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Der Kotau des Kardinal Marx

Dass die Weltkirche Segensfeiern für geschieden Wiederverheiratete, gleichgeschlechtliche und queere Paare aus guten Gründen ablehnt, opfert der Münchner Erzbischof der praktischen Los-von-Rom-Theologie.
Der Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx
| Der theologische Sinn der Handreichung „Segen gibt der Liebe Kraft" solle, so Kardinal Reinhard Marx, all jenen erläutert werden, die sich mit „dieser Segnung noch schwertun“.

Mit politisch wachem Instinkt erweist der Münchner Kardinal Reinhard Marx dem ersten offen schwulen Bürgermeister Münchens kaum vier Wochen nach dessen Wahl seine Reverenz: Priester und hauptamtliche Mitarbeiter des Erzbistums München-Freising wurden in der Osteroktav vom Erzbischof persönlich aufgefordert, die umstrittene Handreichung „Segen gibt der Liebe Kraft“ für Paare, die keine sakramentale Ehe eingehen können, als „Grundlage seelsorglichen Handelns“ einzuführen.

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Dass die Weltkirche Segensfeiern für geschieden Wiederverheiratete, gleichgeschlechtliche und queere Paare aus guten Gründen ablehnt, wird hier der praktischen Los-von-Rom-Theologie geopfert. Dem neugewählten Münchner Oberbürgermeister und dem Rest der Welt signalisiert die Münchner Ortskirche: Man will offenbar auf der gesellschaftspolitisch richtigen Seite stehen.

Die Sorge um das ewige Heil der Seelen geht schlicht unter

Fragen wirft die Anweisung an priesterliche Segensverweigerer auf, Paare gegebenenfalls an den Dekan oder andere pastorale Mitarbeiter zu verweisen. Kein Priester hat das Recht, das defizitär geschulte Gewissen von Dekanen und in objektiv schwerer Sünde lebenden Menschen durch falsches Schweigen zu verdunkeln, um seine Ruhe zu haben. Sollte von einer unverantwortbaren Segensfeier etwa Gnade auf ein Paar herabströmen, weil Einmütigkeit zwischen den Teilnehmern herrscht? Oder spricht aus dem Brief des Kardinals nicht eher ein klerikalistisches Priesterbild, in dem der Zelebrant nicht mehr Christus, sondern sich selbst als Herrn der Liturgie betrachtet?

Die Sorge um das ewige Heil der Seelen geht schlicht unter, während Queerpastoral und Ehe- und Familienpastoral de facto auf eine Stufe gestellt werden. Auffallend ist die Drohkulisse dieser merkwürdigen Liebeskirche: Der theologische Sinn der Handreichung solle, so der Kardinal, all jenen erläutert werden, die sich mit „dieser Segnung noch schwertun“. Lehramtstreue Katholiken sollen offenbar auf deutsche Sonderwege eingeschworen werden. Das paulinische Ideal der Nächstenliebe im Galaterbrief – einer trage in der Gemeinde des anderen Last –, hier gerät es zur Karikatur.

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