problem zu lösen, nicht an der Wurzel ansetzten, „wird es niemals die Stabilität geben, auf die wir alle hoffen“, betont der Patriarch.

Gerade deshalb müsse ein Streben nach Frieden „uns alle, religiöse, politische, zivilgesellschaftliche und internationale Gemeinschaft zu einem ernsthafteren Engagement in dieser Hinsicht führen als bisher“. Nur so könne wirklicher Frieden entstehen: „Wir sind es den vielen Opfern dieser Tage und der vergangenen Jahre schuldig. Wir haben nicht das Recht, diese Aufgabe anderen zu überlassen“.

Gerechtigkeit fordern, ohne Hass zu verbreiten

Die Gläubigen erinnert Pizzaballa zudem, dass Christus am Kreuz nicht mit Waffen oder politischer Macht gesiegt habe. „Er gewann die Welt, indem er sie liebte.“ Der Frieden, von dem Christus spreche, sei nicht gleichzusetzen mit dem militärischen Sieg über das Gegenüber. Denn den „Mut zu Liebe und Frieden hier und heute zu haben bedeutet, nicht zuzulassen, dass Hass, Rache, Wut und Schmerz den gesamten Raum unseres Herzens“ einnimmt. 

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Weiter appelliert der Kardinal, persönlich für die Gerechtigkeit einzutreten „und in der Lage zu sein, die schmerzhafte Wahrheit der Ungerechtigkeit und des Bösen, die uns umgibt, anzuprangern, ohne zuzulassen, dass es unsere Beziehungen verunreinigt“. Es erfordere starken Mut, „Gerechtigkeit fordern zu können, ohne Hass zu verbreiten“. Er sei sich sicher, dass die ganze Diözese im Gebet um den Frieden vereint sei, „nicht für den weltlichen Frieden, sondern für den Frieden, den Christus uns schenkt“, schließt Pizzaballa. DT/jmo

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