Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Lissabon

Brandanschlag beim Marsch für das Leben in Lissabon

Ein versuchter Brandanschlag überschattete den „Marsch für das Leben" in Lissabon. Die deutsche Organisation „Jugend für das Leben" sieht darin ein Muster wachsender Gewalt gegen Lebensrechtler.
Nach dem Brandanschlag in Lissabon nahm die Polizei einen 39-jährigen Mann fest
Foto: marcbruxelle via imago-images.de (www.imago-images.de) | Nach dem Brandanschlag in Lissabon nahm die Polizei einen 39-jährigen Mann fest.

Beim „Marsch für das Leben" am vergangenen Samstag in Lissabon hat es einen Brandanschlag gegeben. Wie die portugiesische Nachrichtenagentur „Lusa" mitteilte, warf ein Mann einen improvisierten Molotow-Cocktail in die Menschenmenge. Das Brandmittel explodierte zwar nicht, doch die Brandflüssigkeit traf mehrere Teilnehmer. Verletzt wurde nach Polizeiangaben niemand.

Lesen Sie auch:

Die Beamten nahmen noch am selben Abend einen 39-jährigen Mann fest, der einer anarchistischen Gruppe angehören soll. Maria Frey, stellvertretende Vorsitzende der deutschen Organisation „Jugend für das Leben", zeigte sich erschüttert. In einer Stellungnahme zum Anschlag in Lissabon erklärte sie: „Wer sich für die unantastbare Würde jedes Menschen einsetzt, ist offenbar nicht mehr sicher." Nach Angaben der Veranstalter nahmen rund 4.000 Menschen am diesjährigen Marsch teil, einer Kundgebung, die sich für den Schutz des menschlichen Lebens sowie gegen Abtreibung und Sterbehilfe einsetzt.

Gewalt gegen Lebensrechtler häuft sich

Für Frey reiht sich der Vorfall in eine besorgniserregende Entwicklung ein. In der Mitteilung verweist sie auf einen Angriff Anfang Februar in Koblenz, bei dem eine Gebetsmahnwache von Lebensrechtlern attackiert wurde. Wie die evangelische Nachrichtenagentur IDEA berichtet hatte, erlitt dabei ein Teilnehmer ein Schädel-Hirn-Trauma, drei weitere wurden verletzt. Der Angriff zeige „auf erschreckende Weise", so Frey, „welches Ausmaß Hass und Gewaltbereitschaft von ,Pro Choicern' annehmen kann".

Ebenfalls in den Blick nimmt Frey einen Farbanschlag vom 5. auf den 6. März dieses Jahres auf das Beratungszentrum der Pro-Life-Organisation „1000plus Profemina" in Heidelberg. Unbekannte warfen laut einem Bericht von IDEA Farbbeutel auf die Fassade des Gebäudes und verursachten dabei einen Sachschaden von mutmaßlich über 25.000 Euro.

Verzerrte öffentliche Debatte

Mit Verweis auf eine Stellungnahme des Bundesverbands Lebensrecht kritisiert Frey, dass in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem Lebensrechtler als potenzielle Bedrohung dargestellt würden, nicht die „Pro-Choice-Gruppen". Der Bundestag habe 2024 ein Gesetz gegen sogenannte „Gehsteigbelästigung" verabschiedet, obwohl dem Bundesverband zufolge keine gemeldeten Vorfälle vorlägen, die eine solche Regelung begründen würden. „Der Vorwurf gegen Lebensschützer scheint frei erfunden zu sein, während die Gewalt von Pro-Choice-Gruppen Realität ist", so Frey.

Wer sich für die unantastbare Würde jedes Menschen einsetze, sei offenbar nicht mehr sicher. „Das ist zutiefst beunruhigend", erklärt Frey. Zugleich appelliert sie an beide Seiten der gesellschaftlichen Debatte, den Dialog zu suchen: „Lasst uns im persönlichen Gespräch und Miteinander wieder anfangen, uns gegenseitig als Menschen mit Wert und Würde zu sehen und auch so zu behandeln." Nur so ließen sich die verhärteten Fronten wieder aufbrechen.  DT/dsc

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Deutscher Bundestag Evangelische Kirche Jugend für das Leben Marsch für das Leben

Weitere Artikel

Der dritte „Marsch für das Leben“ in Köln stellt klare Forderungen an die Politik – und das trotz Rauchbombe und Blockadeversuch.
24.09.2025, 17 Uhr
Jakob Naser
Die Jesuiten-Hochschule spricht von „polarisierenden Äußerungen“ Ostritschs, will ihre Praxis nach der Ausladung aber überprüfen. Sieht sie das Gewaltproblem in den eigenen Reihen?
28.11.2025, 16 Uhr
Franziska Harter

Kirche

In keinem spanischen Bistum entscheiden sich proportional zur Bevölkerungsdichte gesehen mehr junge Männer für den Priesterberuf als im Erzbistum Toledo. Wie ist das zu erklären?
24.03.2026, 11 Uhr
Regina Einig
Wegen des Krieges im Nahen Osten sagt der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pizzaballa, zentrale Feiern der Heiligen Woche ab – und spricht den Gläubigen Mut zu.
24.03.2026, 10 Uhr
Meldung
Eine Initiative überreicht 28.000 Unterschriften gegen die Handreichung der Deutschen Bischofskonferenz zur „Sichtbarkeit und Anerkennung der Vielfalt sexueller Identitäten in der Schule“.
23.03.2026, 17 Uhr
Meldung
Wenn Fasten zum Lifestyle wird, verdunkelt es das, worum es eigentlich geht.
22.03.2026, 13 Uhr
Sina Hartert