Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Warschau

Polnische Bischöfe unterstützen nahezu vollständiges Abtreibungsverbot

Heute stimmt das polnische Parlament über eine Volksinitiative für ein nahezu vollständiges Abtreibungsverbot ab. Die katholischen Bischöfe des Landes unterstützen den Entwurf. Ob dieser das Parlament passiert, ist jedoch fraglich.
Polens Parlament
Foto: Grzegorz Banaszak (ZUMA Wire) | Polens Staatspräsident Andzej Duda kündigte bereits an, weitere Einschränkungen der Abtreibungsgesetze zu unterstützen. „Ich glaube, Kinder mit Behinderung zu töten ist schlicht und ergreifend Mord“, so Duda.

Die katholischen Bischöfe Polens unterstützen einen vom Volk initiierten Gesetzentwurf  für ein nahezu vollständiges Abtreibungsverbot. Unmittelbar vor der für Donnerstag angesetzten Parlamentsabstimmung erklärte der Sprecher der Polnischen Bischofskonferenz, Pawel Rytel-Andrianik, auf dem Kurzmitteilungsdienst Twitter, dass die Bischöfe alle Initiativen unterstützten, die „darauf abzielen, menschliches Leben von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod“ zu schützen.

830.000 Polen unterzeichneten die Petition

Lesen Sie auch:

Die Petition für ein Abtreibungsverbot, das auch Fälle umfassen würde, in denen das ungeborene Kind schwere Fehlbildungen oder Krankheiten aufweist, unterzeichneten etwa 830.000 polnische Bürger. Bislang sind Abtreibungen laut Gesetz nur in Fällen von Vergewaltigung und Inzest erlaubt, wenn die Gesundheit und das Leben der Mutter in Gefahr sind oder im Falle schwerer Fehlbildungen oder Krankheiten des Fötus.

Ob der Gesetzesentwurf ausreichend Unterstützung findet, um das Unterhaus des Parlaments zu passieren, ist fraglich. Polens Staatspräsident Andzej Duda kündigte jedoch bereits an, weitere Einschränkungen der Abtreibungsgesetze zu unterstützen. „Ich glaube, Kinder mit Behinderung zu töten ist schlicht und ergreifend Mord“, wird er von der Nachrichtenagentur Reuters zitiert.

Ähnliche Volksinitiative scheiterte 2015 im Parlament

Eine ähnliche Volksinitiative, die alle Abtreibungen in Polen verbieten wollte, scheiterte bereits 2015 im Parlament, so wie auch weitere dahingehende Gesetzesvorschläge. Gegen die nun eingebrachte Initiative kam es in zahlreichen polnischen Großstädten zu Protesten. In Polen wurden zuletzt laut offiziellen Angaben jährlich rund 1.000 legale Abtreibungen registriert. In fast allen Fällen stellten Ärzte demnach eine schwere Krankheit des Fötus fest.

DT/mlu

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Redaktion Bischof Deutsche Bischofskonferenz Katholizismus Schwangerschaftsabbruch Vergewaltigung

Weitere Artikel

Kirche

Der eskalierende Streit zwischen Kirche und Regierung beschädigt die Autorität beider Seiten und spaltet ein Land, das von unfreundlichen Nachbarn umgeben ist.
14.08.2026, 17 Uhr
Stephan Baier
Katechismuslesen reicht nicht: Warum der Abtprimas der Benediktiner, Jeremias Schröder, der Mutter Jesu große Bedeutung für seinen Glauben beimisst.
14.08.2026, 15 Uhr
Esther von Krosigk
In Obertshausen erinnert neuerdings eine Statue an den Kirchenlehrer Johannes vom Kreuz und an den spanischen Wallfahrtsort Caravaca de la Cruz.
14.08.2026, 09 Uhr
Oliver Gierens
Tod in der Arena oder lebendig begraben im Bergbau? Im dritten Jahrhundert wurden auch Päpste zu Märtyrern. Der 13. August ist der Gedenktag des heiligen Papstes Pontianus.
12.08.2026, 21 Uhr
Claudia Kock
Wer und was in deutschen Bistümern willkommen ist, zeigt sich besonders deutlich im Umgang mit der traditionellen lateinischen Messe und der Priesterbruderschaft St. Pius X.
11.08.2026, 20 Uhr
Jakob Naser