Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um „5 vor 12“

Der Kotau des Kardinal Marx

Dass die Weltkirche Segensfeiern für geschieden Wiederverheiratete, gleichgeschlechtliche und queere Paare aus guten Gründen ablehnt, opfert der Münchner Erzbischof der praktischen Los-von-Rom-Theologie.
Der Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx
| Der theologische Sinn der Handreichung „Segen gibt der Liebe Kraft" solle, so Kardinal Reinhard Marx, all jenen erläutert werden, die sich mit „dieser Segnung noch schwertun“.

Mit politisch wachem Instinkt erweist der Münchner Kardinal Reinhard Marx dem ersten offen schwulen Bürgermeister Münchens kaum vier Wochen nach dessen Wahl seine Reverenz: Priester und hauptamtliche Mitarbeiter des Erzbistums München-Freising wurden in der Osteroktav vom Erzbischof persönlich aufgefordert, die umstrittene Handreichung „Segen gibt der Liebe Kraft“ für Paare, die keine sakramentale Ehe eingehen können, als „Grundlage seelsorglichen Handelns“ einzuführen.

Lesen Sie auch:

Dass die Weltkirche Segensfeiern für geschieden Wiederverheiratete, gleichgeschlechtliche und queere Paare aus guten Gründen ablehnt, wird hier der praktischen Los-von-Rom-Theologie geopfert. Dem neugewählten Münchner Oberbürgermeister und dem Rest der Welt signalisiert die Münchner Ortskirche: Man will offenbar auf der gesellschaftspolitisch richtigen Seite stehen.

Die Sorge um das ewige Heil der Seelen geht schlicht unter

Fragen wirft die Anweisung an priesterliche Segensverweigerer auf, Paare gegebenenfalls an den Dekan oder andere pastorale Mitarbeiter zu verweisen. Kein Priester hat das Recht, das defizitär geschulte Gewissen von Dekanen und in objektiv schwerer Sünde lebenden Menschen durch falsches Schweigen zu verdunkeln, um seine Ruhe zu haben. Sollte von einer unverantwortbaren Segensfeier etwa Gnade auf ein Paar herabströmen, weil Einmütigkeit zwischen den Teilnehmern herrscht? Oder spricht aus dem Brief des Kardinals nicht eher ein klerikalistisches Priesterbild, in dem der Zelebrant nicht mehr Christus, sondern sich selbst als Herrn der Liturgie betrachtet?

Die Sorge um das ewige Heil der Seelen geht schlicht unter, während Queerpastoral und Ehe- und Familienpastoral de facto auf eine Stufe gestellt werden. Auffallend ist die Drohkulisse dieser merkwürdigen Liebeskirche: Der theologische Sinn der Handreichung solle, so der Kardinal, all jenen erläutert werden, die sich mit „dieser Segnung noch schwertun“. Lehramtstreue Katholiken sollen offenbar auf deutsche Sonderwege eingeschworen werden. Das paulinische Ideal der Nächstenliebe im Galaterbrief – einer trage in der Gemeinde des anderen Last –, hier gerät es zur Karikatur.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Regina Einig Reinhard Marx

Weitere Artikel

Ralph Brinkhaus fordert mehr Gottesbezug, Kardinal Marx hält sich lieber an die Vernunft. Doch wie jenseitig dürfen politische Ratschläge der Kirche dann noch sein?
16.05.2026, 13 Uhr
Jakob Ranke
Wolfgang F. Rothe ist Deutschlands bekanntester LGBTQ-Aktivist mit Kollar. Auch seine eigene Münchner WG machte der Priester zum Medienhappening. Doch das Experiment scheiterte.
14.05.2026, 17 Uhr
Jakob Ranke

Kirche

Dort, wo das Gnadenbild des Barmherzigen Jesus entstand, feiern Tausende in dieser Woche wieder Gottes bedingungslose Liebe. Erzbischof Gänswein und Erzbischof Koch sind dabei.
08.06.2026, 18 Uhr
Meldung
Im spanischen Parlament nennt Leo XIV. den Frieden eine „moralische Notwendigkeit“. Die Bischöfe erinnert er daran, dass die Stärke der Kirche in der Heiligkeit ihrer Kinder liege.
08.06.2026, 13 Uhr
José García
Leo XIV. empfing eine rund 100-köpfige Delegation des Cartellverbandes (CV) zur Audienz. Dabei rief der Papst zum „christlichen Humanismus“ auf.
07.06.2026, 14 Uhr
Sebastian Zellner