Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um "5 vor 12"

Die Antworten verhärten die Fronten

Antworten auf Dubia werfen neue Fragen auf. Eigenrecht von Gemeinschaften der Tradition ist gar nicht erst berücksichtigt. Versöhnungswerk von Benedikt XVI. liegt am Boden.
Pontifikalamt mit Raymond Burke
Foto: KNA | Ein Pontifikalamt in der alten Form, wie auch alle anderen Pontifikalhandlungen nach dem alten Pontifikale Romanum, soll es künftig nicht mehr geben. Was aber ist mit der Petrusbruderschaft und deren Eigenrecht?

Die Antworten der Gottesdienstkongregation auf die Anfragen zur praktischen Auslegung des Motu proprio „Traditiones custodes“ verhärten die Front zwischen dem Vatikan und den Traditionalisten. Aus dem gesamten Duktus des Textes spricht eine gewisse Ungeduld, endlich einen Schlussstrich unter das Thema „alte Messe“ zu ziehen. Die für die Traditionalisten im deutschsprachigen Raum entscheidende Frage wird allerdings gar nicht gestellt.

Lesen Sie auch:

Petrusbruderschaft nicht betroffen

Wie verhalten sich die Bestimmungen der Gottesdienstkongregation zum Eigenrecht, das Gemeinschaften wie die Petrusbruderschaft für sich beanspruchen? Mit anderen Worten: Was ist dran an der Stellungnahme der Petrusbruderschaft, man sei von den Bestimmungen nicht direkt betroffen und werde das Dokument erst einmal studieren? Unklar bleibt, warum die mit Rom verbundenen Gemeinschaften, die die alte Messe feiern, das Sakrament der Beichte nicht mehr spenden dürfen sollen, solange die Gläubigen es bei der Piusbruderschaft gültig empfangen dürfen.

Gleiches gilt für das Sakrament der Trauung. Eine solche Regelung wäre der kürzeste Weg, um die traditionsverbundenen Gläubigen direkt in die Arme der Piusbruderschaft zu treiben. Falls aber nur Diözesanpriester, die vom Ortsbischof ausdrücklich für die Seelsorge der traditionsverbundenen Gläubigen und die Feier der alten Messe geweiht worden sind, gemeint sein sollen – in keinem deutschen Bistum ist dieser Fall bisher bekannt – wäre eine Klarstellung hilfreich. Das Dokument schafft jedenfalls zusätzliche Verwirrung.

Hoffnung auf Ortsbischöfe

Bemerkenswert ist, dass der bereits in Traditionis custodes geäußerte Vorwurf der Spaltung wiederholt wird, in dem sich die Anhänger der alten Messe nicht als solche wiederfinden. Er mag in Einzelfällen begründet sein – doch solche Einzelfälle gibt es, wie die Segnungsfeiern Homosexueller zeigen, auch unter den Anhängern des Messbuchs Pauls VI.. Man darf gespannt sein, ob einzelne Ortsbischöfe den geradezu beispiellosen Vertrauensverlust in die Leitungskompetenz der Hirten wenigstens teilweise wieder auffangen können. Die heftigen Reaktionen in den sozialen Netzwerken lassen keinen Zweifel daran, dass das Versöhnungswerk von Papst Benedikt XVI. nun zerstört ist.

Lesen Sie mehr über das Responsum zu den Dubia bezüglich des Apostolischen Schreibens in Form eines Motu Proprio "Traditiones custodes" in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

Themen & Autoren
Regina Einig Benedikt XVI. Gläubige Petrusbruderschaft Piusbruderschaft

Weitere Artikel

Frankl, Churchill, Dostojewski – wie ihre Frauen ihr Leben, Denken und Wirken entscheidend mitprägten und heraus-forderten. Teil eins von zwei.
18.05.2026, 17 Uhr
Daniela Köder
Hat die FDP noch eine Chance? Wolfgang Kubicki will den Liberalismus populärer machen und schreckt nicht zurück, wenn das Populismus genannt wird.
07.04.2026, 15 Uhr
Sebastian Sasse

Kirche

Bei einer Pizza im Archäologischen Park lässt sich gut über unverständliche Texte lästern, die so mancher Kuriale zum Besten gibt.
31.05.2026, 05 Uhr
Mario Monte
Es war seine Berufung, eine Kirche zur Ehre der heiligen Dreifaltigkeit zu erreichten: Warum der katalanische Architekt Antonio Gaudí mehr war als ein genialer Künstler.
31.05.2026, 09 Uhr
Esther von Krosigk
„Wissen muss mit Gewissen zu tun haben“, fordert der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl beim Festakt zum 80. Geburtstag der Katholischen Hochschulgemeinde Wien.
29.05.2026, 14 Uhr
Laetitia Mayr
Schluss mit dem Museum im Apostolischen Palast in Castel Gandolfo: Leo XIV. kehrt in die ursprüngliche Sommerresidenz der Päpste zurück.
30.05.2026, 17 Uhr
Giulio Nova