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CDA-Chef Radtke: Merkel-Nostalgie statt christlich-soziales Profil

Der Chef der CDU-Arbeitnehmer Dennis Radtke zielt mit seinen Stadtbild-Aussagen direkt an seiner Wählerklientel vorbei.
Politikredakteur Sebastian Sasse, Dennis Radke
Foto: DT / IMAGO / Political-Moments | Zu ehrlich? CDA-Mann Dennis Radtke hat einen gemeinhin eher als unglücklich betrachteten Auftritt bei Markus Lanz hingelegt.

Es gibt eine sozial-konservative Lücke bei den deutschen Parteien: Wer gesellschaftspolitisch konservativ denkt, wirtschaftspolitisch aber eher sozialdemokratisch tickt, für den ist es gar nicht so einfach, sein Kreuz bei der Wahl zu machen. Vor allem dann, wenn er nicht die AfD oder das BSW unterstützen will.

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Der Chrupalla-Flügel wie auch die Wagenknecht-Leute bemühen sich nämlich um diese Klientel, stoßen aber außer im Osten noch auf Vorbehalte: Die westdeutsche Industriearbeiterschaft fühlt sich zwar auch zunehmend von linken Parteien im Stich gelassen, die lieber in die Kulturkämpfe flüchten, als ihre Lebensverhältnisse zu verbessern. Aber sie fremdelt auch mit diesen Alternativen. Also eigentlich goldene Zeiten für die christdemokratische Arbeitnehmerschaft.

Radtke springt der Wählerschaft ins Gesicht

CDA-Chef Dennis Radtke gilt in seinen Kreisen als rhetorisches Talent, eine Mischung aus Ruhrpott-Bollerkopp und Gewerkschafter mit Basisnähe. Springt er in die Lücke? Nein, mit seinen Äußerungen zur Stadtbild-Debatte springt er genau dieser angepeilten Wählerschaft ins Gesicht. Lapidar festzustellen, in Wattenscheid würde es eben nie mehr wieder so aussehen wie in den 1970er-Jahren, damit macht er vielleicht Punkte bei Soziologieprofessoren, aber die Arbeiter aus dem Ruhrgebiet zeigen ihm den Vogel.

So weit waren sie wohl schon auch. Die Sorgen, die sie umtreiben, wenn sie die Straßen sehen, in denen sie leben, sind nicht von romantisierender Nostalgie geprägt, sondern konkret im Hier und Jetzt angesiedelt: Müll, Nachbarn, deren Sprache man nicht versteht, Kriminalität und das Gefühl, fremd im eigenen Haus zu sein. Darauf wollen sie Antworten. Radtke gibt hier stattdessen den Nostalgiker, präsentiert sich als Merkelist alter Schule. Für die CDA gewinnt er so kein Profil.

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