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Die ehrliche Haut

Viel Lärm um nichts: Wie Erzbischof Georg Gänswein von einem italienischen Verlag benutzt wurde.
Georg Gänswein geriet in die Verlegenheit, sein Buch nicht mehr stoppen zu können.
Foto: Harald Oppitz (KNA) | Erzbischof Georg Gänswein geriet in die Verlegenheit, sein Buch nicht mehr stoppen zu können.

Bei dem Versuch, die schnelle Veröffentlichung des Buchs über sein Leben an der Seite des verstorbenen Papstes zu verhindern, ist Erzbischof Georg Gänswein bis an die Spitze des Mondadori-Konzerns vorgedrungen. Das heißt bis zu Marina Berlusconi, der Tochter des Medien-Zars Silvio. Denn „Nient'altro che la verità: La mia vita al fianco di Benedetto XVI“ (Nichts als die Wahrheit – Mein Leben an der Seite Benedikts XVI.) erscheint heute in dem italienischen Verlag Piemme, der ein Tochterunternehmen des Verlagsriesen Mondadori ist. Aber beim besten Willen: Auch die Berlusconi-Tochter – geschweige denn der Co-Autor Saverio Gaeta – konnte das Buch nicht mehr zurückpfeifen, es steckte schon zu tief in den letzten Verästelungen der Vertriebskanäle.

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Bestellte Vorberichte

Und was Gänswein in den Tagen um das Requiem für „seinen“ verstorbenen Papst herum auch erfahren musste: Italienischen Gepflogenheiten zufolge hatte Piemme einzelne Kapitel aus dem Buch unmittelbar nach dem Tod Benedikts an ausgewählte Journalisten mit der Bitte verteilt, schon vorab über die Inhalte zu berichten. Die kamen der Bitte nur allzu gerne nach, enthielten die Aufzeichnungen des Privatsekretärs doch manch pikante Details über das Verhältnis zwischen Papst Franziskus und dem Emeritus. Und so musste Gänswein ausgerechnet in den Tagen des Abschieds von Benedikt XVI. einen Medien-Hype erleben, der den Eindruck vermittelte, er rechne mit Franziskus ab.

Dass der Verlag unbedingt Schlagzeilen wollte, um den Verkauf zu fördern, zeigt auch das Cover. „Nient‘altro che la verità – Nichts als die Wahrheit“ war schon der Titel, mit dem der bekannt-berüchtigte Krawall-Journalist Michele Santoro im April 2021 sein Enthüllungs-Buch über einen Mafia-Killer auf den Markt geworfen hatte.

Getroffen von dem Lügen-Vorwurf

Die wahre Intention Gänsweins aber war eine ganz andere: Tief getroffen von dem Lügen-Vorwurf, dem sich der greise deutsche Papst nach dem Wirbel um das Münchener Missbrauchs-Gutachten ausgesetzt sah, wollte sein Privatsekretär einfach die Wahrheit erzählen, nicht nur was jenes Gutachten betraf, sondern auch zu manch anderer unsauberen Legende über Joseph Ratzinger / Benedikt XVI. Nur hatte er nicht die Rechnung mit dem Wirt gemacht – sprich: mit dem Verlag. In wenigen Wochen wird man das Buch auch auf Deutsch lesen können. Es erscheint – natürlich (!)– im Herder-Verlag.

Es ist ein Buch, das sich Historiker und Journalisten nur wünschen können: Es enthält Details und Erklärungen, die bisher nicht nachzulesen waren. Nur hätte es – und das weiß Erzbischof Gänswein am allerbesten – Wochen nach dem Tod des Emeritus erscheinen sollen.

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