Hamburg

Hamburg: Fusionierung zahlreicher Pfarrgemeinden vor dem Scheitern

Zwei der neu geschaffenen Großgemeinden können nicht mit leitenden Pfarrern besetzt werden. Über die Gründe für den Rückzug der Priester herrscht Unklarheit.

Krise im Erzbistum Hamburg
Über die Gründe für den Rückzug der Priester herrscht bislang Unklarheit. Auf Anfrage der „Tagespost“ konnten weder Pressesprecher noch Bischof eine Antwort geben. Foto: Markus Scholz (dpa)

Ein Jahr nach den umstrittenen Schließungsbeschlüssen von acht katholischen Schulen platzte Mitte Februar eine weitere Bombe im Erzbistum Hamburg. Das groß angelegte Reformprojekt der Fusionierung zahlreicher Pfarrgemeinden zu sogenannten „Pastoralen Räumen“ steht, bevor es richtig begonnen hat, vor dem Scheitern.

Zwei weitere Großgemeinden können nicht mit Pfarrern besezt werden

Wie der Hamburger Erzbischof Stefan Heße in einem Brief vom 13. Februar an die „Seelsorgerinnen und Seelsorger“ und die Gremien des Erzbistums eingestehen musste, können zwei der gerade neu geschaffenen Großgemeinden im Hamburger Westen und in Mecklenburg nicht mit leitenden Pfarrern besetzt werden. Zwei Pfarrer waren für diese Gebiete bereits ernannt worden, zogen aber kurz vor Amtsantritt ihre Bereitschaft, die Stellen anzunehmen, zurück. Der Erzbischof will nun versuchen, unter Bezug auf die Ausnahmeregelung des Canon 517 §2, Teams von Laien in die Leitung der offenen Pfarrstellen einzusetzen, wie er in einem Interview mit der Neuen Kirchenzeitung erklärte.

Über die Gründe für den Rückzug der Priester herrscht bislang Unklarheit. Auf Anfrage der „Tagespost“ konnten weder Pressesprecher noch Bischof eine Antwort geben. Befragte Priester, die namentlich nicht genannt werden wollten, erklärten, dass nur die wenigsten ihrer Kollegen sich in der Lage sehen würden, die Aufgabe eines leitenden Pfarrers in den geschaffenen Mammutgemeinden zu übernehmen.

Priester würden sich der ausufernden Bürokratie nicht gewachsen fühlen

Die Priester würden sich der großen Zahl von Mitarbeitern, von Gebäudesanierungen, der Organisation von Veranstaltungen, der ausufernden Bürokratie und Gremienarbeit nicht gewachsen fühlen. Sie fürchteten, dass sie dann keine Zeit und Kraft mehr hätten, ihre eigentliche priesterliche Aufgabe, die Verkündigung und die Spendung der Sakramente, auszuführen.

Warum das zu scheitern drohende Projekt der „Pastoralen Räume“ sinnbildlich für die Krise im Erzbistum Hamburg steht, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 07. März 2019. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

DT