Ist Integration möglich?

Ein Blick auf die Macht der Moscheen. Von Katrin Krips-Schmidt
Türken demonstrieren in Frankfurt/Main
Foto: dpa | Viele Muslime fühlen sich ihrer Ursprungskultur mehr verbunden als mit dem Land, in das sie ausgewandert sind. Besonders deutlich war das bisher bei Türken ausgeprägt, wie hier bei einer Demonstration in Frankfurt.

Wenn derzeit an deutschen Schulen die Anzahl der Schüler mit muslimischen Wurzeln beständig steigt und mancherorts bereits bei über 90 Prozent liegt, so braucht es keine besonders lebhafte Fantasie, um sich klarzumachen, in welchem Zeitraum die Bevölkerung in Deutschland mehrheitlich dem Islam angehören wird. Noch ist das Bewusstsein für das drohende Szenario in Politik und Medien, geschweige denn bei der autochthonen Bevölkerung, nicht wirklich vorhanden. Doch eines ist sicher: Gelingt es nicht, die jährlich zu Abertausenden in Deutschland eintreffenden Muslime zu „integrieren“, sie zu Staatsbürgern zu machen, die Gesetze und Gebräuche ihres Aufnahmelandes respektieren, werden die damit einhergehenden Probleme kaum noch beherrschbar sein.

Weiterhin ein Trend zu Parallelgesellschaften

Ist die Religion, der Islam etwa die Wurzel allen Übels? Liegt es wirklich an der Zugehörigkeit zum muslimischen Glauben, dass es heute so scheint – drei Jahre, nachdem Angela Merkel die Grenzen für Hunderttausende von Flüchtlingen mit vornehmlich muslimischem Glauben öffnete –, als seien die seit 2015 Zugewanderten nicht wirklich bestrebt, in der Mitte der Gesellschaft anzukommen? „Scheitert die Integration am Islam?“ Dieser Frage geht der promovierte Volljurist Joachim Wagner, der bis Ende 2008 stellvertretender Leiter des ARD-Hauptstadtstudios war, in seinem neuesten Werk „Die Macht der Moschee“ nach. Sie werde „selten offen gestellt und noch seltener offen beantwortet. Sie ist tabuisiert. Denn selbst tastende Annäherungsversuche laufen schnell Gefahr, als islamophob, diskriminierend oder sogar als rassistisch diffamiert zu werden.“ Doch seine Antwort ist eindeutig: Die Integration der Mehrheit der Muslime ist gescheitert. Dieses ernüchternde Fazit zieht der Journalist aus einer Vielzahl von Fakten und Daten, die – aus allen möglichen Bereichen des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens Deutschlands erhoben – schwerlich zu widerlegen sind. Die Bürger haben, verleitet durch ihr eigenes Verständnis von Religion als einer privaten Angelegenheit, „über Jahre gedacht, dass Muslim-sein etwas Privates ist. Auch das ist, wie wir inzwischen wissen, ein Irrtum. Religion ist ja nicht Privatsache. Vom Anspruch her ist der Islam eine Religion, die die Staats- und Gesellschaftsordnung bestimmen will und das in vielen muslimischen Ländern auch tut.“

Neben einer Beschäftigung mit dem fatalen Einfluss von Moscheegemeinden und -vereinen macht Wagner insbesondere die Schule als „Integrationsagentur“ Nummer eins aus. Dazu hat er Gespräche mit Dutzenden von Lehrern, mit Schulräten und Schülern an insgesamt 21 Schulen in fünf Städten quer durch die Republik geführt. Außerdem interviewte er unter anderem Migrationsbeauftragte, Islamwissenschaftler sowie Polizisten, Staatsanwälte und Richter. Fest steht, dass sich in den vergangenen Jahren ein grundlegender Wandel vollzogen hat. Die heutige Schülergeneration mit muslimischem Hintergrund ist „religiöser“ geworden, sie vertritt ihre Überzeugungen vehementer und selbstbewusster als zuvor, setzt „liberale“ Mitschüler unter Druck, die Bestimmungen des Korans einzuhalten. Die schon als „Generation Haram“ bezeichneten strenggläubigen Jugendlichen fordern offensiv die Bereitstellung von Gebetsräumen und das Verschieben von Klassenreisen, wenn diese in den Ramadan fallen, verweigern Lehrerinnen den Handschlag und verlangen von ihren Mitschülerinnen und Schwestern, sich schamhaft zu kleiden, mit anderen Worten, sich zu verhüllen.

