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Warum man den Namenstag feiert

Heilige haben durchaus ihre Kanten und Ecken. Dennoch ist es schön, dass Katholiken eine so enge Verbindung zu den Christen pflegen, die ihnen in den Himmel vorausgegangen sind. Dazu gehört auch der Namenstag.
Rudolph, the Red-Nosed Reindeer
Foto: How Hwee Young (epa) | Ein Rentier mit roter Nase ist kein Namenspatron. Aber wer ist der Heilige Rudolf, fragt unser Kolumnist nicht nur sich, sondern auch einen Bischof.

Wenn Sie in den 1990-er Jahren geboren wurden und Ihre Eltern auf die Idee kamen, Ihnen den Namen „Rudolf“ zu verpassen, haben Sie gleich mehrere Probleme. Zum einen werden Sie in der Schulzeit ständig mit der beharrlichen Frage konfrontiert, wo Sie Ihre rote Nase versteckt haben und was Sie so außerhalb der Weihnachtszeit tun, wenn Sie mal nicht den Schlitten des Weihnachtsmannes ziehen müssen. Das Lied „Rudolph the rednosed reindeer“ werden Sie das ganze Jahr über hören, mal besser, mal schlechter intoniert.

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Wer ist Rudolf?

Und dann gibt es noch ein weiteres Problem: Wann feiert ein Rudolf seinen Namenstag? Es gab mal einen „seligen Rudolf von Bern“, der mittlerweile aber aus dem Heiligenkalender verschwunden ist. Am 17. April 1294 soll er als vierjähriger Junge von Juden im Zuge einer „Eucharistieschändung“ ermordet worden sein. Eine dubiose Geschichte, die offenbar auch als Vorwand diente, um einen weiteren Judenpogrom in der Stadt vom Zaun zu brechen. Aber kein Namenspatron, an den man sich klammern und dessen Vorbild man nachahmen kann.

Warum sind Namenspatrone überhaupt wichtig? Ich mag es, dass wir Katholiken so eine enge Verbindung zu jenen Christen pflegen, die uns vorausgegangen sind und von denen wir überzeugt sind, dass sie das Ziel erreicht haben. Heilige sind Vorbilder. Und das, obwohl auch sie Sünder waren, von der Mutter Gottes mal abgesehen. Aber Heilige zeigen uns, dass es möglich ist, trotz meiner Schwächen ein gottgefälliges Leben zu führen! Es ist möglich, das Ruder jederzeit noch rumzureißen, wenn mein Leben in die falsche Richtung geht. Und ja, es ist möglich, in den Himmel zu kommen.

Humor der Kirche

Es gibt viele Heilige, dass für jeden etwas dabei sein sollte. Witzig finde ich auch den Umstand, dass sich manche Heilige in ihrem Charakter, ihrer Lebensart und ihrer Berufung ganz stark voneinander unterschieden haben, und am Ende doch zum selben Ziel gelangten. So ist beispielsweise die Geschichte überliefert, dass sich der Gründer des Jesuitenordens, der heilige Ignatius von Loyola, und der heilige Philipp Neri nicht ganz grün waren. Einmal wurde Philipp Neri gefragt, wie er Entscheidungen treffe. „Ich frage mich, was Ignatius nun tun würde“, soll der kecke Florentiner geantwortet haben, „und dann tue ich das Gegenteil.“ Die heilige Mutter Kirche bewies Humor und sprach beide Männer heilig – und zwar am selben Tag.

Ich weiß auch, dass es eigentlich egal ist, welchen Heiligen ich mir zum Vorbild nehme. Ich bin ein Original und soll nicht als Kopie sterben.

Radolf statt Rudolf

Meine Eltern haben mich übrigens nach meinem Onkel benannt, der schon als Kind verstarb. Vor vielen Jahren bin ich dann einem anderen Namensvetter begegnet, dem Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer. Ich war gemeinsam mit einer Gruppe von Jugendlichen bei ihm und wir durften ihm Fragen stellen. Ich hatte nur eine einzige: „Wann feiern Sie eigentlich Ihren Namenstag?“
Bischof Rudolf erzählte dann, es habe in der alten Fassung des Heiligenkatalogs mal einen „heiligen Radolf“ gegeben, der sogar Bischof war und dessen Gedenktag sei im Sommer.

Ich war nicht ganz zufrieden mit dieser Antwort. „Können Sie nicht einfach der nächste heilige Rudolf werden“, fragte ich den Bischof etwas frech. Der musterte mich von oben bis unten und sagte dann trocken: „Als Christen sind wir alle zur Heiligkeit berufen. Auch Sie!“ Das war natürlich die langweiligste, aber auch die richtigste Antwort, die der Bischof hätte geben können. In der Zwischenzeit habe ich mir dann trotzdem einen Namenspatron ausgesucht, den ich mir zum Vorbild nehme. Aber dazu mehr in der nächsten Kolumne.

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