Wien/Vatikanstadt

Druck auf Christen in Europa wächst

„Verfolgung mit Samthandschuhen“: Experte bezeichnet drastische Papst-Worte als zutreffend.

Christenverfolgung: „Verfolgung mit Samthandschuhen“

Das „Observatory on Intolerance and Discrimination against Christians“ (OIDAC) stimmt den Aussagen von Papst Franziskus zum wachsenden Druck auf Christen in Europa zu. Martin Kugler, Vorsitzender des OIDAC, sagte am Freitag gegenüber der „Tagespost“: Die drastischen Worte des Papstes seien zutreffend. Die seit über einem Jahrzehnt geleistete Recherchearbeit des OIDAC bestätige dies. 

Papst Franziskus hatte bei seiner Generalaudienz am Mittwoch die Christenverfolgung weltweit beklagt und das Zeugnis der bedrängten und leidenden Christen gewürdigt. Christenverfolgung sei auch in der Gegenwart eine Realität, so Franziskus. „Heute werden in der Welt, in Europa, viele Christen verfolgt, und sie geben ihr Leben für den eigenen Glauben. Oder sie werden mit ,weißen Handschuhen‘ verfolgt, sie werden links liegen gelassen und an den Rand gedrängt…“

Druck und Ausgrenzung gläubiger Menschen in Europa

Martin Kugler sagte dazu gegenüber der „Tagespost“: „Papst Franziskus hat bei der Generalaudienz eine Verbindung hergestellt, die vielen Zeitgenossen nicht bewusst ist:

Er hat das Zeugnis der weltweit bedrängten und leidenden Christen gewürdigt und die dramatische Christenverfolgung weltweit beklagt, aber zugleich sehr deutlich von Druck und Ausgrenzung gesprochen, die gläubige Menschen in Europa erfahren.“ 

Schon vor Jahren habe der Papst dieses wachsende Phänomen eine „höfliche Christenverfolgung, quasi mit Samthandschuhen“ genannt, so Kugler weiter. Gemeint seien rechtliche Einschränkungen und extreme Formen von Intoleranz, die in vielen Ländern Europas zunächst eher subtil und ohne öffentliche Diskussionen passieren. Dabei gehe es um die Gewissensfreiheit von Christen oder um Regierungen, die angeprangert würden wenn sie den Schutz christlicher Werte, wie zum Beispiel von Ehe und Familie, bewahren wollen.

„Über 2.500 dokumentierte Fälle belegen das ganze Spektrum von Feindseligkeiten.“

Martin Kugler, Vorsitzender des OIDAC

Kugler erinnerte an eine Predigt von Franziskus aus dem Jahr 2016. Damals habe der Papst von einer „wohlerzogene“ Verfolgung gesprochen, „die sich als Kultur, Modernität, Fortschritt ausgibt, aber dem Menschen schließlich die Freiheit nimmt und auch die Möglichkeit zur Verweigerung aus Gewissensgründen.“

Laut Kugler bestätigen die Recherchen des in Wien ansässigen OIDAC die Aussagen des Papstes.  „Über 2.500 dokumentierte Fälle belegen das ganze Spektrum von Feindseligkeiten, die zumindest jene Christen erfahren, die ihren Glauben im Alltag ernstnehmen: Von Problemen mit der Religions-, Rede- und Gewissensfreiheit oder Elternrechten – wir verwenden dafür das Wort „squeeze“ – bis hin zu zunehmender physischer Gewalt, zum Beispiel  Vandalismus in Kirchen – dafür verwenden wir das Wort „smash“.

Scharfe Kritik an Außenminister Maas

Alleine für das Jahr 2018 seien mehr als 325 Vorfälle in 14 europäischen Staaten dokumentiert, die das OIDAC als Christen gegenüber intolerant oder diskriminierend einstuft.

Europa habe sich immer gerne als „Wiege und Hort der Menschenrechte“ gesehen, betonte Kugler. „Seine politische Elite gebraucht dieses Vokabular oft und gerne. Dabei dürfte es immer schwieriger werden, dieser Verantwortung auch international gerecht zu werden, wenn man einerseits - wie der deutsche Außenminister - das Wort ,Christenverfolgung' überhaupt meidet und es andererseits mit der Religionsfreiheit zuhause nicht ernst meint.“

DT/mre

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