Beim „Marsch für das Leben" am vergangenen Samstag in Lissabon hat es einen Brandanschlag gegeben. Wie die portugiesische Nachrichtenagentur „Lusa" mitteilte, warf ein Mann einen improvisierten Molotow-Cocktail in die Menschenmenge. Das Brandmittel explodierte zwar nicht, doch die Brandflüssigkeit traf mehrere Teilnehmer. Verletzt wurde nach Polizeiangaben niemand.
Die Beamten nahmen noch am selben Abend einen 39-jährigen Mann fest, der einer anarchistischen Gruppe angehören soll. Maria Frey, stellvertretende Vorsitzende der deutschen Organisation „Jugend für das Leben", zeigte sich erschüttert. In einer Stellungnahme zum Anschlag in Lissabon erklärte sie: „Wer sich für die unantastbare Würde jedes Menschen einsetzt, ist offenbar nicht mehr sicher." Nach Angaben der Veranstalter nahmen rund 4.000 Menschen am diesjährigen Marsch teil, einer Kundgebung, die sich für den Schutz des menschlichen Lebens sowie gegen Abtreibung und Sterbehilfe einsetzt.
Gewalt gegen Lebensrechtler häuft sich
Für Frey reiht sich der Vorfall in eine besorgniserregende Entwicklung ein. In der Mitteilung verweist sie auf einen Angriff Anfang Februar in Koblenz, bei dem eine Gebetsmahnwache von Lebensrechtlern attackiert wurde. Wie die evangelische Nachrichtenagentur IDEA berichtet hatte, erlitt dabei ein Teilnehmer ein Schädel-Hirn-Trauma, drei weitere wurden verletzt. Der Angriff zeige „auf erschreckende Weise", so Frey, „welches Ausmaß Hass und Gewaltbereitschaft von ,Pro Choicern' annehmen kann".
Ebenfalls in den Blick nimmt Frey einen Farbanschlag vom 5. auf den 6. März dieses Jahres auf das Beratungszentrum der Pro-Life-Organisation „1000plus Profemina" in Heidelberg. Unbekannte warfen laut einem Bericht von IDEA Farbbeutel auf die Fassade des Gebäudes und verursachten dabei einen Sachschaden von mutmaßlich über 25.000 Euro.
Verzerrte öffentliche Debatte
Mit Verweis auf eine Stellungnahme des Bundesverbands Lebensrecht kritisiert Frey, dass in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem Lebensrechtler als potenzielle Bedrohung dargestellt würden, nicht die „Pro-Choice-Gruppen". Der Bundestag habe 2024 ein Gesetz gegen sogenannte „Gehsteigbelästigung" verabschiedet, obwohl dem Bundesverband zufolge keine gemeldeten Vorfälle vorlägen, die eine solche Regelung begründen würden. „Der Vorwurf gegen Lebensschützer scheint frei erfunden zu sein, während die Gewalt von Pro-Choice-Gruppen Realität ist", so Frey.
Wer sich für die unantastbare Würde jedes Menschen einsetze, sei offenbar nicht mehr sicher. „Das ist zutiefst beunruhigend", erklärt Frey. Zugleich appelliert sie an beide Seiten der gesellschaftlichen Debatte, den Dialog zu suchen: „Lasst uns im persönlichen Gespräch und Miteinander wieder anfangen, uns gegenseitig als Menschen mit Wert und Würde zu sehen und auch so zu behandeln." Nur so ließen sich die verhärteten Fronten wieder aufbrechen. DT/dsc
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