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Neue Fronten in Nahost

In Syrien drohen Israel und die Türkei aneinanderzugeraten. Amerika muss sein Gewicht in die Waagschale werfen, um eine Eskalation zu verhindern.
Außenpolitikkorrespondent Stephan Baier, Al-Sharaa, Trump
Foto: DT / IMAGO / Avalon.red | Hee-hee-hee! Donald Trump kann in Syrien keinen Stress gebrauchen, schon gar nicht zwischen seinen Partnern Türkei und Israel. Im Bild der US-Präsident mit dem syrischen Machthaber Al-Sharaa.

Krachen nun auch Israel und die Türkei aufeinander? Glaubt man dem US-Sondergesandten für Syrien, Tom Barrack, dann sind beide Länder an einem militärischen Schlagabtausch in der Vorwoche haarscharf vorbeigeschrammt. Da hatte die israelische Armee den verlassenen syrischen Militärflughafen Abu al-Duhur bombardiert, um die Stationierung türkischer Drohnen- und Raketenvorrichtungen zu verhindern. Damaskus und Ankara dementieren derartige Vorhaben, doch Israel ist davon überzeugt. Von Entwarnung kann also keine Rede sein.

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Tatsache ist, dass sowohl Israel als auch die Türkei in Syrien überaus aktiv sind: Israel schlägt, bevorzugt aus der Luft, immer wieder gezielt zu und kann den Süden bis vor die Tore von Damaskus kontrollieren; die Türkei unterstützte die Assad-feindlichen Kräfte, insbesondere die sunnitische Terrorgruppe des heutigen Präsidenten Al-Sharaa, und trug zu dessen Machtübernahme maßgeblich bei. Damit wurde der Einfluss des Iran auf Syrien endgültig gebrochen und die Hisbollah geschwächt, was ja in Israels und Amerikas Interesse ist.

Allerorten Wahlkampfgetöse

Doch während die USA mit dem sunnitischen Ex-Terroristen Al-Sharaa ins Geschäft kommen wollen und sein Syrien von der Terrorliste strichen, setzt die Regierung Netanjahu neuerlich auf Konfrontation. In Israel wird am 27. Oktober gewählt, und da passt ein von allen Seiten bedrohtes Land, das sich rundum verteidigen muss, ins Konzept der ansonsten heterogenen Koalition Netanjahus: Im Gazastreifen kämpft man gegen Hamas-Terroristen, im Libanon gegen die Hisbollah, im Iran gegen eine künftige nukleare Bedrohung Israels und nun in Syrien gegen eine zu enge sunnitische Allianz zwischen Ankara und Damaskus.

Die Eskalation kommt dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan nicht ganz ungelegen, weil er sich im Dauerwahlkampf gegen die kemalistische Opposition befindet. Da lässt sich mit anti-israelischen Tönen ganz gut Stimmung machen, zumal rein rhetorische Solidarität mit den Palästinensern populär ist und viele Türken an ein anti-türkisches Bündnis von Israel, Griechenland und Zypern glauben.

Wahlkämpfe sind nirgendwo Zeiten erhöhter politischer Intelligenz. Doch vor den amerikanischen Midterm-Wahlen am 3. November ist die Stimmungslage völlig konträr: Donald Trump braucht dringend Frieden in Nahost, jedenfalls nicht noch einen Krisenherd – und schon gar nicht Kriegsspiele zwischen zwei traditionellen Verbündeten der USA in der Region. Ob die USA zur Deeskalation zwischen Israel und der Türkei beitragen können, wird zeigen, ob Amerika bei seinen Alliierten in Nahost noch über Gewicht verfügt.

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