Baltimore

US-Bischöfe verabschieden Eucharistie-Dokument

Keine Empfehlung zum Umgang mit Joe Biden, dafür eine Handreichung zur Bedeutung der Eucharistie: Die US-Bischöfe haben ihr lange geplantes Dokument verabschiedet.
Debatte um Kommunionempfang
Foto: Shelby Lum (Richmond Times-Dispatch/AP) | Die US-Oberhirten stimmten am Mittwoch mit einer überwältigenden Mehrheit von 222 Stimmen bei acht Gegenstimmen dafür, das Schreiben mit dem Titel „Das Geheimnis der Eucharistie im kirchlichen Leben“ anzunehmen.

Die amerikanischen katholischen Bischöfe haben bei ihrer Herbstvollversammlung in Baltimore (Maryland) ein Dokument zur Eucharistie verabschiedet. Die US-Oberhirten stimmten am Mittwoch mit einer überwältigenden Mehrheit von 222 Stimmen bei acht Gegenstimmen dafür, das Schreiben mit dem Titel „Das Geheimnis der Eucharistie im kirchlichen Leben“ anzunehmen. Drei Bischöfe enthielten sich. Nötig gewesen wäre lediglich eine Mehrheit von zwei Dritteln der Stimmen.

Leitfaden zur Evangelisierung

Anders als von Beobachtern und Medien ursprünglich vermutet, handelt es sich bei dem Dokument nicht um ein Schreiben, das sich direkt mit der Frage befasst, wer die Kommunion empfangen darf und wer nicht. Die Tatsache, dass einige prominente katholische Politiker, allen voran der US-Präsident Joe Biden, immer wieder die Rolles des Glaubens in ihrem Leben betonen, gleichzeitig jedoch in der Abtreibungsfrage die Lehre der Kirche nicht teilen, hatte insbesonders unter konservativen Katholiken Rufe laut werden lassen, die Bischöfe sollten Empfehlungen für einen Ausschluss vom Kommunionempfang abgeben.

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Bereits ein Entwurf des Dokuments, der seit Ende September in katholischen US-Medien in Umlauf ist, ließ jedoch erkennen, dass sich die Bischöfe in ihrem Dokument eher mit grundsätzlichen Betrachtungen zur Eucharistie beschäftigen würden. Vielmehr handelt es sich um einen Leitfaden zur Evangelisierung und eine Hilfestellung, um die Bedeutung der Eucharistie zu wiederzuentdecken.

86 Änderungsanträge diskutiert

Vor der Abstimmung wurde über insgesamt 86 Änderungsanträge an dem Textentwurf diskutiert, der bereits vor der Vollversammlung im Umlauf war. Wie die Jesuitenzeitschrift „America Magazine“ berichtet, betrifft eine der wohl signifikantesten Änderungen die Rolle des Bischofs im Umgang mit Gläubigen, die in manchen Fragen nicht im Einklang mit der kirchlichen Lehre stehen. So heißt es nun in dem Dokument: „Es ist die besondere Verantwortung des Diözesanbischofs, in Situation Abhilfe zu schaffen, die öffentliches Handeln beinhalten, das von der sichtbaren Gemeinschaft der Kirche und der Morallehre abweicht. Er muss die Integrität des Sakraments, die sichtbare Gemeinschaft der Kirche und die Errettung der Seelen bewahren.“ Der Absatz befindet sich in einem Abschnitt des Dokuments, der sich damit befasst, welche Art von Sünden einen Gläubigen für den Empfang der Kommunion disqualifizieren würden.

Der konservative Erzbischof von San Francisco, Salvatore Cordileone, brachte darüber hinaus einen Änderungsantrag ein, um zu erreichen, dass auch ungeborene Kinder zu den verletzlichen und schützenswerten Personen gezählt werden. Die Bischöfe nahmen daraufhin eine modifizierte Version von Cordileones Vorschlag an: Es heißt nun, dass Christen dazu aufgerufen seien, „die Verletzlichsten in unserer Mitte zu lieben und zu schützen: Ungeborene, Migranten und Flüchtlinge, Opfer von rassistischem Unrecht, die Alten und die Kranken“.

Zudem stimmten die US-Bischöfe dafür, eine auf die Dauer von drei Jahren angelegte Initiative zu starten, um die Faszination für die Eucharistie wiederzubeleben. In deren Rahmen soll 2024 in Indianapolis (Indiana) ein nationaler Eucharistischer Kongress stattfinden. Die Initiative soll im kommenden Jahr an Fronleichnam beginnen. 201 Bischöfe stimmten für die Kampagne, 17 dagegen, fünf enthielten sich.  DT/mlu

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