Vatikanstadt

Franziskus: Wer abtreibt, der tötet

Auf dem Rückflug von seiner Slowakei-Reise erläutert der Papst, warum die Kirche Abtreibung strikt ablehnt. Auch zur US-Kommuniondebatte nimmt er Stellung.
Papst auf dem Rückweg nach Rom
Foto: Johannes Neudecker (dpa) | Papst Franziskus spricht mit Journalisten an Bord einer Alitalia-Maschine auf dem Rückflug von Bratislava nach Rom.

Papst Franziskus hat die Position der katholischen Kirche zum Thema Abtreibung bekräftigt. Auf dem Rückflug von seiner Reise in die Slowakei nach Rom am Mittwochnachmittag erklärte er vor Journalisten, Abtreibung sei wie Mord: „Wer abtreibt, der tötet, um es klar zu sagen.“ Bereits in der dritten Woche nach der Empfängnis seien alle lebenswichtigen Organe vorhanden, weshalb man schon in diesem frühen Stadium von menschlichem Leben sprechen könne.

Tägliches Morden nicht akzeptieren

Dieses menschliche Leben, so Franziskus, müsse respektiert werden, dieser Grundsatz sei klar. „Dem, der das nicht verstehen kann, würde ich folgende Frage stellen: Ist es richtig, ein menschliches Leben zu töten, um ein Problem zu lösen? Ist es richtig, einen Killer anzuheuern, um ein menschliches Leben zu töten?“ Wissenschaftlich gesehen handele es sich um ein menschliches Leben. „Ist es richtig, es beiseitezuschaffen, um ein Problem zu lösen?“, fragte der Papst. Die Kirche sei beim Thema Abtreibung so hart, da sie ansonsten das tägliche Morden akzeptieren würde.

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Auf Nachfrage eines Journalisten nahm Papst Franziskus auch zu der in den USA stattfindenden Diskussion Stellung, ob Bischöfe katholischen Politikern die Kommunion spenden sollten, die liberale Abtreibungsgesetze unterstützen. Daraufhin betonte Franziskus, die Kommunion sei keine Auszeichnung für die Perfekten, sondern „ein Geschenk, eine Gabe, die Präsenz Jesu in der Kirche und in der Gemeinschaft“. Wer nicht zur Gemeinschaft gehöre, könne nicht nur Kommunion gehen.

Problem nicht theologisch sondern pastoral

Das Problem sei jedoch nicht theologisch, sondern pastoral, es gehe um die Frage, „wie wir Bischöfe dieses Prinzip seelsorgerisch handhaben“. Ein Blick in die Kirchengeschichte zeige: „Jedes Mal, wenn Bischöfe ein Problem nicht pastoral angegangen sind, haben sie sich politisch auf eine Seite geschlagen.“ Wenn die Kirche einen Grundsatz auf eine nicht-pastorale Art und Weise verteidige, ergreife sie auf politischer Ebene Partei.

Die Aufgabe des Hirten sei es, Hirte zu sein, nicht andere zu verurteilen. „Ein Seelsorger sein, denn er ist auch Seelsorger für die Exkommunizierten. Hirten mit dem Stil Gottes, der Nähe, Mitgefühl und Zärtlichkeit bedeutet. So steht es in der ganzen Bibel.“ Zwar sei er mit den Einzelheiten der Vereinigten Staaten nicht vertraut, „aber wenn sie nahe sind, zärtlich, und das Abendmahl geben?“, fragte Franziskus. Der Hirte wisse immer, was er zu tun habe. „Wenn er aus dem seelsorglichen Rahmen der Kirche heraustritt, wird er zum Politiker, und das sehen Sie an allen nicht-pastoralen Verurteilungen der Kirche.“ Wenn man im Fall eines Politikers, der Abtreibung befürwortet, sage, man könne die Kommunion geben oder nicht geben, sei dies Kasuistik. Er selbst habe noch nie jemandem die Eucharistie verweigert und wisse auch nicht, ob jemals jemand unter diesen Bedingungen zum Kommunionempfang zu ihm gekommen sei.  DT/mlu

 

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