Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Berlin

Widerstand gegen Verbot von Corona-Demonstrationen

Das Land Berlin hat die Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen verboten. Die Veranstalter wollen dennoch demonstrieren. In Medien und Politik wird Kritik laut.
Corona-Demo in Frankfurt
Foto: Michael Schick via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Ursprünglich waren für den 29. August zwei Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen angesetzt gewesen. Unter dem Motto „Versammlung für die Freiheit“ waren 17.000 Teilnehmer angemeldet gewesen, die Initiative ...

Die Stuttgarter Initiative „Querdenken 711“ wehrt sich gegen das Demonstrationsverbot, das die Berliner Versammlungsbehörde für den 29. August verhängt hat. Außerdem kündigte sie Einspruch beim Berliner Verwaltungsgericht gegen das Verbot an. „Wir werden vors Verwaltungsgericht gehen, wir werden natürlich auch im Zweifel das Bundesverfassungsgericht anrufen, wenn nicht bereits auf Ebene des Verwaltungsgerichts oder des Oberverwaltungsgerichts dieser Bescheid aufgehoben wird“, teilte der Rechtsanwalt Ralf Ludwig mit, der die Initiative vertritt.

Lesen Sie auch:

Mangelhafte Einhaltung des Infektionsschutzes

Am Mittwochmorgen hatte die Versammlungsbehörde mehrere Demonstrationen für den kommenden Samstag verboten. Die Behörde begründete den Schritt mit der mangelhaften Einhaltung des Infektionsschutzes. Die Versammlungen vom 01.08.2020 hätten gezeigt, dass „die Teilnehmenden sich bewusst über bestehende Hygieneregeln und entsprechende Auflagen hinweggesetzt haben“, hieß es in einer Pressemitteilung. 

Sollten sich dennoch Menschenmengen bilden, so kündigte Innensenator Andreas Geisel (SPD) ein hartes Vorgehen an. „Ich bin nicht bereit ein zweites Mal hinzunehmen, dass Berlin als Bühne für Corona-Leugner, Reichsbürger und Rechtsextremisten missbraucht wird. Ich erwarte eine klare Abgrenzung aller Demokratinnen und Demokraten gegenüber denjenigen, die unter dem Deckmantel der Versammlungs- und Meinungsfreiheit unser System verächtlich machen“, sagte Berlins Innensenator.

Bild spricht von "inaktzeptablem Angriff"

Die Einschränkung der Demonstrationsfreiheit führte in Medien und sozialen Netzwerken zu hitzigen Debatten. Die BILD-Zeitung sprach von einem „inakzeptablen Angriff“ auf eines der höchsten Grundrechte. Auch der Tagesspiegel monierte, dass eine „politische Begründung“ nicht für ein Demonstrationsverbot ausreiche. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland wertete das Verbot dagegen als „heikel, aber richtig“ ein.

FDP und AfD kritisierten das Versammlungsverbot ebenfalls. Der Berliner FDP-Fraktionsvorsitzende Sebastian Czaja empfand das Verbot angesichts steigender Infektionszahlen zwar als „verständlich“. Es bleibe jedoch ein „bitterer Beigeschmack“, so Czaja gegenüber der Berliner Morgenpost. „Während der Berliner Senat gerade versucht, das Versammlungsgesetz aufzuweichen und sogar die Vermummung des ‚Schwarzen Blocks‘ erlauben will, verbietet der Innensenator eine – unbestritten fragwürdige – Veranstaltung, die nicht in die politische Agenda passt.“

Lesen Sie auch:

Scharfe Kritik von der AfD

Die Fraktionschefin der AfD im Bundestag, Alice Weidel, sagte gegenüber der Jungen Freiheit: „Es ist wirklich unglaublich, wie hier agiert wird. Man kann sich nicht vorstellen, dass eine solche Entscheidung gefallen wäre, wenn sich die Demos gegen Rechts gerichtet hätten.“ Aus den Reihen der Regierungsparteien müsse nun niemand mehr gegen Weißrussland oder China schimpfen. Der AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla sagte auf Twitter: „Das ist ein harter Schlag gegen die Bürger- und Freiheitsrechte in Deutschland und der Kotau des Rechtsstaates vor dem Meinungsdruck der etablierten Parteien. Hier wird das Grundgesetz mit Füßen getreten.“

Ursprünglich waren für den 29. August zwei Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen angesetzt gewesen. Unter dem Motto „Versammlung für die Freiheit“ waren 17.000 Teilnehmer angemeldet gewesen, die Initiative „Querdenken 711“ erwartete 22.500 Personen. Die Stuttgarter Initiative hatte bereits am 1. August mehr als 20.000 Demonstranten auf die Straße gebracht. Die Veranstalter selbst hatten von mehr als einer Million Teilnehmern gesprochen.  DT/mga

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Redaktion Alice Weidel Alternative für Deutschland Deutscher Bundestag FDP SPD Senat von Berlin

Weitere Artikel

Die drohende Linksmehrheit nach der Septemberwahl könnte die CDU dazu zwingen, zum Zentrum eines Bürgerblocks zu werden. Ein Modell für das ganze Land?
06.03.2026, 18 Uhr
Sebastian Sasse
In der Öffentlichkeit wird die AfD regelmäßig als rechts oder rechtsextremistisch bezeichnet. Doch vieles in ihrem Programm erinnert an die sozialistische DDR.
20.07.2026, 16 Uhr
Hubertus Knabe
Gespalten: Die Reaktionen auf den Rücktritt von Jens Spahn vom Vorsitz der CDU/CSU-Bundestagsfraktion fallen höchst unterschiedlich aus.
18.07.2026, 17 Uhr
Stefan Rehder

Kirche

Der eskalierende Streit zwischen Kirche und Regierung beschädigt die Autorität beider Seiten und spaltet ein Land, das von unfreundlichen Nachbarn umgeben ist.
14.08.2026, 17 Uhr
Stephan Baier
Katechismuslesen reicht nicht: Warum der Abtprimas der Benediktiner, Jeremias Schröder, der Mutter Jesu große Bedeutung für seinen Glauben beimisst.
14.08.2026, 15 Uhr
Esther von Krosigk
In Obertshausen erinnert neuerdings eine Statue an den Kirchenlehrer Johannes vom Kreuz und an den spanischen Wallfahrtsort Caravaca de la Cruz.
14.08.2026, 09 Uhr
Oliver Gierens
Tod in der Arena oder lebendig begraben im Bergbau? Im dritten Jahrhundert wurden auch Päpste zu Märtyrern. Der 13. August ist der Gedenktag des heiligen Papstes Pontianus.
12.08.2026, 21 Uhr
Claudia Kock
Wer und was in deutschen Bistümern willkommen ist, zeigt sich besonders deutlich im Umgang mit der traditionellen lateinischen Messe und der Priesterbruderschaft St. Pius X.
11.08.2026, 20 Uhr
Jakob Naser