Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Nach Äußerungen zum Ukrainekrieg

Roderich Kiesewetter: Der Papst versagt als Orientierungsgeber

Mit seinen Äußerungen zum Krieg in der Ukraine habe sich der Papst auf die Seite des russischen Aggressors gestellt, so der CDU-Bundestagsabgeordnete in einem Gastbeitrag.
Roderich Kiesewetter, CDU-Bundestagsabgeordnete
Foto: IMAGO/Bernd Elmenthaler (www.imago-images.de) | Der Papst müsse „in Zeiten, in denen sich viele Mitbürger diese existenzielle Frage des Menschseins stellen“, ein „Orientierungsgeber“ sein, schreibt Kiesewetter.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter kritisiert die Äußerungen von Papst Franziskus zum Krieg in der Ukraine scharf. Franziskus werde seiner Aufgabe als Oberhaupt der katholischen Kirche mit Blick auf diesen Krieg nicht gerecht, schreibt der Politiker in einem exklusiven Gastbeitrag für die Tagespost.

Lesen Sie auch:

Die Menschen stellten sich die Frage: „Kämpfen wir um Freiheit und Gerechtigkeit oder wollen wir Frieden, der Unterwerfung und Terror bedeutet, der die Würde des Menschen ,antastet‘?“ Der Papst müsse „in Zeiten, in denen sich viele Mitbürger diese existenzielle Frage des Menschseins stellen“, ein „Orientierungsgeber“ sein. Stattdessen habe Franziskus aber in einem entscheidenden Moment die falschen Worte gefunden. „Er hat nicht Orientierung gegeben, sondern eine Haltung gezeigt, die dem christlichen Menschenbild widerspricht. Das verunsichert viele und verwirrt, wo Glaube und Werte eine starke Orientierung bieten sollten. Bitter für viele Menschen auf der Welt, die Orientierung suchen und für eine katholische Kirche, deren Existenzberechtigung sich daraus speisen sollte“, so Kiesewetter.

Kiesewetter warnt vor Täter-Opfer-Umkehr

Seine Schlussfolgerung: „ Mit seiner Aussage stellt sich der Papst auf die Seite des Aggressors Russland, anstatt sich auf die Seite des Opfers zu stellen. Der Appell, den Krieg sofort zu beenden darf und kann sich ausschließlich an den Aggressor Russland richten“, betont der Verteidigungspolitiker.

„Alles andere wird zur Täter-Opfer-Umkehr. Das ist so, als würde man einem Vergewaltigungsopfer sagen, lass dich auch noch schlagen, damit wir Frieden haben, anstatt den Vergewaltiger zu stoppen. Es verkennt das Verbrechen des Angriffskrieges nach der UN-Charta und das Ziel Russlands, die internationale regelbasierte Ordnung zu zerstören, die auch die katholische Kirche stützt. Wenn die Ukraine die weiße Flagge hisst, dann wird die gesamte Ukraine vernichtet. Denn Russland hat keine Interessen an einem Stück Land, sondern es führt einen Vernichtungskrieg. Die Botschaft Russlands ist das Verbrechen selbst. Für Russland hat der Mensch keine Würde.“


Papst Franziskus hat mit seinen Aussagen zum Krieg in der Ukraine ein weltweites Echo ausgelöst. Die Tagespost wollte wissen, wie deutsche Spitzenpolitiker einschätzen, was der Heilige Vater gesagt hat. Heute schreibt dazu Roderich Kiesewetter, Verteidigungspolitiker und CDU-Bundestagsabgeordneter. Den Auftakt machte gestern Sahra Wagenknecht, Vorsitzende des BSW und Mitglied des Bundestages.   

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Angriffskriege Deutscher Bundestag Die Tagespost Papst Franziskus Päpste Roderich Kiesewetter Sahra Wagenknecht Terrorismus Vernichtungskriege

Weitere Artikel

Hinter dem Schüler-Aktionsbündnis gegen Bundeswehr und Wehrdienst steckt ein Bündnis linker und linksextremer Organisationen und Personen.
01.10.2026, 17 Uhr
Henry C. Brinker
Podcasts befeuern die Debatte zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine – und kommen zu informativen wie abstrusen Schlussfolgerungen.
30.05.2026, 11 Uhr
Marc Stegherr
Aus Angst vor ukrainischen Drohnenangriffen hat das russische Regime – trotz vereinbarter Waffenruhe – seinen „Tag des Sieges“ abgespeckt.
09.05.2026, 11 Uhr
Stephan Baier

Kirche

Das Bischofstreffen in Rom zur Familienpastoral stößt auf wenig Interesse bei den Medien. Grund ist die Art und Weise, wie die Versammlung gelenkt und gesteuert wird.
10.10.2026, 12 Uhr
Guido Horst
Papstjubel und Protestwut: Hunderttausende Franzosen gingen zuletzt aus verschiedenen Gründen auf die Straßen. Eins hat sie dennoch vereint.
09.10.2026, 11 Uhr
Elisabeth Hüffer
Johannes Zehe, früher Geiger und seit 2023 Regens für die Priesterausbildung im Erzbistum, wird an diesem Samstag im Mariendom zum Bischof geweiht.
09.10.2026, 14 Uhr
Dorothea Schmidt
Gott will glückliche Menschen, schreibt Erzbischof Georg Gänswein. Gott lädt zur Hochzeit seines Sohnes ein. Doch die Gäste haben vermeintlich Wichtigeres vor.
10.10.2026, 21 Uhr
Georg Gänswein