Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Würzburg

Die Relevanz des Teufels

Eine biblisch fundierte Verkündigung in Bezug auf den Teufel hätte möglicherweise einigen Schaden innerhalb der Kirche verhindert.
Darstellung des Teufels
Foto: Daniel Kühne (50171852) | Blick vom Hexentanzplatz im Harz: Gerade in jenen Jahrzehnten, in denen der Abschied vom Teufel auf Lehrstühlen und von Kanzeln propagiert wurde, häuften sich die Verbrechen an Minderjährigen.

Die Abschlussrede des Papstes beim sogenannten Missbrauchsgipfel im Vatikan stellt eine Zäsur dar. Wie schon in früheren Äußerungen bekennt Franziskus, dass er an den Teufel glaubt. Doch dieses Mal war die Bühne größer und der Papst besaß die maximale Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit. Damit schleift der Nachfolger Petri eine Bastion der nachkonziliaren Exegese.

Der Glaube an das personale Böse hat sich in der Kirche fast verflüchtigt

Seit Herbert Haag vor fünfzig Jahren in seinem Buch den „Abschied vom Teufel“ ankündigte, hat sich der Glaube an das personale Böse innerhalb der Kirche fast verflüchtigt. Sowohl in der akademischen Theologie als auch in der Verkündigung ist es verpönt, vom Teufel zu sprechen. Offensichtlich genügt es dem Papst jedoch nicht, die unübersehbare Existenz des Bösen in der Welt auf diffuse Mächte zurückzuführen. Franziskus distanziert sich auf diese Weise nicht nur von der liberalen Exegese, sondern bricht auch mit der Vorstellung, an den Teufel zu glauben sei eine unzeitgemäße Form der Angstmacherei.

Gerade in jenen Jahrzehnten, in denen der Abschied vom Teufel auf Lehrstühlen und von Kanzeln propagiert wurde, häuften sich die Verbrechen an Minderjährigen, die heute für weitaus mehr Öffentliches Entsetzen sorgen, als der biblisch begründete Glaube an den Teufel in früheren Generationen. Will man eine erste Bilanz der Missbrauchskrise ziehen, so bleibt nur das Fazit: Nicht an den Teufel zu glauben, zeugt weniger von angstfreiem und fröhlichem Christentum, sondern eher von Naivität und Schriftvergessenheit. Im Schatten des Unglaubens treibt der Teufel sein Spiel ungehindert weiter. Die Missbrauchskrise ist zweifellos ein Denkanstoß für eine Theologengeneration, die meinte, durch den „Abschied vom Teufel“ weltzugewandter und diskursfähiger zu wirken – und sich damit auf den Holzweg begab.

Um dem Teufel das Handwerk zu legen braucht es auch Geschichtsbewusstsein

Inzwischen steht die Kirche am Pranger, weil sie das Wirken des Bösen in den eigenen Reihen lange nicht wahrhaben wollte. Eine biblisch fundierte Verkündigung in Bezug auf den Teufel hätte zweifellos nicht allen Kräften der nachkonziliaren Gesellschaft gefallen, aber möglicherweise einigen Schaden innerhalb der Kirche verhindert. Nicht, dass die Kirche zum ersten Mal eine heftige Krise durchlebte. Um dem Teufel heute das Handwerk zu legen, braucht es neben einer Rückbesinnung auf die Lehre und Tradition der Kirche auch Geschichtsbewusstsein.

DT

Warum die Kirchengeschichte heute als Lehrerin gefragter denn je ist, um ein realistisches Menschenbild zurückzugewinnen, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 28. Februar 2019.

Themen & Autoren
Regina Einig Bibel Herbert Haag Päpste Teufel (Religion)

Weitere Artikel

Wie sehen Engel eigentlich aus und welche Aufgaben hat Gott ihnen gegeben? Die Bibel erzählt von davon, dass Engel uns manchmal begegnen können, ohne dass wir sie erkennen.
27.09.2026, 05 Uhr
Anna Weber
Präfektin des Dikasteriums für Kommunikation: Dem ersten Laien im Amt folgt mit María Montserrat Alvarado die erste Frau im Amt, acht Jahre nach der Ernennung ihres Vorgängers.
09.06.2026, 11 Uhr
Henry C. Brinker
Wie findet der Mensch zu seiner Wesensmitte? Indem er geduldig dem Labyrinth des Lebens folgt, meint Uwe Wolff.
13.05.2026, 07 Uhr
Daniel Zöllner

Kirche

Mit 56 Jahren ließ César Ortiz-Echagüe seine Architektenkarriere hinter sich und wurde Priester. Nun ist der langjährige Opus-Dei-Regionalvikar in Deutschland mit 99 Jahren gestorben.
29.09.2026, 11 Uhr
José García
Chorproben in Italien statt Strandurlaub: Warum Kirchenmusiker jedes Jahr nach San Leo fahren.
29.09.2026, 08 Uhr
Isabel Wodatschek
Einen Zeitplan gebe es aber noch nicht. Den Kirchen hierzulande traue er trotz ihrer derzeitigen Krise eine positive Entwicklung zu, so der Papst auf dem Rückflug nach Rom.
29.09.2026, 06 Uhr
Meldung