Brandmüller und Burke: Sittenverfall ist Ursache für Missbrauch

Die wahre Ursache für sexuellen Missbrauch sei eine Abkehr von der Wahrheit des Evangeliums. Das schreiben die Kurienkardinäle Walter Brandmüller und Raymond Burke in einem offenen Brief unmittelbar vor Beginn des Missbrauchsgipfels im Vatikan.

Offener Brief zur Kirchenkrise von Brandmüller und Burke
"Homosexuelle Netzwerke" hätten sich hinter einem „Schutzwall von Komplizenschaft und Schweigen“ im Inneren der Kirche ausgebreitet, beklagen die Kurienkardinäle Brandmüller und Burke. Foto: Pacific Press (Pacific Press via ZUMA Wire)

Unmittelbar vor Beginn des Missbrauchsgipfels im Vatikan wenden sich die Kurienkardinäle Walter Brandmüller und Raymond Burke in einem offenen Brief an die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen. Darin erklären sie einen Sittenverfall und die Abkehr von der Wahrheit des Evangeliums als Ursachen der aktuellen Krise der katholischen Kirche.

"Homosexuelle Netzwerke" umfassenderes Übel

In dem Schreiben, das die Kardinäle auf dem Blog des italienischen Vatikan-Journalisten Sandro Magister veröffentlicht haben, bringen sie ihre Sorge zum Ausdruck, „dass man angesichts der sexuellen Skandale versucht, das eigentliche Übel nur im Missbrauch von Kindern zu suchen“. Dieser sei gewiss ein abscheuliches Verbrechen, insbesondere, wenn er von Priestern begangen werde.

Als umfassenderes Übel machen Brandmüller und Burke jedoch „homosexuelle Netzwerke“ aus, die sich hinter einem „Schutzwall von Komplizenschaft und Schweigen“ im Inneren der Kirche ausgebreitet hätten. „Ein Phänomen, das in jener Atmosphäre von Materialismus, Hedonismus und Relativismus wurzelt, in der die Existenz eines absoluten, ohne Ausnahme verpflichtenden Sittengesetzes offen infrage gestellt wird.“

Öffentlich erhobene Widerspruch gegen göttliches Sittengesetz Wurzel der Kirchenkrise

Nicht der „Klerikalismus“ oder der Machtmissbrauch durch Priester sei für den sexuellen Missbrauch verantwortlich, sondern Abkehr von der Wahrheit des Evangeliums. „Der sogar öffentlich erhobene Widerspruch in Wort und Tat gegen das natürliche und göttliche Sittengesetz ist in Wahrheit die Wurzel jenes Übels, das gewisse Kreise der Kirche korrumpiert“, heißt es in dem Brief.

Brandmüller und Burke beklagen zudem das Schweigen von Kardinälen und Bischöfen angesichts dieser Situation. „Werdet auch ihr, liebe Mitbrüder, schweigen, wenn ihr nun im Vatikan am kommenden 21. Februar zusammenkommen werdet?“, fragen sie die Vorsitzenden aller weltweiten Bischofskonferenzen.

Kardinäle fordern dazu auf, Lehre der Kirche "in Wort und Tat" zu bezeugen

Die beiden Kardinäle schließen ihren Brief mit der Aufforderungen an die am Missbrauchsgipfel teilnehmenden Bischöfe und Kardinäle, die Stimme zu erheben, „um die unverkürzte Lehre der Kirche in Wort und Tat zu bewahren und zu bezeugen“. Ein mutiger Akt, der Klarheit schaffe, sei nun dringend notwendig. 

DT/mlu

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