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Ein Kardinal wie eine Kompassnadel

Die Kirche auf Sri Lanka lässt nicht locker, die Aufklärung der mörderischen Osteranschläge von 2019 zu fordern.
Außenpolitikkorrespondent Stephan Baier, Kardinal Ranjith
Foto: DT / IMAGO / ZUMA Press Wire | Trägt das schwere Schicksal seiner Herde: Albert Malcolm Kardinal Ranjith 2021.

Glasklar, glaubenstreu und unerschrocken. All das ist der Kardinal von Sri Lanka, Albert Malcolm Ranjith, der als Gesicht und Stimme der kleinen katholischen Minderheitenkirche die Regierung seines Landes seit mehr als sieben Jahren öffentlich kritisiert und international unter Druck bringt. Am Ostersonntag 2019 hatten Terroristen in drei Kirchen des Landes und drei Hotels fast 300 Menschen brutal in den Tod gerissen. Damals war es Kardinal Ranjith, der ein Blutbad verhinderte und seinen traumatisierten und wütenden Gläubigen Racheakte aller Art verbot.

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Der Erzbischof von Colombo organisierte angesichts des staatlichen Versagens selbst die soziale, psychotherapeutische und pastorale Betreuung der Opfer und ihrer Angehörigen. Die Regierung von Sri Lanka beschuldigte er öffentlich und mit internationalem Medienecho, vor diesem Ostersonntag Warnungen des indischen Geheimdienstes ignoriert und nachher die Aufklärung der Terroranschläge verschleppt zu haben. Zunächst dachte die Regierung, die Sache aussitzen zu können, doch obwohl die katholische Kirche nur sieben Prozent der Einwohner auf der mehrheitlich buddhistischen Elefanteninsel stellt, ließ Kardinal Ranjith nicht locker.

Todesstrafe widerspricht der Menschenwürde

Als er dem Präsidenten und der Regierung damit drohte, den Fall vor den Internationalen Strafgerichtshof zu bringen, kam endlich Bewegung in die Aufklärung. Nun wurden zwei hochrangige Ex-Regierungsvertreter wegen Versäumnissen bei der Verhinderung der Terroranschläge verurteilt. Der damalige Polizeichef Sri Lankas und ein Staatssekretär im Verteidigungsministerium wurden für schuldig befunden, Warnungen eines ausländischen Geheimdienstes ignoriert und darum die Anschläge nicht verhindert zu haben.

Für den mutigen Kardinal von Colombo keine Stunde der Genugtuung, denn erstens scheinen die beiden Männer „Bauernopfer“ der Regierung zu sein, und zweitens wurden sie zum Tode verurteilt. Wieder war es Ranjith, der laut und vernehmbar die Stimme erhob: gegen die Todesstrafe, die der Würde jedes Menschen widerspreche, und dafür, die wahren Hintermänner und Drahtzieher zur Verantwortung zu ziehen. Kardinal Ranjith ist ein Leuchtturm, der nicht nur der katholischen Minderheit seines Landes klare Orientierung bietet, eine verlässliche Kompassnadel des christlichen Ethos.

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Stephan Baier Erzbischöfe Kardinäle Katholische Kirche Todesurteile

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