Maß nehmen an Jesus Christus

Papst Franziskus widmet sein fünftes großes Lehrschreiben dem Ruf zur Heiligkeit. Von Guido Horst

Urbi et orbi
"Gaudete et exsultate" wird wie bereits „Evangelii Gaudium“ (2013) und „Amoris laetitia“ (2016) im Original als „Exhortation“ (geistige Ermahnung) bezeichnet und ist mit diesen und zwei Enzykliken das insgesamt fünfte große Lehrschreiben von Franziskus. Foto: Paul Haring (KNA)

„Die Heiligkeit ist das schönste Gesicht der Kirche“, heißt es auf den ersten Seiten des Apostolischen Schreibens „Gaudete et Exsultate“ (Freut euch und jubelt) von Papst Franziskus, das der Vatikan soeben am Montagmittag veröffentlicht hat. Das Schreiben wird wie bereits „Evangelii Gaudium“ (2013) und „Amoris laetitia“ (2016) im Original als „Exhortation“ (geistige Ermahnung) bezeichnet und ist mit diesen und zwei Enzykliken das insgesamt fünfte große Lehrschreiben von Franziskus.

„Gaudete et Exsultate“ gliedert sich in fünf Kapitel, wobei das erste unterstreicht, dass Heiligkeit nicht eine Eigenschaft der von der Kirche offiziell Selig- und Heiliggesprochenen ist, sondern das gesamte gläubige Gottesvolk, das heißt jeden einzelnen Getauften auszeichnen soll. Maß der Heiligkeit sei Jesus Christus.

Im zweiten Kapitel „Zwei subtile Feinde der Heiligkeit“ prangert der Papst zwei Verfälschungen der Heiligkeit an, die in der Kirche auch heute noch sehr aktuell seien und auf die alten Irrlehren des Pelagianismus und Gnostizismus zurückgingen. Der Gnostizismus im neuen Gewand sei die Haltung derjenigen, die vortäuschen, mit ihren Erklärungen den ganzen Glauben und das ganz Evangelium wiedergeben zu können, dabei ihre eigenen Theorien verabsolutieren und somit das unergründliche Geheimnis Gottes und dessen Gnade letztlich ablehnen. Der Pelagianismus neuer Art verkürze die Erlösung auf die Anstrengung des eigenen Willens. Doch nicht aus eigener Kraft, sondern durch die unverdiente Gnade des Herrn werde der Mensch erlöst, schreibt Franziskus.

Das dritte Kapitel des Schreibens behandelt Jesus Christus als Meister der Wahrheit und dekliniert das Wesen der Heiligkeit anhand der einzelnen Seligpreisungen der Bergpredigt Jesu. Das vierte Kapitel nennt „einige Merkmale der Heiligkeit in der Welt von heute“ und nennt etwa Durchhaltevermögen, Sanftmut, Geduld und Freude sowie Sinn für Humor. Abschließend legt das fünfte Kapitel den Akzent auf Kampf, Wachsamkeit und Unterscheidung, um den Versuchungen des Teufels zu wiederstehen.

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