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Ukrainische Kirchenvertreter: Die Ukrainer werden nicht aufgeben

Aufzugeben bedeute den Tod, so die griechisch-katholischen Bischöfe in der Ukraine. Mut Putin könne man keine echten Verhandlungen führen.
Der Kiewer Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk
Foto: IMAGO/IPA/ABACA (www.imago-images.de) | Die Kapitulationsappelle weisen die Synodenmitglieder unter dem Vorsitz von Großerzbischof Schewtschuk in ihrer Erklärung mit den Worten zurück: „Die Ukrainer werden sich weiter verteidigen.

Der Appell von Papst Franziskus an die Ukraine, die „weiße Fahne“ zu hissen und mit Russland in Friedensverhandlungen zu treten, stößt auch bei ukrainischen Kirchenvertretern auf Kritik. „Die Ukrainer können nicht aufgeben, da aufzugeben den Tod bedeutet“, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Stellungnahme der Ständigen Synode der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine. Die Ziele Putins und Russlands seien klar und deutlich.

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„In Putins Vorstellung gibt es so etwas wie die Ukraine, ukrainische Geschichte, Sprache und ein unabhängiges ukrainisches Kirchenleben nicht“, so die Synodenmitglieder, deren Oberhaupt der Kiewer Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk ist. Die Ukraine sei für Putin keine Realität, sondern nur eine „Ideologie“. Die Massaker in Orten wie Bucha, Irpin, Borodianka oder Izium hätten gezeigt, dass mit Russlands Krieg die Ukraine und alle Ukrainer eliminiert werden sollen. 

Die Ukrainer werden sich weiter verteidigen

Die Kapitulationsappelle weisen die Synodenmitglieder in ihrer Erklärung mit den Worten zurück: „Die Ukrainer werden sich weiter verteidigen. Sie merken, dass sie keine andere Wahl haben.“ Die jüngere Geschichte habe gezeigt, dass man mit Putin keine richtigen Verhandlungen führen könne.

Auch wenn Regierungsvertreter unterschiedlicher Länder und auch Papst Franziskus für Verhandlungen plädierten, werde die Ukraine weiterhin ihre „Freiheit und Würde verteidigen, um einen Frieden zu erlangen, der gerecht ist“. Die Ukrainer glaubten an Freiheit und die von Gott gegebene Menschenwürde. „Sie glauben an die Wahrheit, an Gottes Wahrheit. Und sie sind überzeugt, dass Gottes Wahrheit Bestand haben wird“, so die Erklärung der Synode, dem höchsten Gremium der Kirche zwischen den Sitzungen der Bischofssynode.

Gegen jede Form von Kapitulation sprachen sich am Montagmittag auch die Spitzen des „Allukrainischen Rates der Kirchen und religiösen Organisationen“ aus: „Wir erklären kategorisch, dass niemand, weder jetzt noch jemals, unser Volk zur Kapitulation zwingen wird.“ Die Ukraine verblute, aber sie wehre sich für die Wahrheit und für das Recht, sie selbst zu sein, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme der 15 in der Ukraine anerkannten Kirchen und Religionen, die gemeinsam mehr als 95 Prozent der Bevölkerung repräsentieren.

Beten für die Rückkehr der Frontkämpfer

Die Ukraine wehre sich mutig, doch „wenn sie kapituliert hätte, dann hätte Europa und vielleicht die ganze Welt das sofort zu spüren bekommen“, warnen die Kirchen- und Religionsführer ausdrücklich vor einer „Wiederholung der Verbrechen von Bucha und Irpin“ und einer „weiteren Zerstörung von Städten und Dörfern – wahrscheinlich nicht nur der Ukraine“. In der Stellungnahme, die eine Reaktion auf die am Sonntag bekannt gewordenen Äußerungen von Papst Franziskus darstellt, heißt es weiter: „Jeden Tag beten wir für Frieden. Wir beten für die Rückkehr unserer Frontkämpfer, der Gefangenen aus der Haft und der Flüchtlinge aus fremden Ländern.“

Man bete auch für die Verständigung zwischen den Völkern und die Heilung der durch den Krieg verursachten Wunden. „Aber sich der Gnade dieses Feindes zu ergeben, hat nichts mit Frieden zu tun. Es geht vielmehr um den Sieg der Sklaverei über die Freiheit, der Dunkelheit über das Licht, um die Überlegenheit des Gesetzes des Stärkeren über die Macht des Gesetzes.“ Das alles habe das ukrainische Volk in vergangenen Jahrhunderten mehrfach bitter erleben müssen.

Angesichts des siegreichen Bösen zu kapitulieren sei gleichbedeutend mit dem Zusammenbruch der universellen Idee der Gerechtigkeit und dem Verrat an jenen Prinzipien, die in den großen spirituellen Traditionen vermittelt werden. Die ukrainischen Kirchen und Religionen wollten darum „weiterhin unsere Gläubigen segnen, damit sie ihr Land verteidigen“, während sie „für den Sieg über den Feind und für einen gerechten Frieden beten“.  DT/sba/mlu

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