Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Nach Hamas-Terror

Geflohene Christen: „Wir wollen nur Frieden“

700 Gläubige haben in Gaza-Stadt Zuflucht bei einer katholischer Pfarrei gefunden. „Kirche in Not“ berichtet über ein Telefonat mit einer geflüchteten Ordensschwester.
Schwester Nabila aus Gaza-Stadt
| Wie Schwester Nabila gegenüber "Kirche in Not" erklärt, hätte ein Großteil der Schutzsuchenden in Gaza sein Zuhause verloren.

Wie das päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ meldet, haben etwa 700 Christen Zuflucht bei der Pfarrei „Heilige Familie“ in Gaza-Stadt gesucht. Bei einem Telefonat des Hilfswerkes mit Schwester Nabila vom Orden der Rosenkranzschwestern, gab diese an, dass sich unter ihren Mitgeflohenen auch rund 100 Kinder befänden.

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Die Kinder seien stark traumatisiert: „Diese Kinder kennen nur Krieg. Wir wollen nur Frieden, Frieden“, so Schwester Nabila. Nach den Terroranschlägen der Hamas und der einsetzenden Militär-Reaktion Israels konnten sie Aufnahme in der Pfarrei finden, wo sich sechs Ordensfrauen und der Vikar der katholischen Pfarrei um sie kümmern. Der zuständige Pfarrer kann aufgrund der geschlossenen Grenzen nicht in seine Gemeinde zurückkehren und muss in Bethlehem verweilen.

„Im Moment haben wir nur Gott“

Wie Schwester Nabila erklärt, hätte ein Großteil der Schutzsuchenden sein Zuhause verloren. Vor Ort würden sie nun mit Medikamenten und Lebensmitteln versorgt, obwohl die humanitären Umstände täglich schlimmer werden. Aktuell habe die Pfarrei weder Strom noch fließendes Wasser zur Verfügung. Der Preis von Mineralwasser habe sich seit Kriegsausbruch verdreifacht – der Brunnen im Hof könne jederzeit versiegen. „Der beste Weg, um mit der verheerenden Situation fertig zu werden, besteht darin, sich zu beschäftigen und anderen zu helfen“, so die Schwester: geschlafen habe sie in den vergangenen Tagen kaum. 

Besonders auf die vorläufige Öffnung der Grenze zu Ägypten für Hilfslieferungen blicke die Zivilbevölkerung mit einem kleinen Schimmer Hoffnung, berichtete die Schwester. Trotzdem bleibe es weiterhin unklar, ob die Güter auch im Norden des Gazastreifens ankommen werden.

Flucht käme für die meisten der Schutzsuchenden nicht infrage, besonders für die Alten, Geschwächten oder diejenigen mit Behinderungen. Trost finden sie in der heiligen Messe, die zweimal täglich in der Kirche „Heilige Familie“ gefeiert wird. Auch werde ununterbrochen der Rosenkranz gebetet, erzählt Schwester Nabila: „Im Moment haben wir nur Gott. Es gibt so viel Böses, so viel Leid.“

Die „heilige und moralische Pflicht“ zu Helfen

Einen besonderen Schock habe die Bombendetonation an der griechisch-orthodoxen Kirche St. Porphyrios in Gaza-Stadt gebracht. Laut Angaben der lokalen Gemeinde sollen dabei 18 Personen ums Leben gekommen sein. Darunter auch zwei Kinder, die in der katholischen Pfarrei am Religionsunterricht teilnahmen, und die Lehrerin einer Schule der Rosenkranzschwestern in Gaza.

Mitte Oktober hatten die Patriarchen und Oberhäupter der christlichen Kirchen in Jerusalem in einer gemeinsamen Erklärung an die „heilige und moralische Pflicht“ appelliert, „ den Zivilisten, die in verzweifelter Not zu uns kommen, Hilfe, Unterstützung und Zuflucht zu gewähren“. Obwohl sie zur Evakuierung aufgefordert seien, könnten die Kirchen diesen Auftrag nicht aufgeben, „denn es gibt buchstäblich keinen anderen sicheren Ort, an den sich diese unschuldigen Menschen wenden können“. Ebenso riefen die Oberhäupter die internationale Gemeinschaft an, um „den Schutz von Zufluchtsorten wie Krankenhäusern, Schulen und Gotteshäusern“ durchzusetzen. Um eine Versorgung der Zivilbevölkerung zu gewährleisten, forderten sie eine „sofortige humanitäre Waffenruhe“. 

Das weltweite katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ unterstützt über das Lateinische Patriarchat Jerusalem die Nothilfe für Christen in den vom Krieg betroffenen Gebieten des Heiligen Landes. DT/jmo

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