Santa Maria dell' Anima: Das Licht in allen katholischen Farben

„Santa Maria dell' Anima“ – Ein neuer Bildband über eine römische Kirche der besonderen Art. Von Hendrik ter Mits

Santa Maria dell' Anima
Von unvergesslicher Schönheit ist der Altarraum der Santa Maria dell' Anima. Foto: IN
Santa Maria dell' Anima
Von unvergesslicher Schönheit ist der Altarraum der Santa Maria dell' Anima. Foto: IN

Für viele Katholiken hat Rom seit einiger Zeit deutlich an Glanz eingebüßt: die Stadt wird schmutziger, Vatikan und Kurie wirken immer stärker umweht von den Winden des Zeitgeistes. Schönheit, Lebenslust und Tradition, die so lange das Zentrum des Katholizismus prägten, scheinen an den Rand gedrängt worden zu sein. Umso dankbarer kann man für den Bildband „Santa dell' Anima. Alte Schönheit in neuem Licht“ sein, den der Rektor der Anima, Franz Xaver Brandmayr, aktuell herausgegeben hat.

Es handelt sich bei diesem Bildband um einen großen, bunten und informativen Wurf, der wohl angemessen ist, angesichts der kolossalen Renovierungsaktion, welche Brandmayr im Jahr seiner Amtsübernahme 2008 gestartet hat.

Von der Sakristei bis in alle Ecken und Enden der Kirche samt ihrer vielen Kapellen – der Österreicher sorgte dafür, dass in dieser europäischen Enklave das Licht in allen katholischen Farben wieder zum Leuchten kommt. Ohne einen allzu engen nationalen Schimmer zu erhalten: von dem Grab des in Utrecht geborenen Papstes Hadrian VI. bis zu einer modernen Fenster-Darstellung von Benedikt XVI., von der Johannes-Nepomuk-Kapelle bis zur Maastricht-Kapelle – der Fotoband dokumentiert die Weite des europäischen katholischen Geistes, die stets zur Anima gehört hat. Was nicht nur der Multinationalität, sondern auch ihrer Multifunktionalität als Pilger-Kirche und als Priester-Kolleg geschuldet sein dürfte.

Multinationalität spiegelt sich auch wider bei der seit Mitte des 14. Jahrhunderts existierenden Anima-Bruderschaft, an die der Publizist Martin Lohmann, der selbst Mitglied der Bruderschaft ist, in seinem Beitrag im Band erinnert. Zu Recht: Immerhin waren unter anderem Karl V., Kaiser Friedrich III., Pius X. und Johannes Paul II. Anima-Mitglieder. Nicht zu vergessen Benedikt XVI., der in einem formvollendeten Geleitwort seiner Anima-Zeit während des Konzils nachsinnt. Sicherlich ist dieser Text ein ganz besonderes Schmankerl neben den anderen hochwertigen Beschreibungen und historischen Erläuterungen des Bildbandes, der aber vor allem durch die ausgezeichneten Fotoaufnahmen Stephan Köllikers seinen besonderen Reiz erhält und dem Betrachter einen genussvollen Zugang verschafft. „Ob es am Namen der Kirche liegt, dass – wenn man aufmerksam ist und empfänglich – hier die Seelen sich so wohl fühlen?“ Eine gute Frage.

Ein empfehlenswerter Band für Katholiken mit Geschichtsbewusstsein und Sinn für Ästhetik. Für Rom-Pilger, die reisen oder die Ewige Stadt zurzeit lieber aus der Ferne betrachten möchten.

Franz Xaver Brandmayr (Hrsg.): Der Band „Santa dell' Anima. Alte Schönheit in neuem Licht“. Mit einem Geleitwort von Papst Benedikt XVI. Artaphot.ch Verlag, 229 Seiten, EUR 37,–

Zu bestellen über die Website des Päpstlichen Instituts Santa Maria dell' Anima: www.pisma.it