Das Evangelium entfesseln

Tag 2: Zur Glaubenserneuerung der Kirche auf der Mehr-Konferenz 2018. Von Benedikt Winkler

MEHR2018
Über elftausend Menschen loben Gott mit charismatischen Lobpreisliedern auf der MEHR2018. Foto: Benedikt Winkler.

Mit ruhigem Lobpreis von Jonas Bühler und Veronika Lohmer begann der Freitag auf der MEHR-Konferenz in Augsburg, bevor Johannes Hartl vom „entfesselten Evangelium“ sprach und seine Gedanken vom Vortag vertiefte. „Die Wahrheit ist immer zwischen zwei Irrtümern“, erklärte Hartl. Das „Fake-Evangelium“ führe entweder zu Relativismus oder zu Moralismus. Doch die Wahrheit des richtigen Evangeliums sei immer das Kreuz, so der Gebetshaus-Leiter. Der Gekreuzigte teilt uns zwei Dinge mit: „So verloren wärst du ohne mich und so geliebt wirst du“. Der Impuls bekam Tiefe, als Hartl von einer inneren Mauer des Stolzes und der Selbsterlösung sprach, die oft mit Selbstverdammnis einherginge; eine Wand aus Steinen, die durchbrochen werden könne - und zwar von oben. „Denn das Evangelium kam vom Himmel her.“ Die von den Worten gebannte Menge jubelte begeistert.

Einen weiteren Höhepunkt des Tages bildete zweifellos der Vortrag des kanadischen Priesters Father James Mallon, der von seiner Gemeinde St. Benedict in Halifax berichtete, die einen Weg der Rundum-Erneuerung gegangen war, weg von einer bewahrenden hin zu einer missionarischen Gemeinde. Diese Vision, diese Transformation sei auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz möglich, denn ein und derselbe Gott sei überall am Werk - mit ganz normalen Menschen. Doch zuerst müsse sterben, was sterben muss, denn die Kirche sei häufig wie ein „kaputter Fotokopierer mit Papierstau“, so Mallon. Eine lebendige Gemeinde bedürfe des ständigen reibungslosen Kreislaufs aus Evangelisation, Jüngerschaft, Lernbereitschaft, Dienst und apostolischer Nachfolge. Desweiteren lobte Mallon die  beliebten Alpha-Kurse, die Glaubenswissen vermittelten und er gab abschließend Tipps für das „Big Picture“ in Gemeinderatssitzungen.

In der Nachbarhalle sprach zeitgleich Leo Bigger von der Schweizer Gemeindebewegung ICF nicht weniger begeisternd und ansteckend über den Umgang mit Krisen. Seine Vision war dabei eine „Kirche für heute“ - seine Sprache voller Enthusiasmus für Jesus und mit hoher Praxisrelevanz.

Dass Mission nichts an Bedeutung verloren hat, zeigte weiterhin die Vorstellung des Missions-Manifestes, das von christlichen Autoren verfasst wurde, die sich Gedanken gemacht haben, wie es trotz der nicht zu leugnenden Krisenerscheinungen mit der Zukunft der Kirche weitergehen könne.

Am Abend sorgten Christiane Hammer, Veronika Lohmer und Elke Mölle für ruhige Lobpreis-Atmosphäre und „Late Night Worship“.