Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Freiburg

Benedikt XVI. warnt vor Flucht in die reine Lehre

Die Lehre müsse sich in und aus dem Glauben entwickeln, nicht neben ihm stehen, so der emeritierte Papst. Zudem übt er Kritik am Begriff der „Amtskirche“.
Der emeritierte Papst Benedikt XVI.warnt vor einer „Flucht in die reine Lehre“.
Foto: imago stock&people (imago stock&people) | "Ob ich ein guter Priester und Seelsorger gewesen bin, wage ich nicht zu entscheiden", so der emeritierte Papst.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI.warnt vor einer „Flucht in die reine Lehre“. Dieser Gedanke erscheine ihm „vollkommen unrealistisch“, äußert sich Benedikt in schriftlichen Antworten auf Fragen der „Herder Korrespondenz“, die in der August-Ausgabe publiziert werden. Als Glaubender sei man selbst ein Fragender, „der immer neu die Wirklichkeit dieses Glaubens hinter und gegen die ihn bedrängenden Wirklichkeiten des Alltags finden muss“, so der emeritierte Papst.

Benedikt wörtlich: „Eine Lehre, die wie ein Naturschutzpark abgetrennt von der täglichen Welt des Glaubens und seiner Nöte bestehen würde, wäre zugleich ein Verzicht auf den Glauben selbst.“ Die Lehre müsse sich in und aus dem Glauben entwickeln, nicht neben ihm stehen.

Lesen Sie auch:

Begriff "Amtskirche" insinuiert inneren Widerspruch

Zudem kritisiert der Papa emeritus den Begriff der „Amtskirche“. Man habe jenes Wort gebildet, um den Gegensatz zwischen dem amtlich Geforderten und dem persönlich Geglaubten auszudrücken. „Das Wort Amtskirche insinuiert einen inneren Widerspruch zwischen dem, was der Glaube eigentlich will und bedeutet, und seiner Entpersönlichung. Nach Ansicht Benedikts ist es inzwischen weitgehend so, dass die amtlichen Texte der Kirche in Deutschland weitgehend von Leuten geformt würden, für die der Glaube nur amtlich sei. „In diesem Sinn muss ich zugeben, dass für einen Großteil kirchenamtlicher Texte in Deutschland in der Tat das Wort Amtskirche zutrifft.“

Was die Kirche von Amts wegen sagen müsse, so der 94-Jährige weiter, sage ein Amt, nicht eine Person. „Solange bei kirchenamtlichen Texten nur das Amt, aber nicht das Herz und der Geist sprechen, so lange wird der Auszug aus der Welt des Glaubens anhalten.“ Deswegen sei es ihm stets wichtig erschienen, die Person aus der Deckung des Amts herauszuholen und ein wirkliches persönliches Glaubenszeugnis von den Sprechern der Kirche zu erwarten. Das Wort „Entweltlichung“ deute dabei den negativen Teil der Bewegung an, um die es ihm gehe, „nämlich das Heraustreten aus der Rede und den Sachzwängen einer Zeit ins Freie des Glaubens. Aber eben diese Seite, das Positive, ist damit nicht genügend ausgedrückt“.

Auf die Frage, ob er als Kaplan in der Gemeinde Heilig Blut im Münchner Stadtteil Bogenhausen selbst ein guter Priester und Seelsorger gewesen sei, antwortet der emeritierte Papst: „Ob ich ein guter Priester und Seelsorger gewesen bin, wage ich nicht zu entscheiden.“ Er habe sich auf seine Weise gemüht, „dem Anspruch meines Amtes und der Weihe zu entsprechen“.  DT/mlu

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Benedikt XVI. Glaube Päpste Seelsorgerinnen und Seelsorger

Weitere Artikel

Arul Lourdu betrachtet ohne Larmoyanz das Schwinden des christlichen Glaubens in Europa.
29.06.2026, 09 Uhr
Maria Palmer
Pius X. ermöglichte wieder den Empfang der heiligen Kommunion ab dem Vernunftalter. Diese drei Erfahrungen brauchen Kinder, damit die Erstkommunion nicht zur Letztkommunion wird.
20.08.2026, 19 Uhr
Leonhard Maier LC
In Obertshausen erinnert neuerdings eine Statue an den Kirchenlehrer Johannes vom Kreuz und an den spanischen Wallfahrtsort Caravaca de la Cruz.
14.08.2026, 09 Uhr
Oliver Gierens

Kirche

Trotz sinkender Taufzahlen machen die Erwachsenentaufen dem Berliner Erzbischof Heiner Koch Hoffnung. Von einer „Rechristianisierung“ möchte er dennoch nicht sprechen.
06.10.2026, 11 Uhr
Meldung
Die Schönstätter Marienschwestern feiern 100-jähriges Bestehen: Die Generaloberin Schwester Joanna M. Buckley erläutert die Ziele ihrer marianisch geprägten Pädagogik.
04.10.2026, 15 Uhr
Regina Einig
Erntedank: Warum wir nicht nur einmal im Jahr für volle Erntekörbe danken sollten, sondern täglich auch für das, was anders kommt als geplant.
04.10.2026, 08 Uhr
Dorothea Schmidt
Sie besucht einen Monat lang die Bistümer Augsburg, Freiburg und Limburg: Die Reliquienreise der heiligen Bernadette steht fest. Auf der Liste stehen 18 Klöster und Kirchen.
01.10.2026, 18 Uhr
Meldung