„Glückliche Priester sind die beste Werbung“

Das 12. Symposium des Kardinal Walter Kasper Institutes in Vallendar befasst sich mit der Berufung und Spiritualität des Priesters. Von Annalia Machuy

Priester
Versprechen bei ihrer Weihe unter anderem den Gehorsam - die Priester der katholischen Kirche. Foto: dpa

Vor 200 Jahren wurde der heilige Vincenz Pallotti zum Priester geweiht. Für das Walter Kardinal Kasper Institut ein Anlass, das diesjährige Symposium unter das Leitwort „Priester sein heute: Leben – Berufung – Sendung“ zu stellen. Hochrangige Referenten und zahlreiche Teilnehmer kamen vom 21.-23. März in der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar zusammen, um das Priestertum in seinen verschiedenen Dimensionen neu zu betrachten.

Dies waren auch Wunsch und Intention des Institutsdirektors, Pater George Augustin, der selbst auf 24 Jahre der Priesterseelsorgetätigkeit zurückblicken kann. In seinen einführenden Worten lenkte er die Aufmerksamkeit auf verschiedene wesentliche Aspekte priesterlichen Lebens. „O Priester, wer bist du? Du bist nicht von dir, sondern von Gott. Du bist nicht aus dir, weil du aus nichts bist. Du bist nicht deinetwegen da, sondern für die Menschen in ihrer Beziehung zu Gott“, zitierte er den heiligen Vincenz. Die Rückbesinnung auf den spirituellen Wert dieser Berufung sei wichtig, um kraft des Weihesakramentes und durch die Gnade Gottes ein Diener der Freude werden zu können. Die alltägliche Gestaltung des priesterlichen Lebens soll sich dabei an Jesus, dem Hohenpriester, ausrichten. Priester müssen im Miteinander von Spiritualität und Dienst eine eucharistische Existenz führen, nach inniger Einheit und sakramentaler Gleichgestaltung mit Christus streben und sich dieser „göttlichen Qualität“ ihrer Sendung bewusst sein. Immer wieder betont Augustin, dass Freude und Begeisterung, das Wissen um die Sinnhaftigkeit und die Schönheit der eigenen Berufung prägend sein müssen für das priesterliche Leben, wenn dieses Erfolg haben soll. Der Priestermangel, ist Augustin überzeugt, ist kein unabwendbares Schicksal der Kirche, die doch ohne die Priester in ihrer Sakramentalität nicht denkbar wäre. Neben dem Gebet um und für die Priester ist es auch die Ausstrahlung der Diener Gottes, die die Berufungspastoral maßgeblich beeinflusst. „Glückliche Priester“, so der Pallottiner, „sind die beste Werbung“.

Einen Zugang zum Geheimnis der priesterlichen Berufung eröffnete auch der Abt des Zisterzienserstiftes Heiligenkreuz, Maximilian Heim. Etwa hundert Mönche leben in seinem Kloster, der Altersdurchschnitt ist mit unter fünfzig Jahren niedriger als in der westlichen Gesamtgesellschaft und immer wieder bitten junge Männer um Aufnahme. Zunächst stellte Heim einige „Blockaden“ für geistliche Berufungen dar. Dazu zählen der Trend hin zum priesterlosen Gottesdienst als Alternative zur sonntäglichen Eucharistie, der Mangel an Gläubigen, die Verabsolutierung von Selbstbestimmung und Freiheitsstreben ebenso wie der Missbrauchsskandal und Zölibatsbrüche. Auch ein zunehmendes Unverständnis für die christliche Ehe, eine Haltung, die dem Priestertum jegliche Zukunft in der Kirche abspricht und schließlich eine einseitige Frömmigkeit, die nur das Gebet pflegt und die natürlichen Zugänge zu einer Priesterberufung nicht beachtet, tragen zum gegenwärtigen Mangel an Priesteramtskandidaten bei. Eine Priesterberufung kann nicht vollständig ergründet werden, als Ruf Gottes bleibt sie immer auch Geheimnis. Heim konnte jedoch herausarbeiten, wie neben dem Gebet auch an den menschlich erreichbaren Zugängen in der Berufungspastoral angesetzt werden kann. Orte der Gottesbegegnung, seien es Klöster, Gemeinden oder Familien sind ebenso wichtig wie die persönliche, geistliche Begleitung und die Erfahrung einer lebendigen Gemeinschaft. Im Stift Heiligenkreuz kommen attraktive Elemente wie Gastfreundschaft, der gregorianische Choral, ein breites Spektrum an Angeboten für die Gläubigen, die Kooperation mit der angegliederten Hochschule und eine starke liturgische Prägung hinzu. Konkrete Ansatzpunkte sind auch eine stärkere virtuelle Präsenz und aktive Medienarbeit, „Kloster auf Zeit“-Angebote sowie die Begleitung verschiedener Veranstaltungen durch die Priester.

