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Kardinal Hummes: Einheit darf Verschiedenheit nicht zerstören

Im Vorfeld der Amazonas-Synode betont der brasilianische Kardinal Claudio Hummes, dass die Verschiedenheit der Kirche gleichzeitig Reichtum ihrer Einheit sei. Die Synode diene dazu, neue Wege aufzuzeigen, „wo sie sich als notwendig erweisen“.
Brasilianischer Kardinal Hummes zur Amazonas-Synode
Foto: Thiago Foresti (AAAS) | "Die Inkulturation des Glaubens und auch der interreligiöse Dialog sind notwendig wegen der unzweifelhaften Tatsache, dass Gott auch in den unberührten indigenen Völkern stets gegenwärtig war", so Kardinal Hummes.

Der brasilianische Kardinal Claudio Hummes hat die Bedenken zurückgewiesen, dass die im Oktober stattfindendeAmazonas-Synode die Einheit der Kirche bedrohe. „Die Verschiedenheit ist der Reichtum der Einheit, und sie schützt sie davor, sich in Uniformität zu verwandeln“, so der emeritierte Erzbischof von Sao Paulo im Gespräch mit der Zeitschrift „La Civiltà Cattolica“, das dem Magazin „Stimmen der Zeit“ in deutscher Übersetzung vorliegt. Die Einheit der Kirche sei zwar von größter Bedeutung. „Doch muss man sie als eine Einheit verstehen, die die Verschiedenheit einschließt, nach dem Vorbild der Heiligen Dreifaltigkeit“, so Hummes, der von Papst Franziskus zum Berichterstatter der Synode ernannt wurde. Die Einheit dürfe niemals die Verschiedenheit zerstören.

"Die Kirche Lateinamerikas kann der europäischen
und der Weltkirche neue Lichter aufsetzen,
so wie die Kirche Europas uns alte
und weiterhin wichtige Lichter aufsetzen soll"
Kardinal Claudio Hummes

Heute habe sich die katholische Kirche mehr denn je für die Verschiedenheit geöffnet. Die Länder Panamazoniens seien Ausdruck der lateinamerikanischen Verschiedenheit, „die ohne Ressentiment und mit großer Offenheit von der Kirche Europas und der übrigen Welt aufgenommen werden sollte“. Für ihn bedeute die Amazonas-Synode „eine Anerkennung unserer Eigenart“, erklärte Kardinal Hummes. „Die Kirche Lateinamerikas kann der europäischen und der Weltkirche neue Lichter aufsetzen, so wie die Kirche Europas uns alte und weiterhin wichtige Lichter aufsetzen soll.“

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Gleichzeitig betonte Hummes, die Synode diene dazu, „neue Wege aufzuzeigen, wo sie sich als notwendig erweisen. Wir brauchen dringend Neues, ohne Angst oder Widerstand“. Alt und neu müssen sich verbinden, so der Kardinal, das Neue müsse den Weg bestärken und zu ihm ermutigen. Lobend äußerte sich Hummes auch zu Papst Franziskus, der seit Beginn seines Pontifikats die Kirche ermahnt und ermutigt habe, „sich aufzumachen und nicht zu unbeweglich und ihrer Theologie sicher zu sein, ihrer Sicht der Dinge, in einer Haltung der Verteidigung“.

Hummes: Indigene besitzen eigene Gotteserfahrung

Auf die Frage, wie sich die Kirche vor den indigenen Völker darstelle, antwortete Kardinal Hummes: „Die Inkulturation des Glaubens und auch der interreligiöse Dialog sind notwendig wegen der unzweifelhaften Tatsache, dass Gott auch in den unberührten indigenen Völkern stets gegenwärtig war, in ihren spezifischen Formen und Ausprägungen und in ihrer Geschichte.“ Die Indigenen würden eine eigene Gotteserfahrung besitzen, so wie andere Völker der Welt ebenfalls, „besonders jene des Alten Testamentes“. Die Evangelisierung der indigenen Völker solle zum Ziel haben, „für die indigenen Gemeinden eine indigene Kirche zu bilden, in der sie ihren Glauben mittels ihrer Kultur und Identität, ihrer Geschichte und Spiritualität zum Ausdruck zu bringen“.

Hummes ist Präsident des kirchlichen Panamazonien-Netzwerks REPAM und Generalrelator der Amazonas-Synode. Als solcher hat der Kardinal eine Schlüsselfunktion für die inhaltliche Arbeit. Das Bischofstreffen findet vom 6. bis 27. Oktober im Vatikan statt.

DT/mlu

Die Hintergründe zu diesem Thema finden Sie in der Wochenausgabe der Tagespost.

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