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Zynisch, zynischer, Hamas

Der Geiseldeal Israels mit der Terrororganisation zeigt, wie sehr die Mörder vom 7. Oktober die psychologische Kriegsführung beherrschen.
Demo für Freilassung der Hamas-Geiseln in London
Foto: IMAGO/Justin Ng / Avalon (www.imago-images.de) | Mit dem Geiseldeal zwischen Israel und der Hamas entspricht Israels umstrittener Premier Benjamin Netanjahu dem Willen der überwiegenden Mehrheit seiner Landsleute. Im Bild: Demo in London.

Nach langwierigen Verhandlungen, vermittelt durch die USA und Katar, hieß es am Mittwoch um kurz nach 2 Uhr nachts Ortszeit in Jerusalem: „Wir haben einen Deal!“ Denn nach einer mehrstündigen hitzigen Kabinettsitzung teilte die Regierung Netanjahu mit, dass man einer Übereinkunft zur Freilassung von der Hamas am 7. Oktober in den Gaza-Streifen verschleppten Geiseln erzielt habe.

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Und so soll der Deal ablaufen: Die palästinensische Terrororganisation wird über vier Tage verteilt 50 Geiseln freilassen – laut israelischen Medien soll es sich dabei um 30 Kinder, acht Mütter sowie zwölf ältere Frauen handeln. Im Gegenzug sichert Israel für diese Zeit eine Waffenruhe zu. Und: Für jeweils zehn weitere freigelassene Geiseln würde die Feuerpause danach um einen Tag verlängert. Zudem solle das Rote Kreuz Zugang zu allen restlichen Geiseln bekommen – und im Gegenzug werde Israel außerdem 150 palästinensische Frauen und Kinder aus seinen Gefängnissen freilassen.

Netanjahu beugt sich dem Druck der Öffentlichkeit

Klar ist: Mit dem Geiseldeal zwischen Israel und der Hamas entspricht Israels umstrittener Premier Benjamin Netanjahu dem Willen der überwiegenden Mehrheit seiner Landsleute. Denn neben den eigentlichen Terrorakten vom 7. Oktober, die in Israel mittlerweile laut „Tagespost“-Autor Godel Rosenberg als „schwarzer Sabbat“ bezeichnet werden, sind es die 240 verschleppten Männer, Frauen und Kinder, deren ungewisses Schicksal Israel aufwühlt und deren Freilassung deswegen neben der Zerschlagung der Hamas für Israels Kriegskabinett allerhöchste Priorität hat.

Doch die mit der Hamas erzielte Vereinbarung unterstreicht auch, dass diese in puncto psychologischer Kriegsführung gegenwärtig im Konflikt mit Israel eindeutig die Nase vorn hat: Mit den Geiseln als Faustpfand und menschliche Schutzschilde in der Hand erzwingt sie mithilfe des abgeschlossenen Geiseldeals dringend benötigte Feuerpausen gegenüber den seit Tagen stetig vorwärts marschierenden israelischen Streitkräften – und mit der bald sukzessive erfolgenden Freilassung einiger Geiseln werden über die Medien herzzerreißende beziehungsweise herzerwärmende Bilder in die ganze Welt versendet, die der Hamas auch im Propagandakrieg mit Israel von großem Nutzen sein werden.

Wer mit Terroristen verhandelt, öffnet die Büchse der Pandora

Hinzukommt, dass die Hamas mittlerweile die Befreiung ihrer eigenen Landsleute aus den israelischen Gefängnissen zu einem der Hauptmotive für die barbarischen Terrorakte vom 7. Oktober verklärt – wohlwissend, dass dies genau das ist, was auch in der westlichen Welt so manche friedensbewegten, antikolonialistisch eingestellten Pro-Palästina-Demonstranten hören wollen, um diese Propagandahäppchen entweder als nützliche Idioten oder voller Überzeugung in die Diskussion rund um den Nahost-Konflikt einzubringen.

Nein: Der „schwarze Sabbat“ der Hamas ist und bleibt nicht zu rechtfertigen – und Israel hat möglicherweise mit der durch innenpolitischen Druck erzeugten Verhandlungsbereitschaft die Büchse der Pandora geöffnet. Denn wer einmal mit Terroristen verhandelt beziehungsweise deren Forderungen nachgibt, dem droht die Gefahr, dies immer wieder tun zu müssen. Mit dem Ergebnis, dass die Zerschlagung von Israels Erzfeind möglicherweise in weite Ferne rückt.

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Stefan Ahrens Benjamin Netanjahu Hamas

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