Vaterunser-Debatte: Kardinal Kasper verteidigt Franziskus

Der Kurienkardinal äußert sich in einem Leserbrief an die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Der Übersetzungsvorschlag des Papstes sei noch lange kein Attentat auf die wissenschaftliche Exegese.

Walter Kasper
Der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper stärkt Papst Franziskus den Rücken. Foto: Paul Haring (KNA)

Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper hat Papst Franziskus in der Vaterunser-Debatte gegen Kritik in Schutz genommen. Dass der Papst die berühmte Bitte „Führe uns nicht in Versuchung“ gerne anders übersetzen würde, sei „noch lange kein Attentat weder auf die Ökumene noch auf die wissenschaftliche Exegese“, betonte der 84-jährige Kasper. Der emeritierte Kurienkardinal äußerte sich in einem am Donnerstag veröffentlichten Leserbrief an die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ).

Kasper erinnerte daran, dass bereits im Katechismus der Katholischen Kirche von 1992 die alternative Übersetzung „Lass uns nicht in Versuchung geraten“ ins Spiel gebracht wurde. Dieser Text sei damals von dem „wissenschaftlich ja wohl nicht ganz unbedarften Kardinal Joseph Ratzinger“ erarbeitet und von Papst Johannes Paul II. veröffentlicht worden. Darauf beziehe sich auch Papst Franziskus mit seinem neuen Übersetzungsvorschlag. Es stelle sich die Frage, wer einfältig sei: „Der Papst oder diejenigen, die den Papst für so einfältig halten.

Mit seinem Leserbrief reagierte der Kardinal auf einen Kommentar des FAZ-Feuilleton-Herausgebers Jürgen Kaube mit dem Titel „Heilige Einfalt“. Darin hatte Kaube geschrieben, der neue Übersetzungsvorschlag des Papstes lasse Zweifel an dessen Weisheit aufkommen.

DT/KNA