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Seibert: Gott aus politischen Tagesentscheidungen heraushalten

Deutschlands Botschafter in Israel beklagt, dass Gott im Nahost-Konflikt instrumentalisiert wird und plädiert für mehr Verständnis für die jeweils andere Seite.
Steffen Seibert, Botschafter Deutschlands in Israel
Foto: IMAGO/Bernd Elmenthaler (www.imago-images.de) | Steffen Seibert lebt als Botschafter Deutschlands in Israel.

Deutschlands Botschafter in Israel, Steffen Seibert, beklagt mit Blick auf den Nahost-Konflikt, dass „Gott zu sehr als Argumentationshilfe in der Politik oder als Begründung für Politik genommen wird“. Er äußerte sich im Podcast „Lebensfragen“ des Bistums Mainz, der am Montagabend auf der Homepage des Bistums veröffentlicht wurde. Man müsse Gott grundsätzlich aus politischen Tagesentscheidungen heraushalten, es würden selten „besonders gute Absichten" dahinterstecken, sagte er im Gespräch mit dem Mainzer Bischof Peter Kohlgraf und der Journalistin Anja Schneider. 

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Gleichzeitig plädierte der frühere Sprecher der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel für mehr Verständnis für die jeweils andere Seite. Wörtlich sagte er: „„In Israel beklage ich ganz oft, dass es zu wenig Gespräch miteinander gibt.“ Doch man müsse Menschen aus unterschiedlichen Lagern ins Gespräch bringen. „Man muss sich ja politisch dann gar nicht einig sein - aber man kann über menschliche Dinge, über Leid, das eine Gemeinschaft erfahren hat, empathisch miteinander sprechen“, befand er.

Nahost-Konflikt Schülern erklären

Auch an Schulen gehöre der Nahost-Konflikt thematisiert. Es sei „ein ziemlich komplexer Konflikt - keine einfache Schwarz-Weiß-Sache“, die Schülern deutlicher erklärt werden sollte, forderte Seibert, denn oftmals fehle es selbst an Grundkenntnissen.

Israel sei „ein Land, das einen extremen Druck, eine extreme Spannung und auch ein großes Trauma verspürt“, erklärte Seibert. Es gehöre zum Leben in Israel, dass man eine App auf dem Handy habe, die im Fall von Raketenangriffen warne und die auch zeige, was "im Land gerade an Angriffen läuft“. Niemand würde sagen, „dass er das Leben hier im Moment normal findet“, auch wenn er zur Arbeit gehe und seine Kinder im Kindergarten abliefere, Essen, ins Kino oder ins Theater gehe.

Geiseln nicht vergessen

Daneben mahnte Seibert, die Geiseln in dieser schnelllebigen Zeit nicht zu vergessen. Das Vergessen und „die damit einsetzende Gleichgültigkeit" gegenüber den Entführten sei der größte Feind der Geiseln, sagte er und betonte, Deutschland setze sich hinter den Kulissen intensiv für eine Freilassung aller Geiseln der Hamas ein, unter denen sich auch deutsche Staatsangehörige befänden. Man versuche, „alle politischen und diplomatischen Mittel, die die Bundesrepublik hat, einzusetzen, dass die Menschen so schnell wie möglich freikommen".

Auch erinnerte er an das Schicksal von zwei Millionen Flüchtlingen im Gazastreifen. 90 Prozent aller Bewohner seien Vertriebene, die viele Male ihren Aufenthaltsort wechseln mussten und immer wieder neue Evakuierungsaufforderungen bekämen. Auch das dürfe man „nicht vergessen“.  DT/dsc

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