Der Evangelisierungsauftrag wird in Kirchenkreisen mitunter missverstanden. Alles, was man tue, sei bereits Evangelisierung, war während der deutschen Synodalversammlungen immer wieder zu hören. Doch nicht jede missmutige Forderung nach Strukturreformen genügt dem Anspruch des Evangeliums.
Der selige Erzbischof Fulton Sheen legt die Latte der Verkündigung auf die biblisch angemessene Höhe. Für die Verkündigung des traditionellen Glaubens ist das Beste, was die Welt technisch zu bieten hat, gut genug. Fulton Sheens geistlicher Sohn Bischof Robert Barron zeigt, dass die Krise der Kirche kein Grund zum Rückzug aus der Öffentlichkeit ist: Die Botschaft des Evangeliums ist auch heute verkündbar, ohne auf anschlussfähige Thesen zurückgestutzt zu werden.
Telegene Erscheinung und rhetorische Begabung
In der Öffentlichkeit reden Christen heute immer seltener mit. Aus Furcht, als Kontrastmittel in Talkshows und politischen Parteien auf der falschen Seite verortet zu werden, zieht man sich in die eigene Blase zurück – auf Kosten der Verkündigung. Auch Fulton Sheen war zu Lebzeiten nicht unumstritten. Doch heute wird die Kirche von einem Papst geleitet, der mit seinen Sendungen aufgewachsen ist.
Mit seiner telegenen Erscheinung und rhetorischen Begabung war der US-Medienpionier zweifellos eine Ausnahmeerscheinung. Nicht jeder hat die Gabe, die Massen zu faszinieren und zugleich Rekordspenden zu sammeln. Dennoch taugt der selige Fulton Sheen auch als Vorbild für breite Kirchenkreise. Denn das Grundprinzip seines Medienapostolats, dass Christen das Evangelium öffentlich verkünden sollen, lässt sich nicht nur vor einem Millionenpublikum umsetzen.
Es wäre schon etwas gewonnen, wenn Lokalpolitiker in Hintertupfingen merken, dass die Ortskirche sie auf dem Schirm hat. In Zeiten, in denen viele Kirchenferne noch nie einen Hausbesuch oder Anruf des Ortspfarrers oder einen überzeugten Christen in ihrer Umgebung erlebt haben, ist Fulton Sheen der Heilige der Stunde.
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