Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um "5 vor 12"

Staatsterror am Palmsonntag

Die „Ökumene der Märtyrer“ gab es am Palmsonntag auch in Sumy: Putin bringt Leid und Tod über die ukrainischen Christen aller Konfessionen.
Russischer Raketenangriff auf Sumy
Foto: IMAGO/Ukrainian Emergency Service (www.imago-images.de) | 34 Tote, darunter zwei Kinder, und 117 Schwerverletzte sind in Sumy die traurige Bilanz des russischen Staatsterrors an diesem Palmsonntag.

Der Tod kam beim Kirchgang: Weil die Christen aller Konfessionen in diesem Jahr Ostern am selben Tag feiern, strömten im ostukrainischen Sumy am gestrigen Palmsonntag Orthodoxe wie Katholiken zu ihren Kirchen, als die russischen Raketen einschlugen. Die ballistischen Raketen seien gezielt auf das Stadtzentrum abgefeuert worden, meint der Gouverneur von Sumy, Wollodymyr Artukh. „Der Feind wollte möglichst viele töten, den größtmöglichen Schaden anrichten.“ 34 Tote, darunter zwei Kinder, und 117 Schwerverletzte sind allein in Sumy die traurige Bilanz des russischen Staatsterrors an diesem Palmsonntag. „Während wir das Fest des Lebens feiern, will uns der Feind sein Fest des Todes aufzwingen“, kommentierte das der Großerzbischof der ukrainischen Katholiken des byzantinischen Ritus, Swjatoslaw Schewtschuk.

Lesen Sie auch:

Der russische Angreifer unterscheidet nicht zwischen den Konfessionen: Die „Ökumene der Märtyrer“ gibt es nicht nur in muslimisch dominierten Ländern, wo islamistische Fanatiker gegen Christen jedes Bekenntnisses wüten, sondern auch in der Ukraine. Putins Krieg zielt nicht auf Eroberung, sondern auf die Vernichtung der ukrainischen Identität. Deshalb terrorisiert und traumatisiert seine Armee weit abseits der Front die Zivilbevölkerung – und all das mit dem ausdrücklichen Segen des russisch-orthodoxen Patriarchats.

Kein „heiliges Russland“ 

Die „Ökumene der Märtyrer“ schweißt auch die Gottgläubigen in der Ukraine zusammen. In einer gemeinsamen Stellungnahme des „Allukrainischen Rates der Kirchen und Religionsgemeinschaften“ schrieben die Vertreter aller anerkannten christlichen Kirchen, aber auch von Judentum und Islam nach dem Terroranschlag von Sumy: „Durch diese Aktionen sehen wir, dass für einen Staat, der sich selbst ‚Heiliges Russland‘ nennt, tatsächlich nichts Heiliges existiert.“ Es fehle jeder grundlegende Respekt vor dem Wert des menschlichen Lebens und darum auch der Respekt vor den Feiertagen der Gläubigen.

Putins imperialistischer Krieg vernichtet Schulen und Krankenhäuser, Wohnanlagen und Häuser Russisch- wie Ukrainischsprachiger – und eben auch Kirchen aller Konfessionen. Wenn Wladimir Putin und Patriarch Kyrill am kommenden Sonntag am Rande der Osterfeierlichkeiten in Moskau wiederum wertvolle Geschenke austauschen und der Patriarch seinen Präsidenten vor laufenden TV-Kameras segnet, muss man auch daran erinnern: Putins Krieg hat bereits mehr als 600 Kirchengebäude in der Ukraine vernichtet – mehrheitlich solche, die Kyrill zum spirituellen Erbe seiner Kirche zählt.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Stephan Baier Christen Orthodoxe Osterfeierlichkeiten Wladimir Wladimirowitsch Putin Ökumene

Weitere Artikel

Der Kölner Kardinal wirbt zu Beginn der Gebetswoche zur Einheit der Christen für einen ehrlichen Dialog. Leo XIV. ruft zum Gebet für die volle sichtbare Einheit auf.
19.01.2026, 14 Uhr
Meldung

Kirche

Inmitten von Gewalt und Bedrohung setzt der Libanon ein sichtbares christliches Zeichen in der Bekaa-Ebene – als Pilgerstätte und Ort der Erneuerung.
20.03.2026, 14 Uhr
José García
Trotz allgemeinen Glaubensschwunds gibt es auch Hoffnungszeichen in der Kirche. Die Encounter-Konferenz in Wien gehört dazu.
20.03.2026, 15 Uhr
Gabriele Kuby
Leo XIV. beruft Bischöfe zum Thema Familie: Er will das Erbe von Franziskus vertiefen und das kirchliche Engagement für Ehe und Familie erneuern.
20.03.2026, 09 Uhr
Meldung