Würzburg

Corona-Exerzitien: Standhaftigkeit, die überzeugt

Der Grad unserer Überzeugungskraft ist ein zuverlässigerer Maßstab unserer Liebe zur Eucharistie als das Ausmaß unserer Unzufriedenheit über die erzwungene eucharistische Abstinenz.

Mission in Corona-Zeiten
Die Stimme unseres Hirten ist immer eine Stimme der Gnade, meint Pater Recktenwald. Foto: Uwe Zucchi (dpa)

In einem seiner interessanten Videos zur Coronakrise weist der Passauer Bischof Stefan Oster darauf hin, dass wir aus der Statistik der Gottesdienstbesucher schließen können, dass einem großen Teil der Katholiken die Eucharistie nicht sehr wichtig ist. Es sind etwa 90 Prozent. Und auch den restlichen zehn Prozent gelinge es offensichtlich nicht, jene von der Wichtigkeit der Eucharistie zu überzeugen.

Über unsere Mission nachdenken

Natürlich geht es jetzt nicht darum, den treuen Kirchgängern die Schuld am niedrigen Gottesdienstbesuch zu geben. Aber es sollte uns trotzdem ein Anlass sein, über unsere Mission in dieser Hinsicht nachzudenken. Wie würde es wohl in der Kirche aussehen, wenn jene, die jetzt (zurecht) von den Bischöfen den Zugang zur heiligen Eucharistie erbitten, mit derselben Leidenschaft die Abständigen vom Wert zu Eucharistie zu überzeugen versuchten? Allerdings bedürfte es dazu einer Überzeugungskraft, die wir uns nicht selber geben können. Klagen und fordern ist leicht, überzeugen ist schwer.

Wie wirken wir überzeugend? Dazu befähigt uns der Herr. Er will in uns leben und durch uns wirken. Und gerade das ist ja auch das Ziel des Kommunionempfangs. Der Grad unserer Überzeugungskraft ist ein zuverlässigerer Maßstab unserer Liebe zur Eucharistie als das Ausmaß unserer Unzufriedenheit über die erzwungene eucharistische Abstinenz.

Aber der Herr kann in uns nur wirksam werden, wenn wir für seine Stimme hellhörig sind. „Meine Schafe hören meine Stimme“, sagt der Gute Hirte in Joh 10, 27. Wann haben Sie zuletzt seine Stimme gehört?

Die Stimme der Natur und die Stimme der Gnade

Um sie zu hören, brauchen wir nicht lange zu warten. In jeder Situation unseres Lebens gibt es zwei Stimmen, die zu uns sprechen: die Stimme der Natur und die Stimme der Gnade. In der „Nachfolge Christi“ heißt es: „Die Natur klagt schnell über Mangel und Beschwerde. Die Gnade weiß die Not standhaft zu ertragen. Die Natur bezieht alles auf sich, streitet und klagt für sich. Die Gnade hingegen führt alles auf Gott zurück, von welchem es ursprünglich ausgeht.“

Das ist für uns ein sicherer Kompass, um zu erkennen, welcher Stimme wir folgen. Die Stimme unseres Hirten ist immer eine Stimme der Gnade. Kardinal Bona ergänzt in seiner berühmten Abhandlung über die Unterscheidung der Geister diesen Kompass mit der treffenden Bemerkung, dass jene, die vom göttlichen Geist getrieben sind, sich in Prüfungen innerer Ruhe erfreuen.

Solche Standhaftigkeit wirkt überzeugend. Die heilige Edith Stein hat es uns vorgemacht. Als sie ins KZ abtransportiert wurde, hatte sie wahrlich Grund, der Stimme der Natur zu folgen und in Klagen auszubrechen. Ein holländischer Beamter, der sie im Durchgangslager Westerbork traf, bezeugt von ihr das Gegenteil. Er staunte über „ihr Lächeln, ihre ungebrochene Festigkeit”. Er war davon so beeindruckt, dass er sagte: „Ein Gespräch mit ihr, das war eine Reise in eine andere Welt. In solchen Minuten bestand Westerbork nicht mehr.“ Mehr Menschen vom Schlage einer Edith Stein - das ist es, was die Kirche heute braucht.

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