Asia Bibi: Noch kein Asyl in Deutschland beantragt

Die verfolgte pakistanische Christin könne das Land nicht verlassen, solange der Oberste Gerichtshof Pakistans nicht entschieden habe, ob das gegen sie erlassene Todesurteil revidiert werde, meint der Regierungsbeauftragte für die weltweite Religionsfreiheit.

Asia Bibi noch immer in Pakistan
„Es gilt, behutsam zu sein, um Fanatikern keinen Grund zu liefern, erneut zu Demonstrationen aufzurufen und Druck auf die Regierung auszuüben", so Grübel. Foto: Shahzaib Akber (EPA)

Die verfolgte pakistanische Christin Asia Bibi hat nach Angaben des Regierungsbeauftragten für weltweite Religionsfreiheit, Markus Grübel, noch kein Asyl in Deutschland beantragt. Bibi könne Pakistan nicht verlassen, solange der Oberste Gerichtshof des Landes noch nicht entschieden habe, ob das gegen sie erlassene Todesurteil revidiert werde, so der CDU-Bundestagsabgeordnete im Interview mit der Zeitung „Die Welt“. „Wenn eine Ausreiseerlaubnis vorliegt, steht es Bibi frei, ein Aufnahmeersuchen in Deutschland zu stellen.“

Bundesregierung in regelmäßigem Kontakt mit Pakistan

Aufgrund des Vorwurfs der Blasphemie war die Katholikin Asia Bibi neun Jahre lang in Pakistan inhaftiert gewesen. Anfang November sprach der Oberste Gerichtshof Pakistans die Mutter von fünf Kindern zunächst frei. Daraufhin war es in zahlreichen Städten Pakistans zu heftigen Protesten radikaler Islamisten gekommen. Die pakistanische Regierung beugte sich dem Druck und einigte sich mit der islamistischen Partei Tehreek-e-Labbaik Pakistan (TLP) darauf, einen Berufungsprozess gegen Bibi zuzulassen. Kurz darauf wurde die 47-Jährige dann aber doch aus der Haft entlassen.

Grübel erklärte darüber hinaus, dass die Bundesregierung in regelmäßigem Kontakt mit der pakistanischen Regierung stehe und auf die Einhaltung rechtsstaatlicher und menschenrechtlicher Prinzipien dringe. Gleichzeitig müsse man jede Eskalation vermeiden, da das Gerichtsverfahren noch nicht abgeschlossen sei, so der 59-Jährige. „Es gilt, behutsam zu sein, um Fanatikern keinen Grund zu liefern, erneut zu Demonstrationen aufzurufen und Druck auf die Regierung auszuüben.“

Bibi momentan in der Nähe Islamabads untergebracht

Wie Bibis Anwalt Saif-ul-Malook jüngst erklärte, soll sich die verfolgte Katholikin momentan mit ihrem Mann in der Nähe der pakistanischen Hauptstadt Islamabad aufhalten.  Sie werde von Sicherheitskräften bewacht.

Asia Bibi ist die erste katholische Frau, die in Pakistan wegen Gotteslästerung angeklagt und zum Tode verurteilt wurde. Ihr wurde vorgeworfen, den Propheten Mohammed beleidigt zu haben. Nach der Verurteilung im Jahr 2010 wurde das Todesurteil 2014 bestätigt, im Jahr darauf jedoch vorläufig ausgesetzt.

Blasphemie gilt in Pakistan als Kapitalverbrechen

Im islamisch geprägten Pakistan gilt Blasphemie als Verbrechen, das mit der Todesstrafe geahndet wird. Die Auslegung des Begriffs fällt in der Praxis jedoch oft sehr weit aus. So gelten bereits abfällige Äußerungen zum Islam oder dem Koran und dem Propheten Mohammed als blasphemisch. Kritiker erheben immer wieder den Vorwurf, die Blasphemiegesetze würden ausgenutzt, um persönlichen Feinden zu schaden.

DT/mlu

Die Hintergründe zu diesem Thema finden Sie in der Wochenausgabe der Tagespost. Kostenlos erhalten Sie die Zeitung hier.