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„Der Tod hat keine Macht“

Diözesanadministrator Weihbischof Boom in der Osternacht: Botschaft von der Auferstehung im Alltag jedes Einzelnen entdeckbar. – „Jesus lebt nicht von seiner Jünger Gnade. Er lebt aus der Kraft Gottes“.
Auferstehung Christi und Frauen am Grab
Foto: IN | Fra Angelico: Auferstehung Christi und Frauen am Grab (1440/41), Konvent San Marco, Florenz.

Um Ostern zu verstehen, ist es notwendig, die Spuren von Auferstehung im eigenen Leben zu entdecken. „Mitten im Alltag, kaum einsehbar, ohne große Töne, entdecken wir Spuren der Auferstehung in unserem Leben. Spuren, die hinführen zu dem, der nicht sagt: Ich werde die Auferstehung sein, irgendwann einmal später. Nein: ,Ich bin die Auferstehung und das Leben.'“ Das hat Diözesanadministrator Weihbischof Ulrich Boom bei der Feier der Osternacht am Samstagabend, 31. März, im Würzburger Kiliansdom betont. Der Tod sei nicht die letzte Erfahrung. „Denn das letzte Wort, das Gott spricht, ist wie das erste Wort nicht der Tod, sondern Leben.“

Die Grabeskirche in Jerusalem sei ein gutes Symbol für den Auferstehungsglauben, erklärte der Weihbischof in seiner Predigt in der Osternacht weiter. Viele erwarteten, wenn sie zum ersten Mal nach Jerusalem kommen, ein großes und mächtiges Gebäude. „Schließlich wird an ein Ort verehrt, der aufs Engste mit der zentralen christlichen Botschaft von Kreuz und Auferstehung verbunden ist.“ Doch im Gewirr der Straßen und Gassen der Jerusalemer Altstadt müsse man die Grabeskirche suchen. Inmitten der augenscheinlich zunächst gleichförmig wirkenden Gassen falle eine Orientierung anfänglich schwer. Leichter werde es, sobald man der „Via Dolorosa“, dem „Weg der Schmerzen“ folge. „Wenn man die Auferstehung sucht, dann gilt es einmal, den Spuren des Leids nachzugehen. Zum Schluss stehe ich dann auf einem verhältnismäßig kleinen Platz, unter vielen Eingängen führt einer in die Grabeskirche: eingeengt von Häusern, Wohnungen auf den Dächern, ein gekappter oder nicht fertig gewordener Glockenturm.“ An dem Gebäude sei nichts von Größe oder überragender Feierlichkeit auszumachen: „Mitten im Alltag, kaum einsehbar, ohne große Töne Auferstehung erfahren.“

In der Feier der Osternacht werde das von Gott verheißene Leben noch einmal in den Lesungen in Erinnerung gerufen, betonte Weihbischof Boom weiter. „Gott lässt in der Schöpfung Leben entstehen. Er lädt ein, ihm grenzenlos zu vertrauen, wie Abraham es tut. Gott führt aus dem Land der Knechtschaft in die Freiheit. ,Der Tod hat keine Macht'. Was für Christus gilt, gilt auch denen, die ihm nachfolgen.“ Der Satz: „Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen“, der den Frauen gesagt werde und den diese den Jüngern, vor allem Petrus, weitersagen sollen, gelte auch für die Menschen heute: „In unserem Alltag, im Gewirr unserer Lebenswege und in der Geschäftigkeit unserer Zeit, im Getriebe des Weltgeschehens im Kleinen und im Großen ist der gekreuzigte und auferstandene Herr da und geht die alltäglichen Wege unseres Lebens mit“, sagte der Weihbischof.

Die Feier der Osternacht begann am Feuer im Domkreuzgang. Nach der Segnung des Osterfeuers entzündete Weihbischof Boom die große Osterkerze an den Flammen mit den Worten: „Christus ist glorreich auferstanden vom Tod. Sein Licht vertreibe das Dunkel der Herzen.“ Danach wurde das Osterlicht in Begleitung von Weihbischof Boom und Mitgliedern des Domkapitels in den dunklen Kiliansdom getragen und an die Gläubigen weitergereicht. Während der Lichtfeier sang Diakon Dr. Martin Faatz das österliche Exsultet, den Lobgesang auf die Osterkerze. Lektoren trugen Lesungen aus dem Alten Testament vor. Beim Gloria läuteten die Glocken des Domes nach den stillen Tagen seit Gründonnerstag wieder. Lesung und Evangelium des Neuen Testaments berichteten von der Auferstehung Jesu. Der Lichtfeier schlossen sich die Tauferneuerung und die Eucharistiefeier an. Den musikalischen Rahmen gestaltete der Konzertchor der Mädchenkantorei unter der Leitung von Domkantor Alexander Rüth mit „Antwortpsalmen zur Osternacht“ von Otmar Faulstich und Alexander Rüth, „Surrexit pastor bonus” von Felix Mendelssohn Bartholdy und „O filii et filiae“ aus dem Oratorium Christus von Franz Liszt.

Am Ostersonntag, 1. April, betonte der Weihbischof in seiner Predigt beim Pontifikalamt im Würzburger Dom, dass nur der wirklich Ostern feiern könne, der mit Gott und seiner Tat rechne. „Alle Macht liegt bei Gott. Wenn er die Macht über den Tod hat, hat er auch die Macht über die vielen alltäglichen kleinen Todesfälle meines Lebens.“ Die Evangelien der Ostertage thematisierten häufig Unglauben und Misstrauen. „Die Frauen erschrecken, die Apostel halten die Botschaft von der Auferstehung für ein Geschwätz.“ Bei Petrus stelle sich Verwunderung ein und er gehe zum Tagesgeschehen über. Thomas zweifle. Die Emmausjünger seien mit Blindheit geschlagen. „Geht uns nicht auch – wenigstens zeitweise – der Glaube verlustig? Durch Krankheit, einen Schicksalsschlag? Durch die Zeit, weil es sich auch ohne Gott und seine Verheißungen gut leben lässt?“, fragte der Weihbischof?

Menschen seien nicht in der Lage, Jesus lebendig zu machen und lebendig zu halten. „Ist die Krise der Kirche in unserem Land nicht eine Glaubenskrise, eine Vertrauenskrise?“ Mitunter setzten die Christen mehr auf ihr Können und Vermögen als auf Gottes acht und Weisheit. „Jesus lebt nicht von seiner Jünger Gnade. Er lebt aus der Kraft Gottes“, sagte Weihbischof Boom. Wer sich darauf festgelegt habe, dass nichts anderes geschehen könne als das, was der Mensch aus sich vermag, der gehe an Ostern leer aus. „Wir vermögen viel, aber wir können nicht alles machen.“

Mit der „Missa in G, D 167“ von Franz Schubert und Georg Friedrich Händels „Hallelujah“ aus dem Messias begleitete der Domchor unter der Leitung von Domkantor Alexander Rüth das Pontifikalamt mit Weihbischof Boom.

POW (mh) / DT (jbj)

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