Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Selbstbestimmungsgesetz

Queere Menschen im „Sonderregister“? Grüne kritisieren Dobrindt

Die Grünen werfen Bundesinnenminister Dobrindt vor, mit einer neuen Verordnung queere Menschen zu diskriminieren. Namensdaten vor der Änderung sollen gespeichert werden.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt
Foto: IMAGO/Christian Ditsch (www.imago-images.de) | Alexander Dobrindt setze queere Menschen einem „erhöhten Diskriminierungs- und Stigmatisierungsrisiko" aus, werfen die Grünen ihm vor.

In der Debatte um die neue Daten-Verordnung zum Selbstbestimmungsgesetz werfen die Grünen Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) die Gefährdung queerer Menschen vor. Darüber berichtete die Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) am Mittwoch. Im Entwurf des Bundesinnenministeriums steht, dass künftig folgende Daten im Meldewesen aufgenommen werden: der Geschlechtseintrag und der Vorname eines Menschen vor der Änderung, das Datum der Änderung, die ändernde Behörde sowie das Aktenzeichen. Die Betroffenen können der Verarbeitung früherer Angaben nicht widersprechen oder sie verhindern. Wer seinen ehemaligen Namen im Meldewesen eintragen muss, „outet“ sich ungewollt beim Kontakt mit Behörden. Damit setze Dobrindt „diese vulnerable Gruppe einem erhöhten Diskriminierungs- und Stigmatisierungsrisiko“ aus, kritisierte die queerpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion Nyke Slawik am Dienstag.

Lesen Sie auch:

„Mit der vorgesehenen Speicherung und Abrufbarkeit früherer Geschlechts- und Namensangaben verletzt der Entwurf grundlegende Schutzpflichten des Staates“, so Slawik weiter. Trans- und intergeschlechtliche sowie nicht-binäre Menschen würden durch ein faktisches Sonderregister erfasst und damit als „anders“ markiert. Auch die SPD verrate queere Menschen, in dem sie sich hinter die Pläne des Ministers stelle, so die Kritik der Grünen.

Bisher wurde der erste Name nicht gespeichert

Nach alter Rechtslage handelte es sich nach dem Transsexuellengesetz nur um eine „sehr kleine Personengruppe“, die ihren Geschlechtseintrag habe ändern lassen. Auf das übliche Verfahren zur Daten-Aktualisierung sei aus Schutzgründen verzichtet worden. Diese Regelung lasse sich nach geltender Rechtslage nicht aufrechterhalten, so das Bundesinnenministerium. Der Name sei zudem ein wichtiges Merkmal um Datensätze zweifelsfrei der richtigen Person zuzuordnen.

Eine isolierte Suchanfrage nach dem früheren Geschlechtseintrag sei jedoch „ausgeschlossen“, um Betroffene besser zu schützen. Die Ressortabstimmung zum Entwurf sei jedoch noch nicht abgeschlossen, so das Bundesinnenministerium.
Das Selbstbestimmungsgesetz ist am 1. November 2024 in Kraft getreten. Jeder Volljährige kann seitdem die Geschlechtsidentität im Pass frei wählen und selbst zwischen den Einträgen „männlich“, „weiblich“, „divers“ oder „ohne Angabe“ entscheiden. Psychiatrische Gutachten sind dafür nicht mehr notwendig. DT/elih

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Alexander Dobrindt CSU SPD

Weitere Artikel

Von mobilen Pollern bis privaten Sicherheitsdiensten – das alles ist nötig, um öffentliche Veranstaltungen in der Adventszeit zu schützen. Die Städte ächzen unter der finanziellen Last.
05.12.2025, 09 Uhr
Jakob Naser Thomas Müller
Christliche Gewerkschaftler, CSU-Politiker und der SPD-Parteigenosse Mathias Brodkorb plädieren dafür, dass sich die Staatsrechtlerin zurückziehen müsse.
18.07.2025, 12 Uhr
Meldung

Kirche

Positionspapier zur Rettung der Kirchenmusik, das es in sich hat: Der Deutsche Musikrat beschämt die Kirche mit Kritik an ihrem Musikleben. Zwischenruf einer Kirchenmusikerin.
23.01.2026, 16 Uhr
Barbara Stühlmeyer
Von Favoriten bis Kompromisskandidaten für den Posten des Vorsitzenden der deutschen Bischöfe: Ein Überblick über Chancen und Profile.
22.01.2026, 16 Uhr
Dorothea Schmidt
Der Journalist Franz Herre schrieb große Biografien. Einen besonderen Blick warf er auf Konrad Adenauer. Mit fast 100 Jahren ist der Katholik nun gestorben.
23.01.2026, 11 Uhr
Sebastian Sasse
Bei einer Grönland-Invasion wäre es „moralisch akzeptabel, diesen Befehl zu verweigern“, meint der ehemalige Vorsitzende der US-Bischofskonferenz. Sein Nachfolger hält sich noch bedeckt.
21.01.2026, 10 Uhr
Meldung