Als Hürden für die Integration macht Wagner die religiösen Bestimmungen des Islams sowie vom Ausland finanziell und dogmatisch gesteuerte Imame aus, die auf die Einhaltung der strengen Richtlinien pochen. So nimmt es nicht wunder, dass „die Wahl des Ehepartners als einer der härtesten Indikatoren für die Integration von Zuwanderern“ gilt. Nach wie vor bleiben die verschiedenen Ethnien unter sich, „türkische oder arabische Männer, die deutsche Frauen heiraten sind eine Seltenheit“. Sure 2 Vers 221 ist da ganz deutlich: „Und heiratet nicht heidnische Frauen, solange sie nicht gläubig werden! Eine gläubige Sklavin ist besser als eine heidnische Frau, auch wenn diese euch gefallen sollte.“ Allein schon durch die Vorrangstellung der Männer vor den Frauen (Sure 2 Vers 223: „Die Frauen sind für euch ein Saatfeld. So geht zu eurem Saatfeld, wann ihr wollt.“), die mit deutschem Recht nicht zu vereinbaren ist, ist eine Parallelgesellschaft vorprogrammiert, die sich ausgehend von der Religion auch in weiteren Bereichen äußert: „Sprachkompetenz, Medienkonsum, Kontakte zum Herkunftsland und zur Mehrheitsgesellschaft, kulturelle Identitäten, Akzeptanz unserer Wert- und Rechtsordnung, Diskriminierung und Ausgrenzung“ – alles Indikatoren, die auf eine gelungene oder gescheiterte Integration verweisen. Wagner untersucht all diese Punkte akribisch genau. Einer davon ist der, dass man Muslim durch Geburt wird und es bis zum Ende des Lebens bleibt: „Wer vom Glauben abfällt, begeht eine Todsünde. Die Apostasie wird im Islam mit dem Tode bestraft. Religion und Glauben im Islam sind nicht wie im Westen privat, sondern eine öffentliche Angelegenheit. Deshalb bedroht der Koran ihn [den Abfall vom Glauben] an mehreren Stellen mit dem Tod.“ Dies steht im Widerspruch zur negativen Religionsfreiheit, die im Grundgesetz garantiert ist. „Der Gedanke, dass der Islam eine Zwangsgemeinschaft ist, kommt in der deutschen Debatte um Religionsfreiheit kaum vor“, beklagt Wagner.

Auch die „Kultur der Ehre“ ist nicht mit hiesigen Vorstellungen kompatibel. Schulen mit 90 Prozent muslimischen Schülern sind zudem keine Seltenheit mehr: „Der Trend zur Apartheid in der Berliner Schullandschaft ist ungebrochen. In Berlin ist Schule ghettoisiert“, bemerkt einer seiner Interviewpartner. Wenn der Anteil an Schülern mit muslimischen Wurzeln zu hoch wird, schicken die Eltern in der Nachbarschaft ihre eigenen Kinder gern auf andere Schulen. Als „eines der höchsten Hindernisse bei der sozialen wie kulturellen Integration von Muslimen“ bezeichnet Wagner daher den ungebrochenen Trend zu „ethnischen Kolonien“, „Gettos“ oder eben „Parallelgesellschaften“.

Der Autor wartet mit einer Vielzahl Varietäten von teils vertrauten, teils unbekannten Beispielen und Vorfällen auf, um seine Thesen zu illustrieren. Das Bemerkenswerteste an seinem Buch ist, dass es von jemandem verfasst wurde, dem eine Nähe zur AfD nicht nachgesagt werden kann – was Zuversicht und Hoffnung aufkommen lässt, dass Offensichtlichkeiten in Bezug auf die Nichtintegrierbarkeit bestimmter dogmatischer Glaubenspositionen in das Rechts- und Sozialsystem der Bundesrepublik allmählich nicht mehr länger verleugnet werden.

Joachim Wagner: Die Macht der Moschee: Scheitert die Integration am Islam? Verlag Herder 2018, 352 Seiten, EUR 24,–

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