Wie ein Mann, der in sich eine Berufung zum Priestertum verspürt hat, auf seinem weiteren Weg gefördert werden kann, thematisierte Erzbischof Jorge C. Patròn Wong, Sekretär für die Priesterseminare in der Kongregation für den Klerus. Auch er sprach von der Wichtigkeit persönlicher Begleitung, der Notwendigkeit einer guten Gemeinschaft und der Freude am priesterlichen Dienst. Die Ausbildung zum Priestertum basiert dabei auf dem allgemeinen Wachstum im christlichen Glauben und einer gesunden Lebensweise als Mensch. Wong plädierte dafür, sich für die Priesterausbildung ausreichend Zeit zu nehmen, etwa durch ein vorbereitendes Propädeutikum, wie es die neue Ratio Fundamentalis, das kirchliche Dokument über die priesterliche Ausbildung, vorsieht.

Einen Zugang zum Priestertum von der Eucharistie her wählte Kardinal Kurt Koch. Der priesterliche Dienst darf zwar nicht einseitig als rein liturgisch verstanden werden, dennoch kommt der Eucharistie als Mitte der Gemeinschaft der Gläubigen eine besondere Bedeutung im Verständnis des priesterlichen Dienstes zu. Im Opfergedanken, so Koch, wird dies besonders sichtbar. Der Ursprung des christlichen Opfers liegt in der liebenden Hinhabe Christi am Kreuz, die sich in jeder heiligen Messe erneuert. Diese Liebe sollte auch den Priester formen und heiligen. „Ein Priester muss immer wieder in die Schule der Eucharistie gehen“, so der Kardinal.

Über das „Füreinander und Miteinander im Presbyterium“ sprach Bischof Stephan Ackermann aus Trier. Aus seiner Erfahrung konnte er Herausforderungen und Chancen der Diözesanpriester benennen und auch die Beziehung von Bischof und Priestern analysieren. Ein Priester ist kein Einzelkämpfer, auch wenn, so Ackermann, diese Eigenschaft durchaus notwendig ist. Dennoch sollte das gemeinschaftliche Leben unter den Priestern stärker gefördert werden.

Im Festhochamt, das anlässlich seines 85. Geburtstages gefeiert wurde, kam schließlich Kardinal Walter Kasper selbst zu Wort. Er betonte die Wichtigkeit des Gebets um Priesterberufungen, wenn diese Quelle für die Kirche nicht versiegen soll und ermunterte zu einem „jesuanischen Lebensstil“. Ein „Ruck“ müsse durch die deutsche Kirche gehen, eine Bewegung der Umkehr und Buße, die in die hoffnungsfrohen Suche nach neuen Wegen in die Zukunft mündet.

Heute Priester sein – die vielfältigen Beiträge, die erlebbare Gemeinschaft und die feierlichen Gebets- und Gottesdienstzeiten des Symposiums zeigten deutlich, dass das Priestertum kein Relikt aus längst vergangenen Zeiten ist, sondern eine große, schöne, eine göttliche und eine auch heute noch lebenswerte Berufung.